Tag: Jugendarbeit

  • Motivationsprogramm für Jugendliche: „Ich entscheide, selbst zu entscheiden“

    Motivationsprogramm für Jugendliche: „Ich entscheide, selbst zu entscheiden“

    Filme, Theateraufführungen, Rundtischgespräche, Workshops und Ferienlager für Jugendliche — das waren nur ein paar Aktivitäten, durchgeführt im Rahmen eines Projekts über gesunde Entscheidungen. Ich entscheide, selbst zu entscheiden“ hie‎ß die von einem gemeinnützigen Verein umgesetzte Initiative. Das Projekt wurde durch öffentliche Mittel über das Innenministerium finanziert. Eine wesentliche Rolle spielte dabei die Antidrogenbehörde. Das Projekt wurde im Rahmen des Programms zur Prävention des Drogenkonsums 2015–2018 entwickelt. Dadurch soll Drogenkonsumenten durch medizinische Versorgung sowie durch psychologische und soziale Beratung geholfen werden. Das Projekt bringt Menschen und ihre Erfahrungen in den Vordergrund.



    Florentina Ciocănea-Petrariu arbeitet beim Verein Beneva. Sie erläuterte uns den Projektnamen:



    »Ich entscheide, selbst zu entscheiden«– dieser Projektname sagt etwas aus über die Möglichkeit, die wir haben, eigene Entscheidungen zu treffen. Unsere Entscheidung war, uns mehr für die Gemeinschaft zu engagieren. Wir erkannten, dass die Jugendlichen gewisse Bedürfnisse haben. Sie fühlen sich häufig unsichtbar, meistens wegen des gesellschaftlichen Drucks. Sie gehen in die Schule, bemühen sich, zu lernen. Aber hierzulande wird gro‎ßer Wert auf die Leistung gelegt. Letzten Endes zählen für die Eltern viel mehr die Noten als alles andere. Deshalb vernachlässigen die Jugendlichen ihre Leidenschaften zugunsten der von der Schule auferlegten Fächer. Wir wollten ihnen zeigen, dass es Menschen gibt, die ihre Träume verfolgt haben und sie wahr werden lie‎ßen. Dass manche ihrer Leidenschaft nachgehen. Mit Erfolg.“




    Das Projekt zielt das darauf ab, die Motivation der jungen Generation zu steigern. Es stellt eine Reaktion auf ein Bedürfnis dar, das vom Projektträger als solches erkannt wurde. Dazu Iulian Văcărean, der Vorsitzende des Vereins Beneva:



    Unser Schulsystem verändert sich ständig. Vor diesem Hintergrund stellten wir fest, dass die Schüler gro‎ßen Wert auf ihre eigenen Entscheidungen legen. Das bleibt bei ihnen hängen. Und eben das versuchen wir durch unser Projekt zu erreichen — wir regen die Jugendlichen an, selbst zu entscheiden, wie sie ihr Leben führen. Wir ermutigen sie, ihren Träumen nachzugehen. Denn die Leidenschaften, die sie in dieser Etappe ihres Lebens erkennen, dauern ein Leben lang an. Unabhängig davon, ob es um Theater, Musik oder Sport geht. Sport, vor allen Dingen, ist sehr wichtig. Denn dadurch bleiben sie gesund und können alle ihre Träume wahr werden lassen.“




    Über die Prävention des Drogenkonsums unterhielten wir uns mit der Polizeibeamtin Paula Frăsinoiu. Sie erzählte uns, welche Projektaktivitäten ihrer Ansicht nach am wirksamsten seien:



    Alle Aktivitäten waren durchaus wichtig. Allerdings hatte für uns als Finanzierungpartner das innerhalb des Projekts aufgeführte Theaterstück die grö‎ßte Aussagekraft. Auch die im Rahmen der Workshops und der Ferienlager durchgeführten Aktivitäten waren sehr spannend: Unterrichtung, Bewusstseinsbildung im Sinne der Förderung eines gesunden Lebensstils.“




    Im Rahmen des Projekts drehten die Jugendlichen auch einen Film. Er wurde sehr gut in den Gymnasien in Rumänien aufgenommen. Mit mehr Einzelheiten dazu Iulian Văcărean, der Vorsitzende des Vereins Beneva:



    Der Film stellt die Geschichte eines Teenagers vor, Cristian Robe, der ein paar Leute kennenlernt, die ihn im Hinblick auf sein künftiges Werden anregen. Diese Menschen sind in der Tat Vorbilder für die heutige Generation. Zwar ist es ratsam, den Leidenschaften nachzugehen, doch das reicht nicht. Die Vorbilder — egal ob es um Musik, Theater oder Sport geht — spielen dabei eine wichtige Rolle. Diese helfen den Jugendlichen, ihr Verhalten anzupassen, zu formen. Und verhelfen ihnen zum Erfolg. Ich will dabei nicht sagen, dass der Erfolg ein Zweck für sich sei. Allerdings wünschen wir uns, in einer schönen Welt zu leben. Und schöne Menschen animieren uns dazu!“




    Wir wollten von Iulian Văcărean noch erfahren, welche die wichtigste Auswirkung des Projekts war:



    Wenn ein Schüler aus der 7. Klasse zu mir kommt und sich vor mir öffnet, mir sagt, er vertraue mir, deshalb würde er mir gerne aus seinem Leben erzählen — dann ist das ist einfach wunderbar. Ein gro‎ßartiges Erlebnis. Oder ein anderes Beispiel: Eine andere Schülerin kam eines Tages zu uns und sagte: ‚Gott sei Dank, dass es Euch gibt! Ihr seid wie ein Licht in unserer Schulr. Die Vorbilder, die ihr uns vorgestellt habt… wir wagten nicht einmal davon zu träumen!‘ Die Tränen sind vielleicht weniger wichtig. Das Gekicher der Schüler, als sie unsere Geschichten hörten, in denen es darum ging, was ihnen zukommen könnte — das erfreute uns. Das Lächeln im Gesicht der Kinder war die wichtigste Errungenschaft unseres Projekts!“




    Mihaela Bebu ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet in der Abteilung zur Eindämmung des Drogenkonsums. Sie wirkte ebenfalls im Projekt mit. Sie meint, es war ein Erfolg und eine durchaus notwendige Initiative:



    Der in unserem Land verzeichnete Drogenkonsum liegt auf dem Niveau des EU-Durchschnitts und weicht nicht beträchtlich davon ab. Wir alle bemühen uns in dieser Hinsicht, nämlich den Drogenkonsum einzuschränken, sowohl öffentliche Institutionen wie auch die Zivilgesellschaft. Ich freue mich, dass die Zivilgesellschaft ihren Beitrag leistet, denn zusammen sind wir viel stärker. Wir wollen diese Partnerschaft fortsetzen und sogar weiter entwickeln.“

  • Jugendarbeit in Rumänien: Auf dem Weg zur Professionalisierung

    Jugendarbeit in Rumänien: Auf dem Weg zur Professionalisierung

    Wir brauchen Jugendhelfer, um den Jugendlichen aus unterschiedlichen Gemeinden zu helfen, ihr Potential zu nutzen, sich in die Gesellschaft zu integrieren, mit anderen Jugendlichen in Kontakt zu treten, sich einander besser kennen zu lernen. Ich habe gemerkt, dass die Jugendlichen oft nicht wirklich verstehen, was sie in der Gesellschaft tun können, welche Institutionen sie ansprechen können, wen sie kontaktieren können, um etwas zu bewegen, um ihr Potential zu benutzen.“




    Das meint Mihai Dragoş, Vorsitzender des Jugendlichen-Rates. Nur sehr wenige junge Menschen haben von Jugendhelfern gehört. Das ist ein Beruf, der erst im Jahr 2012 geregelt wurde, als er in die rumänische Arbeitsordnung eingeführt wurde und der Berufsstandard erstellt wurde. Der Jugend-Experte Marius Donţu, Manager von Schultz Consulting România, nahm an diesem Prozess teil. Das Unternehmen hat eigentlich das Projekt auch eingeleitet. Die Motivation war der Wunsch, diesen Beruf zu professionalisieren, weil zu viele Menschen sich um die Jugend kümmerten und jeder im Jugendbereich als Spezialist auf diesem Gebiet galt“. Marius Donţu berichtet über die über die ersten Ansätze, die Jugendarbeit zu professionalisieren:



    Zunächst kamen viele berufliche Elemente hervor. Wir sagten uns, wir sollten daraus nicht einen Supermenschen machen, und wir beschränkten uns auf nur vier spezifische Kompetenzen, nämlich: die Informationskapazität junger Menschen — das hei‎ßt, junge Menschen über verschiedene Aktivitäten, Vorteile, Rechte, die sie haben, oder Möglichkeiten wie internationale Austausch-Projekte oder Karriere-Opportunitäten zu informieren; eine zweite Kompetenz — den Standard der persönlichen und beruflichen Entwicklung zu fördern, also jemand, der mit ihnen diskutiert und ihnen hilft, einen beruflichen und persönlichen Weg zu finden. Eine weitere Kompetenz besteht darin, den Prozess des nichtformellen Lernens unter jungen Menschen zu fördern — Aktivitäten, die ihnen beibringen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, Probleme zu lösen, Initiativen zu ergreifen, sich zu engagieren und aktiv zu sein. Die vierte Kompetenz bestand darin, die Zusammenarbeit in der Gemeinde zu entwickeln. Die Jugendhelfer sollen aufgrund der Probleme, die sie in Jugendgruppen identifizieren, Dienstleistungen oder Einsätze auf Gemeinde-Ebene vorschlagen.“




    Der Jugendhelfer könnte von Jugend-NGOs angestellt werden. Eine unter ihnen ist der Verband Curba de Cultură“ — Kulturkurve“, der in der Gemeinde Izvoarele, Landkreis Prahova, gegründet wurde und sich ausschlie‎ßlich an Jugendliche aus ländlichen Gebieten richtet. Unter den Angestellten des Verbandes finden wir auch zwei Jugendhelfer. Wenn es um die wichtigsten gesetzlichen Hürden geht, sagt Cosmin Catană, der Verbandsvorsitzende, bevorzuge er es, diese wie Chancen zu behandeln:



    Wir haben die Möglichkeit, den Beruf des Jugendhelfers ins Jugendgesetz einzuführen. Es gibt einen Gesetzesentwurf, in dem die Begriffe Jugendaktivitäten, Jugendhelfer, Jugendzentren definiert werden. Im Jugendgesetz erscheint derzeit das Jugendzentrum nicht. Wir haben die Möglichkeit, diese Dinge weiter zu bringen und den Kontext der Jugendarbeit in Rumänien im Jahr 2018 zu klären. Und sie näher an andere europäische Staaten, die eine Tradition im Bereich der Jugendarbeit haben, zu bringen.“




    Obwohl sich die Qualität der Jugendarbeit in Rumänien recht gut entwickelt hat, gebe es keine soziale Anerkennung, meint Cosmin Catană. Nur sehr wenige Menschen wissen, was es bedeutet, mit jungen Menschen zu arbeiten. Die Einführung dieser Konzepte in einen gesetzlichen Rahmen würde die Lage erheblich verändern. Darüber hinaus agieren die meisten der bisher akkreditierten Jugendarbeiter, selbst diejenigen, die für das Jugend- und Sportministerium arbeiten, als Freiwillige, stellt Mihai Dragoş bedenklich fest. Aus diesem Grund möchte man durch den Gesetzentwurf, der an das Parlament geschickt werden soll, die Kommunalverwaltungen und die Jugendzentren, die genehmigt werden, verpflichten, Jugendhelfer zu beschäftigen. Die Existenz von Beschäftigungsmöglichkeiten werde das Interesse an diesem Beruf steigern, meint Mihai Dragoş:



    Auch wenn dies an einigen Orten der Fall ist, beschäftigen in der Regel die Gemeinden leider keine Jugendhelfer, solche Tätigkeiten werden nicht regelmä‎ßig durchgeführt. Wir haben ein gutes Beispiel in Baia Mare, der rumänischen Jugendhauptstadt beginnend mit dem 2. Mai 2018. Durch ihre Kandidatur haben sie sich auch verpflichtet, zehn Jugendhelfer beim Rathaus anzustellen. Es wird ein interessantes Beispiel sein, und wir hoffen, dass es zu wichtigen Ergebnissen für die Gemeinden kommt, in denen diese Jugendhelfer tätig sein werden. Ein Beispiel, das später hoffentlich auch von anderen Städten übernommen wird.“




    In Rumänien besteht ein akuter Bedarf an Jugendhelfern, insbesondere in ländlichen Gebieten, in denen noch 47 Prozent der Bevölkerung des Landes leben, meint Catană:



    Die Schulen sind weit weg von zu Hause, die Tätigkeiten beschränken sich meist auf den Haushalt und auf das, was von den Kulturhäusern angeboten wird. Es gibt jedoch keine allgemeine Möglichkeit für junge Menschen, sich zu treffen, zusammen zu arbeiten und gemeinsam etwas zu planen, das sie dann Schritt für Schritt unter Anleitung und mit Unterstützung von Jugendhelfern umsetzen können.“




    Seit seiner Regulierung im Jahr 2012 hat sich der Jugendbegriff in Rumänien im Bereich der NGO gut entwickelt, sagt der Experte Marius Donţu:



    Es kommen immer noch Leute zur Schulung. Es kommen jetzt auch Angestellte aus dem Bildungssystem, um ihre Kompetenzen zu ergänzen. Aber ich bemerkte etwas, was wir nicht einmal gehofft hatten: Es kommen auch Eltern auf uns zu. Ich habe viele Anwälte, Notare, also Leute mit Geld, mit einem bestimmten Status gesehen, die kamen und sagten, sie wollten lernen, effektivere Kommunikationskanäle mit ihren Kindern im Teenageralter zu schaffen.“

  • Politikstudentin Elvira Fuentes aus Spanien: „Jugendliche haben mehr Chancen in Rumänien“

    Politikstudentin Elvira Fuentes aus Spanien: „Jugendliche haben mehr Chancen in Rumänien“

    In Spanien hat unsere Gesprächspartnerin Internationale Beziehungen an der Universität Complutense in Madrid studiert. Als Studentin im dritten Jahr kam Elvira Fuentes mit einem Erasmus-Stipendium nach Bukarest, wo sie ihr Studium an der Fakultät für Politikwissenschaften fortsetzt. Weil ihr in Spanien allzu oft das stereotypische Denken in Bezug auf osteuropäische Länder aufgefallen war, wollte die junge Spanierin sich selber eine Meinung bilden. Und wo kann man das besser machen als vor Ort?:



    Bevor ich Rumänien kennenlernte, stand dieses Land für mich nur im direkten Verhältnis mit Korruption, mit harten Lebensbedingungen und mit den Roma; natürlich dachte ich nicht, dass diese Wahrnehmung 100% richtig ist, aber irgendwie war das alles, was ich um mich herum in Bezug auf euer Land hörte. Besonders im Süden Spaniens, wo ich herkomme, finden diese Klischees eine gro‎ße Resonanz. Als ich in Rumänien eingetroffen bin, war meine Wahrnehmung komplett unterschiedlich. Rumänien und Spanien sind eigentlich sehr ähnlich, sogar mehr, als ich dachte. In Spanien sind Bestechung und Korruption auch alltäglich. Ich glaube, dass die junge Generation hier mehr Chancen als in Spanien hat. Die Arbeitslosenquote ist niedriger als in Spanien, die Jugendlichen in Rumänien können ihre Stimme hören lassen, sie werden wie Erwachsene behandelt, sie arbeiten in Banken, in Branchen wie Informationstechnik oder Human Resources. In meinem Heimatland sind hingegen so viele Jugendliche orientierungslos und leben lange im Elternhaus. In Spanien ist es für unerfahrene Menschen sehr schwer, einen Job zu finden, weil alle Unternehmen nur erfahrene Mitarbeiter anstellen wollen. Zudem ist mir schnell aufgefallen, wie nett und gastfreundlich die Rumänen sind. Sie laden einen zum Essen ein, sie sind hilfsbereit, sie vermitteln gerne den Ausländern ihre Kultur und ihre Sitten, sie tun alles, damit ihr Gast sich wohl fühlt. Nicht zuletzt ist es auch günstig, hier zu leben, und das Land hat atemberaubende Landschaften.“




    Die junge Spanierin hat Rumänien bereits bereist. Die siebenbürgischen Städte Sibiu (Hermannstadt), Sighişoara (Schä‎ßburg), Braşov (Kronstadt), Cluj (Klausenburg), die Hochstra‎ße Transfăgăraşan, die traditionsreichen Regionen Maramureş und Suceava, die Schwarzmeerhafenstadt Constanţa, der Karpaten-Ferienort Sinaia, die Landschaft im allgemeinen hat sie mit ihrer vielfältigen Natur und ihren Schönheiten stark beeindruckt. Die angehende Politikwissenschaftlerin ist auch eine Kunstliebhaberin. Der Kunst widmet sie ihre Freizeit, sagt Elvira Fuentes:



    Hier in Rumänien besuche ich Museen, ich liebe die zeitgenössische Kunst, aber ich mag auch reisen und ich liebe Fremdsprachen. Ich lese auch gerne. Carlos Ruiz Zafón ist einer meiner Lieblingsautoren. Seine Bücher haben mich beeinflusst, dasselbe kann ich über den Roman von Gabriel García Márquez »Hundert Jahre Einsamkeit« sagen.“




    In Spanien widmete Elvira Fuentes ihre Freizeit der ehrenamtlichen Arbeit, vor allem den Hilfsprojekten für Roma-Kinder:



    In Madrid lebt eine zahlreiche Roma-Gemeinschaft. Ich habe mich gerne diesen Hilfsprojekten angeschlossen, wir kümmerten uns einfach um die Roma-Kinder in ihrem Alltagsleben, wir halfen ihnen bei Hausaufgaben, wir brachten ihnen Spanisch bei. Wir haben versucht, sie besser kennenzulernen, spezifische Programme für sie zu starten und dabei ihre Lebens- und Denkweise zu beachten. Ziel unserer Programme war es, sie für ein Leben in Spanien vorzubereiten, ihre Integration zu ermöglichen.“




    Selbst wenn sie Politikwissenschaft studiert und sich für Politik interessiert, möchte Elvira Fuentes nach dem Studiumabschluss keine aktive Rolle in diesem Bereich spielen. Wie sie sich ihre berufliche Zukunft vorstellt, sagte die spanische Studentin zum Schluss des Gesprächs:



    Ich wei‎ß nicht, was ich in Zukunft machen werde, aber bestimmt werde ich keine Politikerin. Weder die spanische noch die rumänische Politikbühne ist der Platz, wo ich tätig sein möchte. In beiden Ländern kann man ins System nur mithilfe von Beziehungen eintreten, zudem gibt es in beiden Ländern bekanntlich zahlreiche korrupte Politiker. Ich möchte im Bereich der Menschenrechte arbeiten, ich möchte mich für die Kooperation zwischen Gemeinden und die Lösung von Konflikten einsetzen, aber auf lokaler oder regionaler Ebene. Wenn man mit kleinen Gemeinden arbeitet, kann man etwas bewirken und die Menschen dabei unterstützen, die eigenen Überzeugungen bedingungslos zu vertreten.“

  • Kristina Piškur aus Slowenien: „Rumänien braucht stärkere Zivilgesellschaft“

    Kristina Piškur aus Slowenien: „Rumänien braucht stärkere Zivilgesellschaft“

    Kristina Piškur hat in rumänischen Krankenhäusern und Sozialzentren als Freiwillige gearbeitet. Laut dem ursprünglichen Plan sollte sie ein Jahr in Rumänien bleiben. Das war vor zwei Jahren, derzeit arbeitet sie als Projektkoordinatorin von Jugendarbeit beim Verband Curba de Cultură“ im mittelrumänischen Landkreis Prahova. Die 28-jährige ist studierte Politikwissenschaftlerin. Sie wurde in Ljubljana geboren. Als sie nach Bukarest kam, wusste sie nicht viel über Rumänien:



    Im September 2015 kam ich für ein Projekt einer Nichtregierungsorganisation im Bereich der klinischen Animation und Jugendarbeit nach Bukarest. In Bukarest habe ich in einer WG mit anderen Freiwilligen zusammengelebt. Wir bildeten ein internationales Team. Ich habe aus diesem Anlass zahlreiche Rumänen kennengelernt, die mich bei der Jugendarbeit inspiriert haben. Somit konnte ich verstehen, was Youth Work bedeutet, und wollte so viel wie möglich lernen. Als ich die Chance gekriegt habe, aufs Land zu ziehen, habe ich gar nicht gezögert, denn es gefällt mir sehr hier im Dorf Izvoarele, wo ich jetzt wohne. Ich habe mich hier sehr schnell integriert, fühle mich jeden Tag willkommen und deswegen bin ich hier geblieben. Am Anfang war ich sehr neugierig zu wissen, ob ich mich in eine völlig neue Gemeinde integrieren kann.“




    Nach zweieinhalb Jahren in Rumänien möchte Kristina Piškur ihren Aufenthalt verlängern. Sie ist fest davon überzeugt, dass jede Änderung in einer Gesellschaft auf lokaler Ebene beginnt, darum versucht sie als Jugendarbeiterin den Kindern und Jugendlichen das kritische Denken und das soziale Engagement beizubringen:



    Ich liebe so viele Sachen hier in Rumänien und ich wei‎ß, dass ich hier noch einiges zu tun habe. Wie ich feststellen konnte, gib es unzählige Ähnlichkeiten zwischen Rumänien und Slowenien. Hier spüre ich dieselben Gefühle wie in meiner Kindheit in Slowenien. Wie gesagt glaube ich, dass man noch so vieles in Rumänien machen kann, und ich kann es nicht ertragen, wenn so viele Rumänen sagen, dass man in ihrem Land nichts mehr machen kann, dass alles verloren sei. Das bedeutet, dass Rumänien eine stärkere Zivilgesellschaft braucht. Eine wichtige Rolle spielt aus dieser Sicht die Jugendarbeit. Die Zivilgesellschaft kommt durch Bildung und direktes Handeln zustande.“




    Was sich der Verband Curba de Cultură“ zum Ziel setzt, ist, den ländlichen Raum lebensfähig zu machen. Durch seine Projekte versucht der Verband die Schwierigkeiten zu verringern, mit denen sich die Jugendlichen im ländlichen Raum konfrontieren. Eine wesentliche Rolle kommt dabei dem Zugang zur Bildung zu. Nicht zuletzt setzten sich die Freiwilligen zum Ziel, den Kindern und Jugendlichen im ländlichen Raum mehrere Chancen auf eine bessere Zukunft und ein besseres Leben in ihrem Heimatort zu geben. Kristina Piškur gibt uns Einzelheiten über die Projekte des Verbands:



    Hier im ländlichen Raum arbeiten wir mit neun europäischen Freiwilligen zusammen, deren Tätigkeit sich um die nicht-formale Bildung dreht. Sie machen bei Englisch- und Französischunterricht als Muttersprachler mit. Das ändert wesentlich die Dynamik der Unterrichtsstunden, aber das ist nicht der einzige Vorteil, denn in dieser geschlossenen Gemeinde öffnet dieser Unterricht den Geist der Jugendlichen. So zum Beispiel lernen sie zum ersten Mal einen Veganer aus Italien kennen und so finden sie heraus, was das bedeutet und warum er kein Fleisch und keine Milchprodukte isst. Es handelt sich eigentlich um interkulturelle Beziehungen, die wir fördern. Darüber hinaus hoffe ich, dass wir am Jahresanfang, im Januar oder Februar, ein neues Projekt ansto‎ßen, das Jugendliche und Entscheidungsträger, also Mitglieder des Lokalrates aus dieser Gemeinde zusammenbringt, damit sie einen strukturierten Dialog aufbauen. Bei solchen Gesprächen versuchen wir, gemeinsame Interessen zu finden, so zum Beispiel was sich die Jugendlichen wünschen und wie die Lokalverwaltung dabei helfen kann. Die Initiative wird durch das Programm Erasmus+ finanziert und ich hoffe, dass die Gemeinde die positiven Auswirkungen direkt zu spüren bekommen wird. Ich hoffe, dass dieses Programm viele Jugendliche anlockt und dass sie somit verstehen, was es bedeutet, sich mit Entscheidungsträgern im konstanten Dialog zu befinden, Argumente vorzubringen und zusammen Lösungen zu finden, d.h., aktive Bürger zu werden.“