Tag: Babeş-Bolyai-Universität

  • Generation Z: Wandel in der Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Dynamik

    Generation Z: Wandel in der Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Dynamik

     

     

    Interessant sind auch die veränderte Einstellung der Arbeitgeber gegenüber Autorität und die Art und Weise, wie Organisationen Leadership neu interpretieren. Man könne nicht mehr von autoritären, befehlshabenden Führungskräften sprechen, weil die jüngere Generation von einer solchen Selbstinszenierung weder überzeugt noch beeindruckt ist, sagt Tudor Țiclău, Dozent am Fachbereich für öffentliche Verwaltung und Management der auftraggebenden Hochschule:

    Unter dem Gesichtspunkt der Auswahlkriterien für die Stellensuche haben wir 9 Faktoren in der Reihenfolge ihrer Bedeutung für die Arbeitnehmer getestet. An erster Stelle steht die Sicherheit des Arbeitsplatzes, 87 % halten sie für ein wichtiges oder sehr wichtiges Kriterium, an zweiter Stelle die Art der Arbeit, an dritter Stelle die Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten und an vierter Stelle die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Sehr interessant ist, dass die gleichen Kriterien auch für Studenten gelten (wir haben diese Hochrechnungen auch unter Studenten durchgeführt, mit der Einschränkung, dass für Studenten die Arbeitsplatzsicherheit an vierter Stelle steht und die Work-Life-Balance das wichtigste Kriterium ist). Die Entwicklungsmöglichkeiten und die Art der ausgeübten Tätigkeit stehen an zweiter bzw. dritter Stelle. Ein weiteres wichtiges und interessantes Element ist das Gehalt und die Sozialleistungen, die auf Platz 5 und 6 liegen, d. h. es handelt sich nicht um ausschlaggebende Auswahlkriterien. Sie werden nur dann wichtig, wenn sie untergewichtet sind. An letzter Stelle kommen die Arbeit von zu Hause aus (Homeoffice) oder die Fernarbeit, die Werte des Unternehmens und – am wenigsten wichtig (nur die Hälfte der Befragten hält dies für ein wichtiges Kriterium) – die Arbeit mit Spitzentechnologie. Das Gleiche gilt für Studenten.“

     

    Die Studie habe auch hervorgehoben, dass Organisationen und Unternehmen heute zunehmend auf eine viel offenere Kommunikation mit den Mitarbeitern und Arbeitnehmern setzen, sagt weiter Professor Tudor Țiclău:

    In der Tat sind die Work-Life-Balance und das Wohlbefinden, die ein Unternehmen bietet, zunehmend wichtige Elemente. Ich würde nicht sagen, dass Top-Manager und Führungskräfte sich darüber aufregen, im Gegenteil, wir haben beobachtet, dass die Unternehmen diesen Wandel, der sich bei den Mitarbeitern vollzieht, sehr gut verstehen. Wohlbefinden und Work-Life-Balance sind mittlerweile wichtigere Kriterien für die neue Generation von Arbeitnehmern, die Generation Z, und wir glauben, dass sie in ein breiteres Paradigma der Beziehung zwischen Organisationen und Mitarbeitern integriert werden sollten. Wir haben es nämlich mit einer Transformation der beruflichen Identität zu tun, die im Moment irgendwie einen kleineren Raum in der persönlichen Identität im Vergleich zu anderen Generationen einnimmt. Mit anderen Worten: Der Einzelne identifiziert sich nicht mehr mit seinem Arbeitsplatz. Außerdem muss der Arbeitsplatz auf die Bedürfnisse der Arbeitnehmer zugeschnitten sein. Wir sehen diese Abgrenzung zwischen Privat- und Berufsleben, wobei die jüngere Generation großen Wert darauf legt, dass diese Grenze nicht überschritten wird. Ein einfaches Beispiel: Wenn der Arbeitstag vorbei ist, erwarten junge Arbeitnehmer, dass sie nicht vervollständigte Aufgaben erst am nächsten Arbeitstag erledigen dürfen und das Arbeitsleben nicht in das Privatleben einfließt.“

     

    Wir erleben also einen noch nie dagewesenen Wandel in der Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Dynamik, und das haben wir der jungen Arbeitnehmergeneration zu verdanken, führt zum Schluss Professor Tudor Țiclău von der Babeș-Bolyai-Universität in Cluj (Klausenburg) aus:

    Es gibt auch eine Verschiebung in der Akzeptanz des Führungsstils. Klar ist, dass der traditionelle Führungsansatz, der sich auf die formale Autorität der Führungskraft stützt, die Anweisungen gibt und erklärt, wie die Dinge zu tun sind, heute in kaum einer Situation noch funktioniert. Heute ist Leadership mit viel komplexeren Fähigkeiten verbunden. Zunächst einmal muss eine Führungskraft, unabhängig vom Unternehmen und von der Position, über herausragende menschliche Qualitäten verfügen, vor allem über Einfühlungsvermögen, Kommunikationsfähigkeit und die Fähigkeit, die individuellen Bedürfnisse des Mitarbeiters zu verstehen, und auf dieser Grundlage bauen die anderen Führungsfähigkeiten auf: technische Fähigkeiten, die Fähigkeit, eine Vision zu entwickeln und diese Vision zu vermitteln, also Fähigkeiten, die sich auf die Besonderheiten der Aufgabe beziehen. In erster Linie suchen neue Mitarbeiter bei den Führungskräften, mit denen sie zu tun haben, die Fähigkeit, sie als Individuen wahrzunehmen, ihre Bedürfnisse zu erkennen und sie auf Augenhöhe zu behandeln. Im Grunde genommen reagieren sie auf jede Form der Anwendung formaler Autorität mit Widerstand, und das ist spezifisch für die Generation Z, nicht nur am Arbeitsplatz. Es ist im Grunde eine Ablehnung der traditionellen Werte.“

     

  • Nachrichten 11.01.2023

    Nachrichten 11.01.2023

    In Rumänien nimmt die Welle von Atemwegserkrankungen und Grippe von Woche zu Woche zu, und Fachleute gehen davon aus, dass sich dieser Trend erst im Februar abschwächen wird. In dieser Zeit treten bei Kindern vermehrt Infektionen der Atemwege auf, warnen Ärzte. Inzwischen sind hier auch Fälle von Flurona – gleichzeitige Infektionen mit Grippe und COVID 19 – aufgetreten. Eine 74-jährige Frau war über das Wochenende das erste Flurona-Todesopfer in Rumänien. Ärzte sagen, dass bei einer Infektion mit beiden Viren das Risiko eines schweren Verlaufs viel höher ist.


    Die Rumänische Nationalbank (BNR) hat ihren geldpolitischen Zinssatz auf 7 % pro Jahr angehoben, um die Inflation einzudämmen. Die Experten der Bank gehen nun davon aus, dass die jährliche Inflationsrate in diesem Quartal erst leicht und danach stärker zurückgehen wird, so dass sie im Sommer nicht mehr im zweistelligen Bereich % liegen wird. Nach Ansicht von Experten wird die erneute Anhebung des Leitzinses höchstwahrscheinlich auch zu einem Anstieg der Kredit-, aber auch der Sparzinsen bei Geschäftsbanken führen.



    Der rumänische Außenminister Bogdan Aurescu hat am Mittwoch mit seinem ukrainischen Amtskollegen Dmytro Kuleba telefoniert. Das Gespräch knüpfte an das Telefongespräch zwischen dem rumänischen Präsidenten Klaus Iohannis und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Zelenskjy vom 4. Januar an, bei dem vereinbart wurde, dass die diplomatischen Leiter in Bukarest und Kiew Gespräche zur Lösung der von rumänischer Seite aufgeworfenen Probleme im Zusammenhang mit dem Gesetz über nationale Minderheiten in der Ukraine führen werden. Bogdan Aurescu und Dmytro Kuleba kamen überein, einen Prozess umfassender Konsultationen zu diesen Fragen einzuleiten, der auch Gespräche auf Expertenebene und ein Treffen der beiden Außenminister in der nächsten Zeit umfasst. Minister Aurescu bekräftigte Rumäniens nachdrückliche Unterstützung für die Unabhängigkeit, Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine und verwies auf die starke und umfassende Unterstützung Bukarests für die Ukraine und das ukrainische Volk, das Opfer des russischen Angriffskrieges ist.



    Der Minister für Nationale Verteidigung, Angel Tîlvăr, hat sich mit rumänischen Soldaten getroffen, die auf dem Stützpunkt Bemowo Piskie in Polen stationiert sind. Er führte mit seinem polnischen Amtskollegen Mariusz Blaszczak ein Gespräch über die Sicherheitslage in der Region im Zusammenhang mit der russischen Aggression gegen die Ukraine. Er wies darauf hin, dass Rumänien und Polen sich mit den ukrainischen Flüchtlingen solidarisch gezeigt haben. Angel Tílvăr wurde vom Chef des Verteidigungsstabs, General Daniel Petrescu, begleitet. Am Montag trafen die beiden mit rumänischen Soldaten zusammen, die auf dem NATO-Stützpunkt in Pristina (Kosovo) stationiert sind, und erörterten mit dem italienischen KFOR-Befehlshaber Generalmajor Angelo Michele Ristuccia die Sicherheitslage in der Region.



    Die Ethikkommission der ,,Babeș Bolyai-Universität in Cluj-Napoca (Nordwesten) hat in der Doktorarbeit des Innenministers Lucian Bode zwei Arten von Abweichungen von den Zitierregeln festgestellt. Die Kommission stellte fest, dass die Abweichungen so erheblich sind, dass sie zu dem Schluss kommen, dass die These mit großen Mängeln behaftet ist. Die Kommission fordert daher den Minister auf, die These zu korrigieren und das auf ihrer Grundlage veröffentlichte Buch zurückzuziehen und eine Wiederveröffentlichung erst dann vorzunehmen, wenn alle Abweichungen berichtigt sind. Minister Lucian Bode antwortete, dass es sich bei dem Satz über seine Doktorarbeit um eine subjektive Bewertung durch die Ethikkommission der Universität handele und er vor Gericht gehen werde.



    Im Zusammenhang mit der Hinrichtung zweier iranischer Demonstranten durch den Strang am 7. Januar ist der iranische Botschafter in Bukarest ins rumänische Außenministerium einbestellt worden. Ihm wurde offiziell mitzuteilen, dass Rumänien die Anwendung der Todesstrafe unter allen Umständen entschieden verurteilt. Als noch verwerflicher wurde die Praxis Teherans bezeichnet, Demonstranten durch den Strang hinzurichten. Die tiefe Besorgnis des rumänischen Außenministeriums, der demokratischen Institutionen und der Zivilgesellschaft über die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen im Iran, einschließlich der Verurteilung von Demonstranten aus politischen Gründen ohne fairen Prozess, wurde im Zusammenhang mit den landesweiten Demonstrationen, die im September 2022 nach dem Tod der jungen Mahsa Amini während ihrer Haft begannen, erneut bekräftigt. Das Außenministerium erinnerte den iranischen Botschafter an die Schlussfolgerungen des EU-Rates für Auswärtige Angelegenheiten vom 12. Dezember 2022, in denen alle problematischen Fragen behandelt werden, auf die die Teheraner Behörden keine konstruktive Antwort gegeben haben. Es wurde unterstrichen, dass die in den Schlussfolgerungen angesprochenen Fragen nach wie vor gültig seien und dass die Nichtlösung dieser Fragen negative Auswirkungen auf die Beziehungen zur EU habe.



    Der rumänische Ministerpräsident Nicolae Ciucă hat am Mittwoch auf der Regierungssitzung erklärt, dass sich die Gesamtsumme der Investitionen aus dem Haushalt bis Ende 2022 auf 73 Milliarden Lei oder etwa 14,6 Milliarden Euro beläuft. Das sei ein Rekord für Rumänien und eine Bestätigung des positiven Trends der rumänischen Wirtschaft. Ciucă zitierte im Zusammenhang eine aktuelle Studie des Harvard Economics Department, aus der hervorgeht, dass Rumänien mittlerweile auf Platz 19 der komplexesten und am weitesten entwickelten Volkswirtschaften der Welt steht und das Potenzial hat, in dieser Rangliste weiter zu wachsen und bis zum Jahr 2030 in die ersten 10 vorzustoßen. 
In Bezug auf ausländische Direktinvestitionen in die rumänische Wirtschaft sagte der Premierminister, dass Ende Oktober letzten Jahres der höchste Betrag an solchen Investitionen seit dem Jahr 2008 verzeichnet wurde.

  • Studentin aus El Salvador will Investigativ-Journalistin werden

    Studentin aus El Salvador will Investigativ-Journalistin werden





    Dominique Nicole Portillo Rivera aus dem mittelamerikanischen Land El Salvador studiert in der westsiebenbürgischen Universitätsstadt Klausenburg Journalistik an der Fakultät für Politik-, Verwaltungs- und Kommunikationswissenschaften. Bevor sie im Jahr 2019 nach Rumänien kam, wusste die heute 25-Jährige so gut wie gar nichts über Rumänien. Zwar hatte sie zuvor schon mal Urlaub in Europa gemacht, nämlich in Frankreich und Deutschland, und sie hatte auch Asien bereist und war bis nach Indonesien gelangt. Doch erst aus dem Internet erfuhr sie von Rumänien und von den Stipendien des rumänischen Staates für ausländische Studenten, die durch das Auswärtige Amt abgewickelt werden. Und so machte sie sich zunächst zur rumänischen Botschaft in Mexiko auf, die auch die Vertretung Rumäniens in El Salvador gewährleistet, und bewarb sich erfolgreich für ein Stipendium. Bis 2020 absolvierte sie zunächst das Vorbereitungsjahr für ausländische Studenten an der Babeş-Bolyai-Universität in Klausenburg, das u.a. einen Intensivkurs in Rumänisch und Vorlesungen über rumänische Zivilisation, Kultur und Geschichte umfasst. Jetzt studiert Dominique Nicole Portillo Rivera Journalistik im 3. Semester an derselben Universität. Doch welche waren ihre ersten Eindrücke in Rumänien?



    Die Tennisspielerin Simona Halep war, glaube ich, die einzige Berühmtheit aus Rumänien, von der ich etwas wusste, denn in unserer Familie sind wir alle gro‎ße Sportfans und haben die Tennisturniere immer verfolgt. Sonst wusste ich so gut wie gar nichts über Rumänien. Ich reise gerne, also habe ich mehrere Städte in Rumänien besucht, bislang war ich in Kronstadt, Hermannstadt, Sinaia, Bukarest, Schä‎ßburg, Mediasch, Gro‎ßwardein und sicherlich in meiner Uni-Stadt Klausenburg. Meine Lieblingsstadt von allen ist Sinaia, auch wenn sie eine kleine, unscheinbare Stadt ist. Mir gefällt es dort, ich war bereits dreimal in Sinaia und am meisten gefallen mir die Berge. Die Aussicht von den Bergspitzen ist beeindruckend und spendet Seelenruhe. Das erste Mal war ich zusammen mit einer Freundin aus Bulgarien dort, und wir nahmen die Seilbahn hinauf in die Berge und für den Rückweg entschieden wir uns, zu wandern. Das war keine gute Idee, denn wir hatten die Entfernung und die Schwierigkeit der Strecke unterschätzt, so dass wir drei oder vier Stunden für den Abstieg brauchten. Aber alles in allem war es eine amüsante Erfahrung, an die ich gerne zurückdenke. Nach Sinaia gefallen mir am besten Kronstadt und Gro‎ßwardein, doch ich glaube, dass alle Städte Rumäniens schön und einen Besuch wert sind.“




    Auf der Reiseliste der Studentin aus El Salvador steht nun die südwestrumänische Stadt Temeswar, das wichtigste Zentrum der Kulturlandschaft Banat. Im Sommer 2021 war sie zwar schon einmal dort, sie möchte sich aber die Stadt näher ansehen. Und sie findet auch, dass es zwischen Rumänien und El Salvador gewisse Ähnlichkeiten gibt, selbst wenn die beiden Länder so fern voneinander liegen.



    Als ich in Rumänien ankam, fand ich die Menschen sehr freundlich und zuvorkommend. Au‎ßerdem sind die Rumänen immer sehr überrascht und freuen sich, wenn man als Ausländer aus einem so fernen Land wie El Salvador ihre Sprache spricht. In El Salvador sind wir ähnlich. Hier fühle ich mich fast wie zu Hause, denn die Menschen sind vom Gemüt her ähnlich wie in meiner Heimat.“




    Die junge Journalistik-Studentin macht auch ein Praktikum in der Redaktion der Studentenpublikation StudentPress. Auf der Webseite der Publikation sind bereits einige Artikel aus ihrer Feder zu finden, sie arbeitet au‎ßerdem auch mit dem Studentensender UBB zusammen, der in ihrer Universität in Klausenburg untergebracht ist. Zu ihren Aufgaben gehören Reportagen, Filmbesprechungen und Podcasts in englischer Sprache, in denen ausländische Studenten ihre Eindrücke über Rumänien schildern.



    Doch ihr grö‎ßter Wunsch ist es, Investigativjournalistin zu werden — inspiriert habe sie der US-amerikanische Spielfilm Spotlight“. Hören wir zum Schluss die Zukunftspläne von Dominique Nicole Portillo Rivera aus El Salvador:



    Um ehrlich zu sein, habe ich noch keinen konkreten Plan, wahrscheinlich werde ich als Journalistin arbeiten, ich ziehe jedoch den investigativen Bereich vor. Ich wei‎ß zwar nicht, ob meine Rechnung aufgehen wird, aber ich hoffe es. Falls es mit der Journalistik nicht klappt, möchte ich in einem Verlag arbeiten, denn ich lese ohnehin gerne. Vorerst möchte ich noch in Rumänien bleiben und — wenn möglich — hier arbeiten und ein bisschen Geld beiseite legen. Nach einem Jahr werde ich entscheiden, ob ich hier bleibe oder in ein anderes Land ziehe. Meine Wunschvorstellung wäre Europa oder Asien, weniger Amerika. Aber man wei‎ß ja nie, was einem das Leben bringt. Ich nehme die Dinge so, wie sie kommen. Wie wir auf spanisch zu sagen pflegen: Was sein wird, wird sein.“

  • Wissenschaftlerin aus den USA: „Rumänien ist ein kultureller Schnittpunkt Europas“

    Wissenschaftlerin aus den USA: „Rumänien ist ein kultureller Schnittpunkt Europas“

    Mary Claire Heffron ist zum ersten Mal im Jahr 2007 nach Rumänien gekommen. Damals begleitete sie ihren Ehemann auf einer Tagung der Europäischen Stiftung für amerikanische Studien, die in der Hafenstadt Constanţa stattfand. Sie ist Psychologin von Beruf und unterrichtet therapeutische Kommunikation für die Menschen, die Öffentlichkeits- oder Sozialarbeit leisten. Mary Claires Ehemann ist Historiker und sein erster Kontakt mit dem Land ist auf die Zeit des Kommunismus zurückzuführen, als die rumänischen Behörden eine gewisse Öffnung gegenüber den USA zeigten. 2018 unterrichtete er Geschichte an der West-Universität in Timişoara und Mary Claire begann damals ihre erste Zusammenarbeit mit Forschern im Bereich der Psychologie und mit Sozialhelfern in Rumänien. Ein Jahr später erhielt sie ein Fulbright-Stipendium. Jetzt unterrichtet und forscht sie im Bereich Psychologie und Sozialarbeit an der Universität Babeş-Bolyai in Klausenburg.



    Natürlich kenne ich die Geschichte dieses Landes und wie sie das Verhalten der Menschen prägt. Ich tue alles Mögliche, um mich an die rumänische Realität anzupassen. Die Menschen, mit denen ich arbeite, erzählen, dass ihre Kindheit im Kommunismus ihr Leben stark geprägt hat. Ich erinnere mich die Geschichte einer jungen Frau, deren Mutter als Ärztin in einer weit entfernten Stadt arbeitete. Seit sie zwei Monate alt war, sorgten ihre Gro‎ßeltern für sie, mit ihrer Mutter verbrachte sie nur die Wochenenden. Solche Trennungen haben negative Folgen im Familienleben und in der Beziehung Eltern-Kinder in der frühen Kindheit. Solche Geschichten haben einen gewissen Einfluss auch auf die Gesellschaft, genau wie die wirtschaftlich schweren Zeiten, die das Volk vor der Wende erlebte.“




    Mary Claire hat das Land bereist, sie hat Siebenbürgen und Bukarest besucht, sie ist eine begeisterte Wanderin, die sich in die rumänischen Berge verliebt hat. Sie liebt auch das kosmopolitische und lebendige Cluj (Klausenburg), eine Stadt die sie an Berkley erinnert. Rumänien ist für sie ein zweites Zuhause.



    Rumänien hat mich positiv überrascht, die Menschen sind so freundlich und offen. Am Anfang sind sie eher zurückhaltend, aber dann zeigen sie ihre wahre Natur und werden sehr freundlich. Mich begeistern auch die Unterschiede zwischen verschiedenen Gebieten und Städten sowie die Geschichte des Landes. In den Apuseni-Bergen fühle ich mich wie im Paradies. Ein Leben ist, glaube ich, nicht genug, um die ganze Geschichte dieses Ortes zu erfahren, die für mich als kultureller Schnittpunkt Europas gilt. Das Leben hier ist überraschend und anders als das Leben in den USA. Hier spürt man die Geschichte und die Vergangenheit überall, an jeder Ecke.“




    Im Juli 2020 kehrt Mary Claire zurück nach Hause in die USA. Zum Schluss des Gesprächs haben wir sie gefragt, was sie mitnehmen möchte:



    So viele Erinnerungen, die Erinnerungen an alle wunderbaren Menschen, die ich hier kennengelernt habe, zudem Gefühle und wunderschöne Orte sowie eine gewisse Art und Weise, das Leben zu leben. Was ich hier bemerkenswert finde, ist, dass, selbst wenn man viel arbeitet und beschäftigt ist, es immer Zeit für Gespräche mit Freunden gibt. Wenn man mit einer Freundin beim Kaffee verabredet ist, muss man sich dafür drei Stunden reservieren. Auch das Treffen mit der alten Besitzerin des Hauses, wo ich in Timişoara lebte, das würde ich bestimmt mitnehmen. Sie ist eine alte Dame, ehemalige Apothekerin, mit einem vollen Leben. Jetzt widmet sie sich ihrem Garten, der riesig und wunderschön ist. Sie war auch meine Rumänischlehrerin, die mir alle Namen der Pflanzen und Bäume auf Rumänisch beibrachte. Sie ist eine gute Freundin und für mich stellt sie das Bild der rumänischen Frau mit einer langen Karriere und einer schönen Familie dar, die ihren Garten liebt. Ich würde natürlich auch ein paar Kunststücke rumänischer Handwerker mitnehmen, ich werde aber bestimmt die Menschen vermissen, meine Freunde und die Art und Weise der Rumänen, locker und flexibel zu sein.“

  • Journalismus-Studentin aus Kasachstan:„Ich möchte so viele Länder wie möglich entdecken“

    Journalismus-Studentin aus Kasachstan:„Ich möchte so viele Länder wie möglich entdecken“

    2016 nahm Weronika Bojarowa ein Journalismus-Studium in ihrer Heimat an der Staatsuniversität in Karaganda auf. Seit Herbst 2018 studiert sie ein Semester lang im Rahmen eines Hochschulkooperationsabkommens an der Fakultät für Publizistik und digitale Medien im Rahmen der Hochschule für Politik-, Verwaltungs- und Kommunikationswissenschaften der Babeş-Bolyai-Universität in Cluj (Klausenburg). Weronika Bojarowa hat in Kasachstan einen Sprachkurs für Rumänisch besucht:



    Im ersten Studienjahr sah ich an der Uni in Karaganda eine Anzeige mit einem kostenlosen Rumänischkurs, der von einem Muttersprachler angeboten wurde. Da ich nie über Rumänien gelesen oder gehört hatte, ging ich mit einer Freundin zu diesem Kurs, der von Professor Nicolae Stanciu gehalten wurde. So habe ich angefangen, Rumänisch zu lernen, und dann wollte ich auch Rumänien besuchen. Ich habe immer davon geträumt, im Ausland zu studieren, ich wollte auf Englisch studieren und hier kann ich beides kombinieren: Ich studiere in Englisch in Cluj und lebe in Rumänien, wo ich mich direkt auf Rumänisch verständigen kann.“




    Weronika Bojarowa hielt sich mehrere Wochen in Bukarest auf, wo sie einen vom Rumänischen Kulturinstitut organisierten rumänischen Sprachkurs besuchte:



    Bukarest ist wunderschön, es ist so abwechslungsreich, es ist eine Mischung aus vielen Kulturen. Die vielen Graffitti an den Gebäuden mag ich aber nicht. Mir gefällt die Altstadt von Bukarest, und ich besuchte auch den Palast Mogoşoaia. Ich habe vor, auch das Parlamentsgebäude und das Museum Cotroceni zu besuchen.“




    Weronika Bojarowa liebt Reisen. Anfang Februar war sie einige Tage in Bulgarien. Sie erzählte uns auch, welche Orte in Rumänien ihr am meisten gefallen haben:



    Ich glaube, ich bin in den letzten vier Monaten mehr gereist als jeder andere rumänische Student. In dieser Zeit habe ich insgesamt zehn Städte besucht. Ich blieb einen Monat lang in Bukarest, dann war ich auch in Constanţa, Alba Iulia, Arad, Timişoara, Sibiu, Braşov, Bistriţa, Turda. Jeden Monat bin ich in den Zug eingestiegen und auf Reisen gegangen; ich kann schon sagen, dass ich die Züge in Rumänien sehr gut kenne. Cluj ist eine wunderschöne Stadt, aber touristisch betrachtet ziehe ich die Städte Braşov, Sibiu und Alba Iulia vor. Ich war überrascht, dass es in Alba Iulia so wenige Touristen gab, es ist eine kleine Stadt, aber die römischen Ruinen sind beeindruckend.“




    Weronika Bojarowa erzählte über ihre Erfahrungen während des Studiums in Cluj (Klausenburg):



    Ich habe mehr Selbstvertrauen, es ist mir klar geworden, dass mein Englisch gar nicht so schlecht ist. Am Anfang dachte ich, dass ich nicht so gut Englisch spreche wie die Europäer. In Cluj habe ich junge Leute aus der ganzen Welt getroffen, aus Korea, aus den Niederlanden, aus Frankreich, aus der Türkei. Ich habe so viele Ideen mit ihnen ausgetauscht, und das hat mir sehr viel Freude bereitet. Ich bin durch das ganze Land gereist, entweder allein oder mit einer Freundin. Es gibt Menschen, die Angst davor haben, einen neuen Ort zu entdecken, und wenn ich von nun an Stereotype über Rumänien höre, werde ich den Leuten meine klare Meinung darüber sagen. Als ich mich für Rumänien entschied, haben einige meiner Verwandten mir gesagt, Rumänien sei ein armes Land, wo es nichts zu sehen und zu erleben gebe. Aber sie haben sich geirrt, Rumänien ist ein wunderschönes Land.“




    Ende Februar wird Weronika Bojarowa nach Kasachstan zurückkehren. Die junge Frau wird ihr Journalistikstudium an der Karaganda State University im Jahr 2020 beenden. Was wünscht sie sich für die Zukunft?



    Vielleicht werde ich mich für einen Master-Abschluss im Ausland melden — ich denke, es hilft einem sehr, Bildungssysteme aus verschiedenen Ländern zu vergleichen und zu kombinieren. Au‎ßerdem entdecke ich gerne die Lebensgeschichten der Menschen — der politische Journalismus liegt mir nicht besonders. Ich wäre gerne Pressekorrespondentin oder Reporterin in verschiedenen Ländern. Ich würde eventuell ein Land wählen, in dem Englisch gesprochen wird, irgendwo in Europa, oder vielleicht in den Vereinigten Staaten, Kanada oder Australien. Ich wei‎ß es noch nicht… Ich könnte mich jetzt in ein Land verlieben und dann in eineigen Monaten für ein anderes Land schwärmen. Ich möchte aber so viele Länder wie möglich entdecken.“

  • Psychologische Studie: Oberflächen- und Tiefenprofil der Rumänen im Vergleich

    Psychologische Studie: Oberflächen- und Tiefenprofil der Rumänen im Vergleich

    In 2005 hat das amerikanische Wissenschafts-Magazin Science“ eine Vergleichsuntersuchung über 49 Kulturen der Welt veröffentlicht. Die Studie untersuchte, wie sich die unterschiedlichen Völker selbst wahrnehmen und wie diese in Realität sind. Die Rumänen wurden damals nicht unter die Lupe genommen. Das gab den Forschern von der Abteilung für klinische Psychologie und Psychotherapie von der Babeş-Bolyai-Universität in Cluj/Klausenburg den Ansporn, ihre eigene Untersuchung zu starten.



    Es folgte eine ausführliche Untersuchung, die 10 Jahre lang dauerte. Dabei wurde die Methodologie, die bei der amerikanischen Studie eingesetzt wurde, benutzt. Rumänische Studien und weitere Tests, die speziell für diese Untersuchung entwickelt wurden, haben die Forscher auch benutzt. Das Ergebnis wurde dieses Jahr bekannt gegeben und stellt ein generelles psychologisches Profil der Rumänen dar. Die Studie hat sich unter anderem vorgenommen, zwei andere Studien, die 1907 und 1937 erschienen, zu ergänzen. 1907 war die Studie von Dumitru Drăghicescu und 1937 Die Psychologie des rumänischen Volkes“ von Constantin Rădulescu-Motru erschienen.



    Die Schlussfolgerungen der vergangenen Untersuchungen wurden zum Gro‎ßteil von der aktuellen Studie bestätigt. Interessant und überraschend sind die Unterschiede zwischen dem sogenannten Oberflächen-Profil“ der Rumänen und dem tiefen Profil“. Das erste bezieht sich auf das aktuelle Verhalten und Denken und das zweite auf die potentiellen Merkmale, die unter bestimmten Bedingungen zum Vorschein kommen könnten. Professor Daniel David von der Babes-Bolyai-Universität in Cluj spricht über diese Unterschiede:



    Was das tiefe psychologische Profil anbelangt, das sich auf das Potential im Bereich der kognitiven Intelligenz, der Kreativität, des Lernstils, der emotionalen Intelligenz bezieht, haben wir erfahren, dass sich die Rumänen nicht von anderen Völkern im modernen Europa unterscheiden. Wenn wir uns aber das Oberflächen-Profil anschauen — unser eigentliches Handeln — bemerken wir, dass dieses Potential nicht völlig ausgenutzt wird. Wenn wir zum Beispiel unsere Ergebnisse bei unterschiedlichen Bildungs-Tests vergleichen, sehen wir, dass unsere Leistungen nicht allzu hoch sind. Wenn wir uns auch die Ergebnisse in der Kategorie Innovation anschauen, sehen wir, dass die Innovations-Indikatoren nicht gro‎ß sind, auch wenn das Kreativitäts-Potential vergleichbar mit dem der Amerikaner oder Briten ist. Es gibt eine gro‎ße Kluft zwischen dem, was mir machen könnten, und dem, das wir gemacht haben.“




    Ein weiteres Merkmal der Rumänen hebt auch die grundsätzlichen Unterschiede zwischen ihnen und anderen Völkern hervor. Daniel David dazu:



    Ein gro‎ßes Problem, das wir bewältigen müssen, ist das Misstrauen gegenüber anderen Menschen. Das Misstrauen gegenüber anderen Menschen ist im Falle der Rumänen stark. Das haben wir in einer anderen Studie, die bald zu Ende gehen wird, untersucht. In dieser haben wir die soziale Distanz in 53 Kulturen der Welt analysiert, wir haben zum Beispiel die Rumänen mit den Amerikanern und den Briten verglichen. Ein Amerikaner oder ein Brite akzeptiert den Fremden in seiner persönlichen Sphäre: Er betrachtet ihn von Anfang an, ohne ihn zu kennen, als Freund und schenkt ihm sein Vertrauen. Wenn die Rumänen einen Fremden treffen, kommt dieser zuerst in die soziale Sphäre. Er muss unser Vertrauen gewinnen, bevor er die persönliche Sphäre betreten darf.“




    Die persönliche Sphäre und die Familie sind für die Rumänen sehr wichtig. Deswegen beschäftigen sie sich auch weniger mit Begriffen wie Gemeinwohl“. Charakteristisch sei ein egoistischer Individualismus, der aber sich vom Individualismus als Grundstein der modernen westlichen Zivilisation unterscheidet, meint Professor Daniel David:



    Der Individualismus ist ein Konzept, laut dem autonome Individuen sich freiwillig solidarisieren und dadurch gro‎ßzügige und starke Gemeinden gründen. Individualismus ist nicht Egoismus. Es ist das grundlegende Prinzip der EU-Völker, mit den Ausnahmen Portugal, Griechenland, Bulgarien und Rumänien. Wenn wir aber über Rumänen sprechen und den Begriff des Individualismus benutzen, kann man in die Irre geführt werden. Unser Individualismus ist kein westlicher, sondern ein egoistischer, alleinherrschender, das bemerkte auch Rădulescu-Motru. Und das hilft uns nicht, uns zu solidarisieren, es hilft uns nicht, Vertrauen ineinander zu haben und folglich können wir keine starken Gemeinschaften gründen. Unser Kollektivismus schlie‎ßt nicht die Nachbarn oder die Kollegen ein. Es beschränkt sich auf unsere Familie. Es gibt Vertrauen nur unter den Familienmitgliedern. Auch die Freunde müssen einen Vertrauenstest bestehen, um in den intimen Kreis akzeptiert zu werden. Die Familie gilt als Sicherheits- und Schutz-Element.“




    Unter diesen Bedingungen fragt man sich, wo sich die Gastfreundlichkeit“, von der die Rumänen glauben, sie wäre eines ihrer Charakterzüge, wiederfindet. Wir betrachten uns selbst als gastfreundlich, zugleich geben wir aber zu, kein Vertrauen zu haben. Wie kann man sich das erklären? Daniel David erläutert:



    Das Problem mit der Gastfreundlichkeit ist etwas komplizierter. Wir müssen wieder unterscheiden zwischen dem, was wir glauben, zu sein, und dem, was wir wirklich sind. Die Rumänen, wie auch andere Völker, benutzen ein selbstbewunderndes Klischee. Was das bedeutet? Die betrachten sich selbst als warmherzige und kompetente Personen. Aber ich wiederhole: Alle Völker denken das von sich. Wir bewerten uns selbst als eher freundlich, als vertrauenswürdig. Also wird das Problem des Vertrauens auch subjektiv, nicht nur objektiv bewertet. Das gleiche gilt für die Kompetenz. Die Kompetenz hat zwei Komponenten: Disziplin und Effizienz. Wir betrachten uns als effizient, aber als weniger diszipliniert.“




    Um die berufliche Kompetenz der Rumänen zu messen, müssen wir die Einstellung zur Arbeit untersuchen. Auch hier kommen die Unterschiede zwischen dem Oberflächen- und dem Tiefen-Profil zum Vorschein, wei‎ß Professor Daniel David.



    Die Arbeit scheint für die Rumänen ein Mittel zur sozialen Emanzipation zu sein. Wenn die Arbeit das nötige Einkommen bringt und einem hilft, sozial aufzusteigen, sich zu emanzipieren, dann sind die Rumänen sehr beharrlich und flei‎ßig. Wenn aber das Einkommen niedrig ist und dem Menschen nicht hilft, weiter zu kommen, dann kommt dieser Spruch: ‚Ich arbeite, wie ich bezahlt werde, es geht doch auch so‘. In der Provinz, wo die Einkommen klein sind, wird man unflei‎ßig. Wenn aber derselbe Rumäne, der in der Heimat nicht flei‎ßig war, ins Ausland geht und einen gut bezahlten Job bekommt und das Geld ihm hilft, sich sozial zu emanzipieren, wird er zu einem sehr flei‎ßigen Gesellen.“




    Mit anderen Worten können das Tiefen-Profil eines Volkes und das damit verbundene Potential nur dann ans Licht kommen, wenn die sozialen Institutionen die notwendigen Bedingungen dafür schaffen.