Tag: Schwerindustrie

  • Regierung beschließt Förderung strategischer Investitionen und der Schwerindustrie

    Regierung beschließt Förderung strategischer Investitionen und der Schwerindustrie

    Im Hinblick auf die Reindustrialisierung des Landes hat die rumänische Exekutive wichtige Schritte zur Fertigstellung der Förderregelung für große strategische Investitionen in der verarbeitenden Industrie und des Förderprogramms für die Schwerindustrie in Rumänien beschlossen. Profitieren sollen davon die metallverarbeitende, die Stahl- und die chemische Industrie. „Die erste Komponente des Plans für strategische Investitionen in der verarbeitenden Industrie umfasst eine staatliche Beihilfe in Höhe von 500 Mio. Euro und Steueranreize für Investitionen von mehr als 150 Mio. Euro, die unmittelbar mindestens 250 Arbeitsplätze schaffen und in Regionen mit einem BIP/Einwohner unter dem nationalen Durchschnitt abgewickelt werden“, erklärte Premierminister Marcel Ciolacu.

    Die zweite Komponente des Industrieplans ist das Nationale Unterstützungsprogramm für Schwerindustrie in Rumänien – eine staatliche Beihilfe in Höhe von 1 Mrd. EUR über einen Zeitraum von sechs Jahren zur Dekarbonisierung von Produktionsprozessen und Energieeffizienz. Nach Angaben des Premierministers werden schätzungsweise 30 Unternehmen der Hütten– und Chemieindustrie mit bis zu 100 Mio. EUR pro Betrieb unterstützt. „Dabei handelt es sich um Unternehmen, die Investitionen mit förderfähigen Kosten von mindestens 8 Millionen Euro tätigen, die die direkten Treibhausgasemissionen in Industrieanlagen um 40 Prozent reduzieren und/oder den Energieverbrauch in Industrieanlagen im Zusammenhang mit den geförderten Aktivitäten um mindestens 20 Prozent senken. Die Finanzierung der staatlichen Beihilfen erfolgt hauptsächlich durch den Verkauf von Treibhausgasemissionszertifikaten für Rumänien, und die Investitionen müssen ab dem Zeitpunkt ihrer Abwicklung fünf Jahre lang aufrechterhalten werden“, heißt es in den Ausführungen des Premierministers Marcel Ciolacu.

    Letztendlich umfasst die dritte Komponente des Plans eine staatliche Beihilfe in Höhe von umgerechnet 250 Mio. Euro für 15 Unternehmen, die Investitionen in die Produktion von Industrierohstoffen wie Rohren, Profilen, Stangen, Aluminium oder Kupfer tätigen. „Diese Unterstützungsprogramme stehen im Einklang mit den im Draghi-Plan vorgeschlagenen Maßnahmen zur Steigerung der industriellen Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft. Die drei Beihilferegelungen zielen darauf ab, die Industrieproduktion und das Bruttoinlandsprodukt durch Investitionen zu steigern, das Handelsbilanzdefizit zu verringern, neue und gut bezahlte Arbeitsplätze zu schaffen sowie die Produktionsprozesse zu dekarbonisieren und die Energieeffizienz zu erhöhen“, fügte der Premierminister hinzu. Das übergeordnete Ziel sei, ein investitionsbasiertes Wirtschaftsentwicklungsmodell zu fördern.

  • Planwirtschaft im Kommunismus: Die forcierte Industrialisierung 1965-1975

    Planwirtschaft im Kommunismus: Die forcierte Industrialisierung 1965-1975

    Eine systematische Investitions-Politik gab es in Rumänien beginnend mit der zweiten Hälfte der 1960er Jahre. In allen Staaten des sozialistischen Lagers haben die Regime versucht, die Produktion und Produktivität durch Investitionen zu steigern. Rumänien stellte keine Ausnahme dar. Die von internationalen Finanzinstituten bekommenen Darlehen wurden für den Bau der gro‎ßen Industrie-Plattformen eingesetzt. Maxim Berghianu war Vorsitzender des staatlichen Planungs-Ausschusses. Diese Behörde beschäftigte sich mit der wirtschaftlichen Planung. Im Jahr 2002 hat das Zentrum für mündliche Geschichte des rumänischen Rundfunks ihn interviewt. Thema des Interviews war die Entwicklung der Industrie zwischen 1965 und 1975. Berghianu erinnert sich an die Zeit, als neue Fabriken aus dem Boden gestampft wurden:



    In diesem Zeitraum wurde das Kombinat für Stahllegierungen in Târgovişte gebaut, die Plattform in Călăraşi wurde eröffnet, in Hunedoara hat man weiter gebaut, es wurden weitere zwei grö‎ßere Walzwerke und ein paar neue Hochöfen in Hunedoara gebaut. In Reşiţa hatte man ein weiteres Walzwerk für Bahnschienen geplant. Wir produzierten schon etwas, aber wenig, und jetzt musste man es in Călăraşi produzieren. Wenn wir Bahnschienen im Osten fanden, kauften wir im Osten ein, wenn nicht, aus dem Westen, sonst ging es nicht. Auch das Drahtwerk in Câmpia Turzii hat sich stark entwickelt, dort wurden unterschiedliche Draht-Typen, Aluminium-und Kupfer-Kabel und Profile produziert. Wir exportierten viel. Das waren die Delikatessen der Schwerindustrie, nicht jeder konnte sich das leisten. Zugleich haben sich auch die Werke Oţelul Roşu, Călan und Hunedoara entwickelt. Es gab auch den Riesen in Galaţi, der etwa 6-8 Millionen Tonnen Stahl produzieren musste.“




    Die Investitions-Politik stie‎ß aber wegen der Bürokratie und des Erfahrungsmangels auf Schwierigkeiten. Die Ideologie und das politische System standen im Wege der Verbesserung und Ausführung der Projekte. Ein solches Beispiel war die Plattform in Galaţi. Maxim Berghianu mit Einzelheiten:







    Ich war beim staatlichen Planungs-Ausschuss tätig und ich habe erkannt, dass dort ein riesiges Loch im Budget entstand. Ich bin mit dem Personal in Galaţi, mit allen Ministern, die mit dem Kombinat etwas zu tun hatten — Energie, Metall, Maschinenbau — in Kontakt getreten. Es gab da einen Krisenstab. Ein Vize-Ministerpräsident bestimmte zusammen mit ihnen, was monatlich zu tun war. Wir haben jedes Ziel und jeden Termin geplant. src=/files/Panoramice/Pro

    In diesem Gebäude (hier auf einem Foto von 1962) hatte bis zur Wende der staatliche Planungsausschuss seinen Sitz.


    Foto: sanuuitam.blogspot.ro



    Ich habe auch Cheşa, den stellvertretenden Metallurgie-Minister, eingebunden, ich kannte ihn aus Hunedoara. Ich habe ihn zum Geschäftsführer in Galaţi ernannt, er blieb zugleich stellvertretender Minister. Ich habe ihm gesagt, er sei zuständig für alles, für die Einhaltung aller Termine. Täglich rief er mich um 8 Uhr morgens an, acht Monate lang ging das so.“




    Maxim Berghianu hat auch über die organisatorischen Mängel gesprochen, die sich auf das Steuern der Investitionen in der Industrie auswirkten:



    Wir haben auch Fehler begangen. Wir haben die Zerstückelung der Investitionen erlaubt. Alle waren gierig nach möglichst vielen Investitionen. Das war eine generalisierte Krankheit, insbesondere im Chemiebereich, in der Stahlindustrie, im Bereich Autobau, wo es gro‎ße Geldsummen gab. Fast drei Viertel der Investitionen im Zeitraum 1965-75 wurden bewusst insbesondere in diesen Bereichen getätigt. Die Investitionen waren aber im Vorfeld nicht geplant worden. Selbst wenn es einen Fünfjahresplan gab und sowohl die Planung als auch die Dokumentation fertig sein konnten, tat man eigentlich nichts dafür. Das meiste Geld wurde hingegen verschwendet. Als wir das verstanden hatten, haben wir dem gleich ein Ende gesetzt: Wir sa‎ßen auf einem Geldberg von Milliarden und dieses Geld produzierte nichts, wir hatten teure Ausrüstungen auf Lager, die meisten waren importiert worden. Da der Bau nicht fertig war, wurden sie auch nicht in Betrieb gesetzt. Diese Situation lie‎ß im Zeitraum 1965-1970 äu‎ßerst unwirtschaftliche Ergebnisse entstehen. Infolgedessen haben wir für die kommenden fünf Jahre strenge Ma‎ßnahmen getroffen, wir konnten uns nicht mehr leisten, Investitionen zu starten und dann das Ziel aus den Augen zu verlieren.“




    Maxim Berghianu ist der Meinung, dass die damaligen Manager im Bereich Entwicklung der Industrie nach einem Jahrzehnt deutlich an Erfahrung gewonnen haben:



    Man kann nicht behaupten, dass die ganze rumänische Industrie unter dem Weltdurchschnitt lag, sonst hätten die Franzosen und die Amerikaner keine vom Bukarester Schwermaschinenbau-Kombinat IMGB hergestellten Low-Tech-Produkte, Maschinen mit numerischer Steuerung, mit programmierbarer Steuerung, von der Chemieprodukten oder Frontalfräsen ganz zu schweigen, nicht gekauft. Das war eigentlich Ceauşescus Wahn, er wollte, dass wir uns aus Sicht der Produktion pro Kopf mit den entwickelten Staaten vergleichen können. Aber erst in den Jahren 1971-1975 haben wir unsere Produkte verfeinert, um das ganze Potential auszuschöpfen, denn das machte auch eine Steigerung der Exportpreise möglich.“



    Die Stimulierung der rumänischen Industrie im Zeitraum 1965-1975 war ein ambitioniertes Projekt. Die Unzulänglichkeiten im System, die in den Achtzigern deutlich zu spüren waren, sowie die Erdölkrise, die eine Steigerung der Energiepreise hervorrief, haben die Schwächen der rumänischen Industrie verdeutlicht. Aus Mangel an einer zentralisierten Führung ist die rumänische Industrie in den Neunzigern zum grö‎ßten Teil zusammengestürzt.

  • Bergbau und Arbeitsschutz im kommunistischen Rumänien der 1980er Jahre

    Bergbau und Arbeitsschutz im kommunistischen Rumänien der 1980er Jahre

    Die Schwerindustrie gehörte zu den Stützpfeilern der kommunistischen Industrialisierung in Rumänien. In diesen Bereich fielen der Bergbau, die Stahlindustrie und der Maschinenbau. Der Rohstoffabbau, vor allem im Tagebau, galt als schwierigste Branche, aufgrund der extremen Arbeitsbedingungen und des hohen Unfallrisikos bzw. der zahlreichen Todesfälle. Weil die Bergarbeiter eine erstaunlich solidarische Berufsgruppe bildeten, fühlte sich das Regime von ihrem Streikpotential bedroht. Deshalb genossen sie gro‎ßzügige Lohnbedingungen bzw. sozialen Schutz, wurden dafür aber gleichzeitig streng überwacht. Der Arbeitsschutz hatte sowohl eine soziale Komponente als auch eine Kontrollfunktion aus Sicht der Behörden. In einer perfekten Welt gibt es keine Unfälle, darauf lief der Ehrgeiz der Kommunisten hinaus.




    Und dennoch hat es derartige Arbeitsunfälle gegeben. Elektromechaniker Petru Gherman berichtete 2003 in einem Interview mit dem Zentrum für Mündliche Geschichte des Rundfunks darüber, wie er selbst bei einem tödlichen Unfall in einem Bergwerk im Schil-Tal unversehrt blieb.



    Wir hatten einen fallenden Verhieb in einer Abbaukammer in etwa 150 Metern Tiefe, und die Kammer wurde mit individuellen Trageelementen gestützt. Das hei‎ßt, es sind Pfeiler und Stützbalken dort, was auch immer. Ich war Kombineführer, fuhr den schrägen Stollen runter, in Richtung Abbaukammer. Plötzlich ist es entlang einer 17 Meter langen Strecke zu einem Bruch gekommen, meine Kombine wurde komplett begraben. Ich konnte irgendwie rauslaufen. Damals ist aber ein Bergarbeiter verschüttet worden, erst nach drei Tagen konnten sie die Leiche bergen. Er hie‎ß Mureşan Vasile, ich werde ihn nie vergessen, er war ein sehr guter Mensch und wir verstanden uns sehr gut. Aber ich habe überlebt, weil ich weglaufen konnte, die Kombine hatte sich ein wenig zur Seite geneigt und er wurde verschüttet.“




    Der Bergarbeiter Miklós Bokor hat sich bei seiner Berufswahl einer langen Familientradition angeschlossen, sich aber auch aus purer Leidenschaft für den Bergbau entschieden. Man könnte glauben, dass die Bergarbeiter sich aus rein materiellen Gründen für diesen gefährlichen Beruf entscheiden. Aber viele der Bekräftigungen von Kumpeln lassen auf eine Leidenschaft für den Bergbau, für die Branche, schlie‎ßen. Und das gilt auch für Miklós Bokor, der lange Zeit untertage im Bergwerk Aninoasa im Schil-Tal tätig war. 2003 berichtete auch er von einem Arbeitsunfall, bei der er sich einen Fu‎ßbruch zugezogen hatte.



    In diesen 31 Jahren, in denen ich dort gearbeitet habe, gab es untertage zwei Unfälle. Einmal war es ein Bruch und das andere Mal ein Einsturz in einem Kohleabbau, eigentlich ist die Decke eingestürzt dort. Beim Bruch ist Gestein hereingebrochen. Es war dort ein hoher Neigungswinkel, etwa 60 oder 50 Grad. Und wenn ein Gesteinsbrocken runterfällt, können Sie sich vorstellen, mit welcher Geschwindigkeit er herunterrollt. Dieser Brocken kam von oben, etwa 20-30 Meter über mir. Ich hörte das Geräusch, wollte hochspringen und ausweichen, aber der Brocken ist über meinen Fu‎ß hinweggerollt und hat mir drei Zehenknochen gebrochen. Wenn so ein Gestein hereinbricht, hört man ein lautes Getöse, schon vorher hört man das. Man hört es, wenn man Bergarbeiter und mit dem Gedanken am richtigen Ort ist, fast unterhält man sich mit dem Berg. Auf jeden Fall siehst und wei‎ßt du, wenn etwas passiert. Denn das Bergwerk vergie‎ßt Tränen genau wie ein Mensch, zunächst kommen die Tränen und danach weint es richtig, und der Gesteinsbrocken flie‎ßt runter, er kommt ins Rollen. Und wenn du dann rausgehst, ist es ein richtiger Berg! Wenn es richtig leise ist, denn damals herrschte auch Ruhe, dann wei‎ßt du, dass es eine Risslinie ist, und hast die Möglichkeit, die Arbeiter rauszubringen.“




    Die Minenunfälle galten als wichtige Ereignisse und wurden von Untersuchungen gefolgt, bei denen die Schuldigen ermittelt werden sollten. Ingenieur Iulian Costescu war technischer Bergwerks-Leiter in Livezeni. Im Jahr 1980 starben 53 Menschen infolge von zwei Explosionen: Bei der ersten starben 32 Bergleute, eine zweite Explosion tötete 21 Retter. Eine Arbeitsschutz-Kommission, der auch Securitate-Offiziere angehörten, untersuchte den Fall und befand ihn für unschuldig.



    Wie es damals üblich war, mussten hohe Tiere ins Gefängnis, etwa der Bergwerksleiter und der Chefingenieur. Der Securitate-General Macri ist gekommen, um alles zu überwachen. Ich hatte eine Auseinandersetzung mit ihm, weil er nach der Explosion runter wollte. Der damalige Bergbau-Minister, Virgil Trofin, hat mich zum Leiter der Bergungsarbeiten ernannt. Und es war mein gutes Recht, dem General den Zugang zum Bergwerk zu verweigern, denn die Explosion hätte sich wiederholen können. Das war bereits davor im Bergwerk Vulcan der Fall gewesen, wo sogar Professoren vom Bergbau-Institut Petroşani gestorben waren, darunter der Leiter des Instituts und jemand vom Zentrum für die Sicherheit im Bergbau in Petroşani. Und Macri hat vorgeschlagen, dass auch ich angeklagt werde und ins Gefängnis gehe. Das Strafverfahren hat ein Jahr lang gedauert, am Ende wurde ich freigesprochen. An jenem Morgen war Paul Romanescu zuständig für den Belüftungsdienst und den Arbeitsschutz im Kombinat. Und ich sagte ihm, ins Bergwerk zu gehen, um die Belüftung zu überprüfen. Er war ein au‎ßergewöhnlicher Junge. Er ging hinunter ins Bergwerk. Wäre ich mitgegangen, wäre das vielleicht nicht passiert. Vielleicht hätte ich Ma‎ßnahmen getroffen, die den Tod so vieler Menschen verhindert hätten. Ich glaube, dass die Explosion sowieso stattgefunden hätte, aber ich hätte vielleicht die Leute aus dem Bergwerk in Sicherheit gebracht. Ich wei‎ß nicht, was ich gemacht hätte.“




    Die Unfälle in den Bergwerken haben die Arbeiter dort nicht dazu bewegen können, aufzugeben. Obwohl die Arbeitsschutznormen die Lebensgefahr untertage nicht ausschlie‎ßen können. Für sie gilt Eines: Die Erde kann in ihrem Inneren, genauso wie die Tiefe der Meere, nicht vollständig gezähmt werden.



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