Tag: Opera Omnia

  • Schriftstellerin Gabriela Adameşteanu mit Preis für Gesamtwerk ausgezeichnet

    Schriftstellerin Gabriela Adameşteanu mit Preis für Gesamtwerk ausgezeichnet

    Bei der 12. Gala der Zeitschrift Observator Cultural“ wurde die Schriftstellerin, Essayistin und Journalistin Gabriela Adameşteanu mit dem Preis Opera Omnia Gheorghe Crăciun“ ausgezeichnet. Die Prosawerke der Gabriela Adameşteanu — die Romane Drumul egal al fiecărei zile“ (Der gleiche Weg an jedem Tag“), Dimineaţă pierdută” (Der verlorene Morgen“), Întîlnirea“. (Begegnung“), Provizorat“ (Provisorium“) und die Kurzprosabände Dăruieşte-ţi o zi de vacanţă“ (Schenk dir einen Ferientag“) und Vară–primăvară“ (Frühling–Sommer“) erhielten wichtige Preise, wurden in 15 Sprachen übersetzt und zählen zu den Klassikern der zeitgenössischen rumänischen Literatur.



    Gabriela Adameșteanu wurde am 2. April 1942 in Târgu Ocna (im Osten Rumäniens) geboren und wuchs in Piteşti auf. Ab 1960 studierte sie rumänische Literatur an der Universität Bukarest und 1965 schrieb sie ihre Diplomarbeit über Marcel Proust. Erste literarische Versuche konnte sie 1971 veröffentlichen. Ihr Romandebüt von 1975, Drumul egal al fiecărei zile“ (Der gleiche Weg an jedem Tag“), nominiert für den Preis Jean Monnet“ für europäische Literatur, beschreibt das typische Leben der sechziger Jahre und wechselt zwischen dem Motiv der éducation sentimentale“ eines jungen Mädchens und den Themen Erfolg und Misserfolg. Einige der Kurzgeschichten aus dem Prosaband Dăruieşte-ţi o zi de vacanţă” (Schenk dir einen Ferientag“), 1979, und Vară–primăvară“ (Frühling–Sommer“), 1989, erzählen von der Hoffnungslosigkeit der späten Jahre unter Ceauşescus Herrschaft und wurden auch in russischen, deutschen, österreichischen, ungarischen und estnischen Anthologien veröffentlicht.



    Ihr bekanntestes Werk Dimineaţă pierdută” (Der verlorene Morgen“), 1984, bildete die Vorlage für eines der erfolgreichsten Theaterstücke Rumäniens und wurde 1986 am Bukarester Teatrul Bulandra von Cătălina Buzoianu inszeniert. Mit feinem Gespür für die Redeweisen und Perspektiven der verschiedenen Gesellschaftsschichten und Persönlichkeiten stellt Gabriela Adameşteanu individuelle Schicksale und kollektive Tragödien nebeneinander und schafft ein vielstimmiges Porträt ihres Landes im 20. Jahrhundert. Der Roman wurde auch in Estland und Bulgarien veröffentlicht und erschien in Auszügen in den Magazinen »Words Without Borders« und »Wespennest«. Die französische Ausgabe von 2005 wurde für den Prix Union Latine nominiert.



    Der Roman Întâlnirea“ (Begegnung“), 2003, ist ein modernes Echo auf Homers Odyssee“. Das lyrische und dramatische Werk thematisiert die problematische Kommunikation zwischen einem rückgekehrten Emigranten und seinem — in langen Jahren der Diktatur von der Welt isolierten — Heimatland.



    Der Roman Provizorat“ (Provisorium“), 2010, wurde vom Literaturkritiker Alex Goldiş wie folgt beschrieben: Es ist ein besonders spezifischer Roman der Schriftstellerin, die das Individuelle und das Politische in allen möglichen Situationen zusammenbringt. »Provisorium« ist der Beweis dafür, dass Gabriela Adameşteanu endgültig zur Literatur zurückgekehrt ist und am beunruhigenden Thema vom Menschen und der Politik weiter arbeitet.“ Beim Salon du Livre in Paris 2013 wurde Adamelteanus Roman Provisorium“ zum Bestseller.



    Die Bände Obsesia politicii“ (Die Leidenschaft der Politik“), 1995, und Cele două Românii“ (Die zwei Rumänien“), 2000, gehören zur journalistischen Aktivität Gabriela Adamşteanus. Während der rumänischen Revolution 1989 hatte sie den Mut, einen Protestaufruf bei Radio Free Europe zu unterstützen. Von 1991 bis 2005 war Gabriela Adameşteanu Chefredakteurin der Zeitschrift 22“, einer der wichtigsten bürgerrechtlichen und politischen Publikationen in Rumänien. Für ihre Aktivität als Bürgerrechtlerin erhielt sie 2002 den Hellmann Hammett Award“. Die Journalistin und Schriftstellerin Gabriela Adameşteanu war von 2000 bis 2004 Vizepräsidentin und von 2004 bis 2006 Präsidentin des rumänischen P.E.N.-Clubs. Ab 2005 widmete sich Gabriela Adameşteanu wieder der Literatur. 2007 und 2009 war sie Mitglied der Jury der Union Latine und 2013 Ehrenpräsidentin des Prix Goncourt Rumänien. 2014 wurde sie vom französischen Kulturministerium mit dem Titel Chevalier de L’Ordre des Arts et Lettres“ ausgezeichnet.



    Carmen Muşat, Chefredakteurin der Zeitschrift Observator Cultural, über die diesjährige Preisträgerin der Auszeichnung Opera Omnia Gheorghe Crăciun“:



    Wir reden hier über eine Schriftstellerin von Format. Auch wenn sie bereits vor 1989 Romane und Prosabände veröffentlicht hat, die sowohl von den Kritikern als auch von den Lesern hochgelobt wurden, haben ihre Werke bis zum heutigen Tage keine Falte bekommen, sie sind genauso frisch und eindrucksvoll, auch für das neue, junge Publikum, das eine andere Literaturrezeption hat. Ihre Prosa stellt die alltägliche Welt vor, normale Menschen in verschiedenen Lebenssituationen. In ihrer Prosa spürt der Leser immer die wachen Augen und die gespitzten Ohren der Schriftstellerin, die die feinsten Nuancen der menschlichen Existenz aufspürt und in ihren Kurzgeschichten und Romanen mögliche Welten schafft, die den Leser in ihren Bann ziehen. Wir reden über die gefeierte Autorin der bekannten Romane »Der gleiche Weg an jedem Tag«, »Der verlorene Morgen«, »Frühling-Sommer«, »Begenung«, »Provisorium«, aber auch über die hochkarätige Essayistin und Journalistin, die exzellente Interviews mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten aus verschiedenen gesellschaftlichen und kulturellen Bereichen geführt hat. Wir reden von einer Autorin, die nicht nur ein au‎ßergewöhnliches literarisches Werk geschaffen, sondern auch jahrelang eine wichtige Zeitschrift gestaltet und geprägt hat. Wir reden hier von Gabriela Adameşteanu.“




    Seit 2008 veröffentlicht der Bukarester Verlag Polirom die Autorenreihe Gesammelte Werke — Gabriela Adameşteanu“.

  • Literaturauszeichnungen: Der nationale Lyrikpreis „Mihai Eminescu“

    Literaturauszeichnungen: Der nationale Lyrikpreis „Mihai Eminescu“

    Kurz nach der Wende wurde eine Preisverleihung ins Leben gerufen, die in kürzester Zeit zu einem Bezugspunkt für die zeitgenössische Lyrik wurde: der nationale Lyrikpreis Mihai Eminescu“ in Botoşani. Das Projekt entstand aus der Initiative des Dichters Gellu Dorian, der genau wie der Nationaldichter Mihai Eminescu im nordostrumänischen Botoşani geboren wurde. Wie alt war die Idee? Auf diese Frage antwortet der Initiator des Projektes:



    Die ersten Schritte haben wir nach dem antikommunistischen Aufstand unternommen. Es war der Sommer von 1990, im Monat Juni. Im Juni 1989 wurde der 100. Jahrestag des Todes von Eminescu gefeiert. Bis zur Wende waren solche Kulturveranstaltungen der kommunistischen Ideologie untergeordnet. Wir wollten also dieses Format ändern und haben nach der Wende in Botoşani mit Hilfe der Lokalbehörden den nationalen Lyrikpreis Mihai Eminescu ins Leben rufen.“



    Der nationale Lyrikpreis Mihai Eminescu — Opera Omnia“ hat im Laufe der Zeit einen besonderen Wert erlangt. Der diesjährige Gewinner, der Klausenburger Schriftsteller Ion Mureşan, bezeichnete den Preis als Zugangsausweis, der einem erlaubt, im elitären Klub der rumänischen Lyrik weiter zu kommen, da die besten rumänischen Dichter der letzten fünfzig Jahre mit diesem Preis ausgezeichnet wurden“. Der Dichter Gellu Dorian erinnert sich an die Zeit, als das Projekt angesto‎ßen wurde:



    Von Anfang an hatten wir geplant, diesen Preis einem zeitgenössischen rumänischen Dichter für sein gesamtes Werk zu verleihen. Daher der Ausdruck »Opera Omnia« in der Bezeichnung des Preises. Der Preis wird aufgrund der Entscheidung einer nationalen Jury verliehen, Jurymitglieder sind renommierte Persönlichkeiten der rumänischen Literaturkritik und der Literaturgeschichte, Literaturprofessoren von vier der bedeutendsten Kulturzentren Rumäniens: Bukarest, Jassy, Klausenburg, Temeswar. Der damalige Vizepräsident des Schriftstellerverbands, Laurenţiu Ulici, fand die Idee sehr gut, er hat unser Projekt unterstützt, eine Jury gebildet, die 10 Jahre lang diesen Preis verliehen hat und zehn Dichter haben sich durch diesen Preis einer wesentlichen Anerkennung erfreut. Hauptkriterium war der Wert. Im Laufe eines Jahres wählen wir einen Dichter aus zahlreichen, die bereits ein vollständiges Werk haben aus. Dafür führen wir im Voraus eine Umfrage in verschiedenen Bereichen durch: im Sozialbereich, im akademischen Bereich, in Redaktionen verschiedener Zeitschriften und in den grö‎ßten rumänischen Verlagen. Die Werke der ersten zehn Dichter werden anschlie‎ßend von der Kulturstiftung »Hyperion« in Botoşani und von uns beurteilt. Ferner treten fünf oder neulich, seit zwei Jahren, sieben Dichter vor die Jury, die ebenfalls grö‎ßer geworden ist. Sieben renommierte Persönlichkeiten der rumänischen Literatur geben ferner ihre Stimmen ab und der Gewinner steht dann fest. Es ist ziemlich schwer, den Gewinner im Voraus auszumachen. Es handelt sich darum, eine gro‎ße Verantwortung zu übernehmen, denn Rumänien hat zahlreiche Dichter von unbestreitbarem Wert und wir können nicht alle mit diesem Preis auszeichnen. Wir haben ihn bereits 23 wichtigen Namen der rumänischen zeitgenössischen Literatur verliehen.“



    Zu den Dichterinnen und Dichtern, die im Laufe von fünfzehn Jahren mit dem begehrten Preis geehrt wurden, zählen Gellu Naum, Ana Blandiana, Ştefan Augustin Doinaş, Dorin Tudoran, Ileana Mălăncioiu. Die letztere ist Gewinnerin des Preises bei der fünften Preisverleihung und ebenfalls Initiatorin des Debüt-Preises. Seit 1998 wird also der Nationalpreis Mihai Eminescu“ auch in der Kategorie Opera Prima (Erstwerk) verliehen. Zu den Gewinnern der ersten 16 bisherigen Preisverleihungen zählen Doru Mareş, Liviu Georgescu, Răzvan Ţupa, Dan Sociu und dieses Jahr Ştefan Baghiu.



    Unlängst stellte sich der Literaturkritiker Mircea Martin mit Bezug auf diesen Preis eine rhetorische Frage: Wird nach einigen Jahren einer der Gewinner des Debüt-Preises zurück nach Botoşani kehren, um den gro‎ßen Preis zu erhalten?“ Dieselbe Frage haben wir auch dem Initiator des Projektes, dem Dichter Gellu Dorian gestellt:



    Zweifellos befinden sich derzeit alle Dichter, die diesen Preis erhalten haben, auf dem Weg zum Erfolg. Einige sind bereits bekannt geworden, wie Liviu Georgescu, Gewinner der dritten Preisverleihung. Viele seiner Gedichtbände sind bereits veröffentlicht worden. Selbstverständlich ist die Frage von Professor Mircea Martin, langjähriges Mitglied dieser Jury, voll gerechtfertigt und meiner Meinung nach werden wir bei der 20. Preisverleihung auch eine derartige Nominierung einführen.“



    An der 23. Preisverleihung Mihai Eminescu — Opera Omnia“ hat die Jury, deren Präsident der Akademiker Nicolae Manolescu war, den Dichter Ion Mureşan mit dem begehrten Preis geehrt. Jurymitglieder waren Mircea Martin, Cornel Ungureanu, Ion Pop, Alexandru Cistelecan, Mircea Diaconu und Ioan Holban. Weitere Nominierungen erhielten neben Ion Mureşan auch die Schriftsteller Mircea Cărtărescu, Liviu Ioan Stoiciu, Lucian Vasiliu, Constantin Abăluţă, Ovidiu Geraru und Vasile Vlad. Der mit 20.000 Lei dotierte Preis sowie die Trophäe erhielt Ion Mureşan bei einer Sondergala, die aus Anlass der Eminescu-Tage veranstaltet wurde. Der Gewinner wurde — genau wie seine Vorgänger — auch mit dem Titel Ehrenbürger der Stadt Botoşani“ ausgezeichnet.



    Seit der ersten Preisverleihung wird der nationale Lyrikpreis Mihai Eminescu“ jährlich am 15. Januar, dem Geburtstag von Mihai Eminescu, verliehen. Seit 2011 wird an diesem Datum in Rumänien auch der Tag der rumänischen Kultur gefeiert.



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