Tag: Landeskatalog

  • Urwälder in Rumänien: Über 2000 Ha unberührter Wälder in Landeskatalog aufgenommen

    Urwälder in Rumänien: Über 2000 Ha unberührter Wälder in Landeskatalog aufgenommen

    In derartig stabilen Ökosystem werden umgefallene Bäume in den Naturkreislauf reintegriert, und zwar dank der infolge der Fäulnis entstandenen Fülle an Lebensformen. Mit der Eintragung der geschützten Waldflächen in einen Länderkatalog der Urwälder und Quasi-Urwälder soll die einzigartige säkulare Waldlandschaft Rumäniens besser erhalten bleiben.



    Letztes Jahr haben die Umweltexperten in Rumänien noch 2000 Ha Urwälder und Quasiurwälder identifiziert und in den Landeskatalog der Ur- und Quasiurwälder eingetragen. Diese Wälder, die Staatseigentum sind, wurden im Landkreis Gorj, im Naturpark Domogled – Valea Cernei identifiziert. Nach den Landkreisen Maramureş (mit 4.700 Ha Urwald) und Braşov (mit 4.300 Ha) belegt der Landkreis Gorj den 3. Platz im Top der Urwaldgebiete in Rumänien. Ein Urwaldgebiet in der Nähe der Gemeinde Padeş, Landkreis Gorj, das zum Naturpark Domogled-Valea Cernei gehört, wurde letztes Jahr ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Die Umweltexperten untersuchen jedes Jahr Hunderttausende Ha Wälder in allen Regionen Rumäniens, um die Urwälder und Quasiurwälder zu identifizieren und in den Landeskatalog der Urwälder und Quasiurwälder einzutragen. Mehr dazu von Radu Melu, Koordinator der Urwaldprogramme bei WWF-Rumänien:



    Im Vergleich zu anderen europäischen Staaten existieren in Rumänien bedeutende Urwälder und Quasiurwälder. Das ist, unserer Ansicht nach, ein wertvolles Naturerbe, das wir identifizieren und schützen müssen. Die meisten Wälder sind zurzeit aber gefährdet, weil sie nicht identifiziert wurden, und die Leute, die in diesen Wäldern arbeiten, nicht wissen, dass es sich um Urwälder handelt, die geschützt werden müssen. Zusammen mit anderen interessierten Einrichtungen versuchen wir, die Identifizierung der Urwälder und Quasiurwälder zu Ende zu führen. Wir sind also nicht allein, wir arbeiten mit dem Forstamt, mit den Waldbesitzern, mit den privaten Waldverwaltern zusammen. Um die Identifizierung der Urwälder auf nationaler Ebene zu Ende zu führen, brauchen wir aber auch die Unterstützung der Behörden und des Umweltministeriums. Soweit wir informiert sind, wurden bereits gewisse Fonds in diese Richtung zugewiesen. Wir müssen genau feststellen, wieviel Ha Urwälder und Quasiurwälder in Rumänien existieren, und wir müssen sie unter Naturschutz stellen. Das gesamte Verfahren ist komplex: Wir machen zuerst eine theoretische Analyse, dann führen wir praktische Untersuchungen an Ort und Stelle durch. Die Wälder werden von Experten untersucht und evaluiert, und die Urwälder und Quasiurwälder werden in eine Datenbank eingetragen. Anschlie‎ßend organisieren wir öffentliche Beratungen mit allen Betroffenen, und dann starten wir das gesetzliche Verfahren zur Eintragung dieser Waldflächen in den Landeskatalog der Urwälder und Quasiurwälder.“




    Bis jetzt hat die Organisation WWF Rumänien mehr als 250.000 Ha Urwälder und Quasiurwälder evaluiert. Das sind die Überbleibsel der gro‎ßen, dichten Wälder, die sich vor Jahrhunderten auf gro‎ßen Gebieten Rumäniens erstreckten. Von den erwähnten 250.000 Ha wurden mehr als 35.000 Ha identifiziert, auf Landkarten eingetragen und gesichert, und 9.000 sind bereits in den Landeskatalog der Urwälder und Quasiurwälder eingetragen und stehen unter striktem Naturschutz.

  • Landeskatalog der Urwälder soll gegen Rodung schützen

    Landeskatalog der Urwälder soll gegen Rodung schützen

    Auf dem Landesgebiet Rumäniens gibt es auch heute noch Urwälder, das hei‎ßt unberührte Wälder, ohne Wege oder Pfade, mit einheimischen Baumarten eines jeden Alters, von einem bis hundert Jahre alten Bäumen. In derartig stabilen Ökosystem werden umgefallene Bäume in den Naturkreislauf reintegriert, und zwar dank der infolge der Fäulnis entstandenen Fülle an Lebensformen.



    In den anerkannten Urwäldern jagt niemand, es sammelt keiner Waldbeeren oder Heilpflanzen. Dann gibt es noch die sogenannten Quasi-Urwälder, naturnahe Wälder, in denen zwar Baumfällungen stattgefunden haben, jedoch recht selten, so dass sich der Wald schnell regenerieren konnte. Nicht vor langer Zeit waren 80% der rumänischen Wälder nie von Menschen betreten worden. Heute sind nur zwei Drittel von ihnen Urwälder und Quasi-Urwälder. Nichtsdestotrotz verfügt Rumänien über die europaweit grö‎ßte Fläche an säkularen Wäldern. Die Buchenwälder im Nerei-Becken, die Tannen-Buchen-Mischwälder in Sinaia, die Tannen-Buchen-Fichten-Mischwälder im Norden der Bukowina, der säkulare Hain in Slătioara, der Traubeneichenwald im Zarandului-Gebirge oder Cozia — das sind nur einige Beispiele für die in Rumänien am besten erhaltenen Wälder. Ein Teil davon ist für die Aufnahme auf die UNESCO-Liste vorgeschlagen, sagt Valentin Sălăgeanu, Kampagnenleiter bei Greenpeace:



    Im Rahmen einer landesweiten Studie 2005 haben wir festgestellt, dass wir über eine gesamte Waldfläche von etwa 218.000 Hektar verfügen. Und das war nicht einmal eine vollständige Studie. In den folgenden zehn Jahren wurde die Hälfte dieser Wälder wahrscheinlich zerstört. Leider hat sich ein Gro‎ßteil der Zerstörung legal zugetragen, denn bis 2012 gab es keine gesetzliche Bestimmung, die den Wert dieser Wälder anerkannte. Und so konnten diese extrem wertvollen Ökosysteme rechtens gefällt oder zerstört werden. Ab 2012 wurde eine Reihe von Kriterien und Kennzahlen erarbeitet, die die Ortung der Wälder erleichtern. Auch wurde eine Schutzma‎ßnahme eingeführt, die aber nur teilweise wirkt und völlig unzureichend ist. Also wurde auch nach 2012, nach der gesetzlichen Anerkennung der Wälder, weiter flei‎ßig gerodet. Und heute haben wir höchstwahrscheinlich, nach einigen optimistischen Schätzungen der Umweltorganisationen, einschlie‎ßlich Greenpeace, etwa 120 Tausend Hektar. Das hei‎ßt, die Hälfte der Waldfläche ist verloren gegangen.“




    Für den langfristigen Schutz der verbliebenen Primär-Wälder haben die Behörden Ende 2016 die Aufstellung eines Landeskatalogs der Ur- und Quasiurwälder beschlossen. Der Prozess werde sich über mehrere Arbeitsetappen erstrecken, erklärt Valentin Sălăgeanu:



    Als erstes muss das Gesetz vom letzten Jahr verbessert werden, das die Schutzma‎ßnahme, also den Landeskatalog der Ur- und Quasiurwälder, regelt. Bei der Identifizierung und Anerkennung der Wälder entstehen noch Engpässe, das führt dazu, dass die Freiwilligentätigkeit der NGOs in den Sand verläuft. Zweitens muss unbedingt eine Ausschreibung für die Nutzung der aus dem Umweltfonds stammenden Fördermittel stattfinden, es sind 2,5 Millionen Euro, die wir für die Bestandsaufnahme und die Kartenaufstellung vorgesehen haben. Das Verfahren muss schnell abgeschlossen werden, damit wir wissen, was noch nicht in der Bestandsaufnahme steht. Drittens und extrem wichtig ist es, dass alle Interessenvertreter, beginnend mit dem Ministerium für Wasser- und Forstwirtschaft, die Forstverwaltung ROMSILVA, die Privateigentümer, die NGOs, dass alle zur Schlussfolgerung kommen, dass es einer Zusammenarbeit bedarf. Sonst verlieren wir dieses europäische Naturerbe. Und es wäre schade, denn sind solche Ökosysteme einmal zerstört, können sie nicht wieder hergestellt werden.“




    Die meisten betroffenen Wälder befinden sich im Besitz des Staates, jedoch gibt es auch einige Privateigentümer, die entschädigt werden sollen, behauptet Valentin Sălăgeanu von Greenpeace:



    Bislang ist man bei den Privateigentümern auf Widerstand gesto‎ßen, denn sind die Wälder einmal im Katalog erfasst, können sie nicht mehr bewirtschaftet werden. Also gab es für die Eigentümer nichts mehr an ihren Wäldern zu verdienen, nachdem sie in den Katalog aufgenommen worden waren. Dafür haben wir eine Entscheidung der Europäischen Kommission vom Ende des letzten Jahres, die Schadenersatz für Waldbesitzer vorsieht, die mögliche finanzielle Verluste erleiden. Die aktuelle Regierung muss also die Entscheidung der Europäischen Kommission anwenden, so dass Privatbesitzer entschädigt und diese Hürde aus dem Weg geräumt werden kann. Der Schadenersatz würde sich auf bis zu 500 Euro pro Hektar jährlich belaufen.“




    Die im Katalog enthaltenen Wälder werden strikten Schutzma‎ßnahmen unterzogen, es werden keinerlei menschliche Tätigkeiten mehr auf den entsprechenden Gebieten möglich sein. Valentin Sălăgeanu erklärt, dass in den geschützten Wäldern nur noch Forschungs-, Bildungs- und Besucheraktionen erlaubt sein werden.



    Praktisch ist der Katalog eine öffentliche Datenbank, in der alle Informationen über diese Wälder eingetragen sind. Eingetragene Wälder genie‎ßen einen neuen Status, man darf überhaupt keine forstwirtschaftliche Tätigkeit mehr darin ausüben. Es wird alles bis ins Detail eingetragen, Hektar für Hektar, die genauen Ortsangaben nach GPS-Daten, mit Bezeichnung. Alle Ur- und Quasiurwälder kommen hier hinein. Bislang wurden 13.000 Hektar Waldfläche in den Katalog eingetragen. Es folgt eine zweite Etappe, in der die 24.000 Hektar Buchenwälder, die für das UNESCO-Naturerbe vorgeschlagen wurden, neu bewertet und ebenfalls eingetragen werden sollen, weil sie schnell von der Erdfläche verschwinden. Und dann folgt die dritte Etappe, in der alle Interessengruppen sich gemeinsam für die kartografische Erfassung der Urwälder anstrengen müssen, die noch nicht genau geortet wurden.“




    Der Landeskatalog der Ur- und Quasiurwälder soll nach einem Jahr vollständig und auf der Internetseite des zuständigen Ministeriums abrufbar sein.