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  • Italienischer Start-up-Gründer: „Ich würde Unternehmern Rumänien vorbehaltlos empfehlen“

    Italienischer Start-up-Gründer: „Ich würde Unternehmern Rumänien vorbehaltlos empfehlen“

    Emanuele Musa ist ein sozialer Unternehmer und kommt aus Italien, genauer gesagt aus Sardinien. Er studierte Elektrotechnik am Polytechnikum in Turin und absolvierte anschlie‎ßend eine Reihe von europäischen Masterstudiengängen in Business Management. Er hat Erfahrung im Innovationsmanagement und in der Beratung von Start-ups. Er ist auch Co-Autor eines Buches über Crowdsourcing oder die Suche nach finanziellen Ressourcen im Bereich des sozialen Wandels. Im Jahr 2013 gründete er zusammen mit seiner rumänischen Frau ein Unternehmen, das er immer noch leitet, ein Unternehmen, das sich auf die Beratung für Unternehmensführung spezialisiert hat. Seit 2014 lebt er in Bukarest, hat Rumänisch gelernt und Rumänien ist seine zweite Heimat geworden. Er erzählt uns, wie er hierher kam und was ihn zum Bleiben bewegt hat:



    Meine Frau und ich haben in Paris gearbeitet und irgendwann habe ich beschlossen, ein soziales Unternehmen zu gründen. Es wäre komplizierter gewesen, dies an einem Ort zu tun, an dem wir keine Familienmitglieder oder Verwandten haben, und wir sagten uns: Lass uns nach Sardinien gehen — wo ich aus Italien herkomme –, oder wir gehen nach Bukarest in Rumänien — wo sie herkommt. Das Ziel war es, an einem Ort zu sein, an dem wir mehr Möglichkeiten haben, die Unterkunftskosten am Anfang zu decken, wenn wir in diese Firma investieren müssen, und in Paris wäre das viel schwieriger gewesen. Nachdem man seinen Job gekündigt hat und kein gutes Gehalt mehr bekommt, wäre es viel schwieriger gewesen, die Lebenshaltungskosten in Paris zu decken und in ein Unternehmen zu investieren. Und dann haben wir uns entschieden, nach Rumänien zu ziehen, denn Sardinien ist sehr schön, aber nur, wenn man ein Geschäft mit Käse starten will. Auf Sardinien zu leben, ist auch für Italiener eher nebenrangig und nur strategisch, wenn man im Tourismus arbeiten will. Dann zogen wir nach Rumänien und begannen mit dem Aufbau dieser Firma, mit dem Ziel, nach einem Jahr nach Frankreich zurückzukehren. Aber ich mochte die Atmosphäre, die ich vorfand, die sehr kosmopolitischen Menschen und den Lebensstil, den ich mit der Gründung dieser Firma geschaffen habe, sehr. Dann haben wir uns praktisch in den Lebensstil verliebt, den wir uns leisten konnten, und in die Tatsache, dass wir die Freiheit hatten, ein Projekt zu entwickeln, das uns sehr nah am Herzen lag.“




    Also blieb Emanuele Musa in Bukarest und baute zusammen mit seiner Frau dieses Beratungsunternehmen im Bereich Unternehmensführung auf. Bevor er hierher kam, lebte Emanuele in mehreren Ländern auf der ganzen Welt, und wir fragten ihn, ob Rumänien mittlerweile seine Heimat geworden sei:



    Es ist uns damals recht einfach gefallen. Mir scheint, wenn ich nicht hier hätte leben wollen, hätte ich die Sprache nicht gelernt und mich nicht so gut integriert. Also ja, ich fühle mich zu Hause. Ich habe in vielen Ländern gelebt und Rumänien ist zu Hause, wie Frankreich zu Hause ist, wie England und Belgien und Brasilien zu Hause sind. In jedem dieser Länder habe ich den Eindruck, dass ich etwas von mir zurückgelassen habe und dass ich etwas von diesem Land mitgenommen habe, und das habe ich auch im Fall von Rumänien getan. Jetzt ist Rumänien nach Italien das Land geworden, in dem ich am meisten in meinem Leben gelebt habe.“




    Seit sieben Jahren lebt Emanuele nun in Bukarest. Er ist sowohl von rumänischen als auch von ausländischen Freunden umgeben, und der Lebensstil hier hat ihn erobert. Die Menschen und ihr Lebensstil haben Emanuele dazu bewogen, hier zu bleiben. Wir haben ihn gefragt, was ihm Rumänien als Land geboten hat:



    Das erste, was Rumänien mir bot, war ein Haus. Die Eltern meiner Frau boten uns eine Wohnung in Bukarest an, und das war der Beginn unseres Abenteuers hier. Wir verliebten uns in unser Haus, wir mochten unsere Nachbarn und vor allem schätzten wir die Tatsache, dass wir eine Stabilität hatten, die man, wenn man am Anfang auf dem Weg zum Unternehmertum steht, wirklich braucht. Dann begannen wir in den Co-Working-Spaces, in denen wir arbeiten, immer mehr Menschen zu schätzen, die ebenfalls im Bereich des Unternehmertums und der Freiberufler tätig sind. Wir stellten fest, dass die Menschen, die wir trafen, weltoffen und sehr freundlich waren, und wir haben in kürzester Zeit viele Freunde gefunden.“




    Wie überall gibt es auch neue Probleme, Dinge, die nicht ideal funktionieren. Wir haben Emanuele gefragt, was er gerne in Rumänien geändert sehen würde:



    Das Problem, das ich mit Rumänien habe, ist, dass es kein Land für 99% seiner Menschen ist. Wer in Bukarest Geld hat, geht in private Gesundheitsvorsorge, weil alle, die ein besseres Einkommen haben, nicht ins öffentliche Gesundheitssystem gehen wollen. Und das Gleiche scheint mir auch in anderen Gegenden zu passieren. Was ich ungerecht finde, ist, dass die Menschen, wenn sie die finanziellen Mittel dazu haben, zu bestimmten Dienstleistern gehen, die ein Privileg für diejenigen sind, die es sich leisten können. Und alle anderen tun das Beste, was sie aus der gegebenen Situation machen können. Ich finde es schade, dass wir zu einer Gesellschaft werden, in der viele Dinge privatisiert werden, die besser in öffentlicher Hand bleiben sollten.“




    Emanuele mag die Gegend um den Sankt-Ana-See sehr und würde gerne mehr Zeit dort verbringen, weil es ein schöner Ort ist. Wir fragten ihn, ob er etwas aus seiner Heimat Sardinien vermisse:



    Artischocken oder Spargel und natürlich das sardische Meer. Aber mit einem Direktflug nach Sardinien kann ich hin, wann immer ich will, und ich habe auch die Flexibilität, von dort aus zu arbeiten. Und dann kann ich nicht sagen, dass ich es furchtbar vermisse, nach Sardinien zu reisen oder dort zu leben.“




    Zum Schluss haben wir Emanuele gebeten, jemandem einen Rat zu geben, der in Rumänien in ein Unternehmen investieren oder ein Start-up gründen möchte, und wir haben ihn auch gefragt, ob Rumänien unter diesem Gesichtspunkt attraktiv sei:



    Es kommt sehr auf den Bereich an. Rumänien ist sicherlich sehr interessant, weil es ein Steuerparadies für Programmierer ist, was viele Programmierer aus dem Ausland hierher kommen lässt. Au‎ßerdem gibt es viele Absolventen des Polytechnikums, die programmieren können, und es ist sehr einfach, gute und wettbewerbsfähige Programmierer für den IT-Bereich der Unternehmen zu finden. Mir scheint, dass sich alle gro‎ßen Städte sehr gut entwickeln, was die Unterstützung von Unternehmern angeht, von Cluj (Klausenburg) bis Oradea (Gro‎ßwardein). Es gibt eine sehr interessante Entwicklung in dieser Hinsicht, also ja, ich würde Rumänien vorbehaltlos empfehlen.“

  • Gabriel Morin: „Bukarest hat mehr zu bieten als auf den ersten Blick erkennbar“

    Gabriel Morin: „Bukarest hat mehr zu bieten als auf den ersten Blick erkennbar“

    Gabriel Morin lebt seit 2015 in Bukarest. Der 30-jährige ist Programmierer und Toningenieur, aber seine grö‎ßte Leidenschaft gilt der Musik. Er mag es, neue Menschen kennenzulernen und neue Orte zu entdecken. Zusammen mit einem französischen Freund, Luka Zivkovic, hat Morin eine Webseite gegründet, die eine Karte der interessantesten Orte der rumänischen Hauptstadt enthält: zecelarece.ro. Der Ausgangspunkt war ein Newsletter, den sie, genau wie andere Ausländer in Rumänien, abonniert haben, um Events und Orte in Bukarest zu entdecken:



    Hallo, mein Name ist Gabriel Morin und ich bin in der Normandie geboren. Ich habe vier Jahre bei Ubisoft in Paris gearbeitet. Als ich einen Karrierewechsel machen wollte, habe ich den Kontakt mit einem Bekannten aus Kalifornien aufgenommen, der immer wieder nach Bukarest kam; er schlug mir vor, mit ihm in Bukarest zusammenzuarbeiten, und so bin ich hierher gezogen. Das ist schon fünf Jahre her.“



    Gabriel wusste nicht, was er in Bukarest erwarten sollte, aber hier entdeckte er eine ganz neue Welt. Er hat viele Menschen kennengelernt und neue Orte entdeckt. So hat er einen Newsletter erstellt, den er am Anfang nur seinen Freunden schickte und dann die Webseite, die Informationen für jeden Ausländer anbietet, der Bukarest in einer originellen Art und Weise erkunden möchte. Bukarest habe unter seinen Augen eine Umwandlung erlebt, sagt Gabriel Morin:



    Was das Geschäftsumfeld in Rumänien angeht, konnte ich im Sektor der Gastwirtschaft eine deutliche Mentalitätsveränderung feststellen. Schon vor der Pandemie stellte ich fest, dass die Menschen sich untereinander unterstützen. Vor 5 Jahren war es anders in diesem Bereich, man vertraute einander überhaupt nicht. Nach anderthalb Jahren in Rumänien begann ich zu zweifeln, ob ich länger bleiben soll oder nicht, denn ich hatte den Eindruck, dass ich schon alles gesehen hatte, dass mich Rumänien nicht mehr überraschen kann, aber ich habe mich geirrt. Ich entschied mich also, mehrere Orte zu entdecken und Menschen kennenzulernen, damit ich auch die Möglichkeit habe, die rumänische Sprache zu üben. So bin ich auf die Idee gekommen, diesen Newsletter zu erstellen, der später zu einer Webseite wurde, wo ich zehn Events pro Woche empfehle, »Zecelarece« hei‎ßt in etwa »Zehn Tipps mit kühlem Kopf«. Dafür musste ich Bukarest näher erkunden und so fand ich heraus, dass die Stadt viel mehr zu bieten hat als auf den ersten Blick erkennbar. Als ich die Stadt verlassen wollte, war ich vielleicht traurig, das war eher auf meinen damaligen Geisteszustand zurückzuführen.“



    Von dem Zeitpunkt an, an dem er sich für ein Leben in Bukarest entschied, begann Gabriel, die Stadt neu zu entdecken und neue Kontakte zu knüpfen und Menschen zusammenzubringen, die gemeinsame Interessen haben. Wie er heute Bukarest sieht und was er den Neuankömmlingen raten würde, erläutert unser Gesprächspartner:



    Die Erfahrung, die man in einer Stadt macht, ist die Stadt an sich, wie die Menschen dort ticken, wie man mit ihnen umgeht. Eine deutliche Rolle spielt aber auch, wie man selber damit umgeht, was man sucht und natürlich der Geisteszustand. Niemand möchte den Ausländern seine Heimatstadt empfehlen, nur weil diese Stadt kostengünstig ist, sondern weil ihre Kultur ein gewisses Interesse weckt. Man soll den wahren Wert einer jeden Stadt entdecken. Ich habe eine angeborene Neugier und jetzt, fünf Jahre später, habe ich noch nicht alles in Bukarest entdeckt.“



    Bukarest fasziniert unseren Gesprächspartner, er wohnt im Stadtzentrum und hat die alten Teile der rumänischen Hauptstadt zu Fu‎ß erkundet. Manche Aspekte mag er mehr, andere weniger:



    Als Bewohner der Stadtmitte möchte ich, wenn es möglich wäre, das Erdbebenrisiko in Bukarest reduzieren, damit wir das wunderbare kulturelle Erbe der Stadt bewahren. Mit zwei gro‎ßen Problemen habe ich mich hier stets konfrontiert: dem Verkehr und den einsturzgefährdeten historischen Gebäuden. Es wird länger dauern, aber ich möchte, dass die Stadt über eine Infrastruktur verfügt, die ihre Einwohner weniger abhängig von Autos macht. Ich blicke optimistisch in die Zukunft und bin mir sicher, dass alles in die gute Richtung geht.“