Tag: Virgil Stefan Nitulescu

  • Bauernmuseum: Sonderausstellung zu Alexandru Tzigara-Samurcaș

    Bauernmuseum: Sonderausstellung zu Alexandru Tzigara-Samurcaș





    Alexandru Tzigara-Samurcaș (1872–1952) war eine wichtige Persönlichkeit des rumänischen Kulturlebens in der ersten Hälfte des 20. Jh. Der Ethnograf, Museologe und Kulturjournalist war ein Vertrauter des rumänischen Königs Karl I. (1839–1914), und seine Verdienste um die rumänische Kultur wurden vielleicht auch deshalb in der Zeit der kommunistischen Diktatur verschwiegen oder geringgeschätzt. Im Jahr 1906 gründete er das sogenannte Nationalmuseum, ein ethnografisches Museum, dessen Wirkung eine Inspirationsquelle für das heutige Bukarester Bauernmuseum (MȚR) war. Das Museum beruft sich ausdrücklich auf die Figur des in Vergessenheit geratenen Ethnographen, und seit 2022 gibt es eine immer wieder verlängerte temporäre Ausstellung, die ihn ehrt.



    Virgil Ștefan Nițulescu ist der Leiter des Bauernmuseums und erzählt zunächst, wie es zur Ausstellung kam.



    Alexandru Tzigara-Samurcaș war der Autor eines grundlegenden Buchs für unsere Museumskultur — es hei‎ßt »Die rumänische Museografie« und ist 1936 erschienen. Vergangenes Jahr haben wir das 150. Jubiläum seiner Geburt gefeiert und gedachten gleichzeitig des 70. Jahrestags seines Todes. Zu diesem Anlass haben wir eine Sonderausstellung eingerichtet, die wir am 24. November 2022 eröffnet haben. Ursprünglich wollten wir die temporäre Ausstellung nach sechs Monaten schlie‎ßen, doch dann haben wir gemerkt, dass wir mit Vorbereitungen für die neue ständige Ausstellung noch nicht fertig waren und dass die Exponate aus der persönlichen Sammlung von Tzigara-Samurcaș interessant genug sind, um diesen Teil der Ausstellung zu verlängern. Au‎ßerdem sind einige persönliche Gegenstände aus dem Familienbesitz, die ihn gehört haben, ausgestellt, die das Publikum anderswo nicht sehen kann. Seine eigene Sammlung hat er in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg angelegt, und ein Teil der Gegenstände wurde auch im damaligen Nationalen Museum gezeigt. Doch ein weiterer Teil wurde bislang aus unterschiedlichen Gründen nie ausgestellt, und diese Gegenstände befinden sich heute im Besitz unseres Museums. Und so haben wir uns gedacht, dass es eine gute Idee wäre, sie dem Publikum zugänglich machen, denn bis auf den heutigen Tag kennen leider viele Menschen kaum etwas über seine Persönlichkeit.“




    Museumsleiter Virgil Nițulescu ist voll der Bewunderung für die Persönlichkeit des Ethnografen Alexandru Tzigara-Samurcaș:



    Er war eine absolut bemerkenswerte Persönlichkeit der rumänischen Kultur, eine vielfältiger Mensch, der Unglaubliches vollbracht hat. Ich habe mich oft gefragt, wie er es schaffte, so viele Dinge auf einmal zu tun — wie fand er die Zeit dafür? Denn er war nicht nur von 1906 bis 1946 — also 40 Jahre lang — Direktor des Nationalen Museums, sondern gleichzeitig Leiter der Kulturstiftung des königlichen Hauses von Rumänien. Er hatte auch mehrere Kulturzeitschriften unter seiner Obhut und reiste kreuz und quer durch ganz Rumänien, um Fotos zu machen oder ethnografische Gegenstände zu sammeln. Und er war oft auch im Ausland unterwegs, vorrangig in Italien und Deutschland. Von seiner Ausbildung her war er der deutschen Kultur anhänglich — in Deutschland hatte er nämlich auch seine Doktorarbeit gemacht.“




    Doch was macht die Ausstellung über Alexandru Tzigara-Samurcaș so besonders, dass sie seit über einem Jahr läuft?



    Was ihn von anderen Museologen unterscheidet, die ebenfalls Kulturgüter im weitesten Sinne gesammelt haben, ist, dass er selbst sich nicht als Ethnografen ansah — er sprach blo‎ß von ‚schönen‘ Gegenständen, die man sammeln müsse. Seine Herangehensweise war, die Bauernkunst der anonymen Dorfbewohner, die handwerklich und künstlerisch begabt waren, der ausgestellten Autorenkunst des Westens gegenüberzustellen. Er vertrat die Ansicht, dass die einfache Kunst des Volkes im höheren Sinne identitätsstiftend sei als die hohe Kunst der individuellen, gelernten Künstler. Das war sein Ansatz, als er seine ersten Sammlungen anlegte, und danach richten wir uns auch heute in unserem Museum. Unsere Kollektionen bestehen aus ‚schönen‘ Gegenständen, wie zu sagen pflegte, die nicht unbedingt durch ihre Qualität als Exponate repräsentativ sind.“




    Zum Schluss wollten wir von Museumsdirektor Virgil Nițulescu erfahren, wie es weiter geht mit der Ausstellung:



    Alexandru Tzigara-Samurcaș war vom Typus her nahezu ein Renaissance-Mensch — er war vielfältig gebildet und interessierte sich für alles in seiner Umgebung. Nach der Machtergreifung der Kommunisten durch den Staatsstreich vom 30. Dezember 1947 wurde er mit Vorsatz der Vergessenheit preisgegeben. Daher haben wir beschlossen, die temporäre Ausstellung über ihn so lange offen zu halten, bis die neue ständige Ausstellung fertig ist. Es fällt uns schwer, uns von dieser erfolgreichen Ausstellung zu trennen, denn wir haben beobachtet, dass seine Persönlichkeit immer öfter in der Öffentlichkeit erwähnt wird. Folglich wollen wir einen Teil der Exponate über Alexandru Tzigara-Samurcaș oder Gegenstände aus seiner Sammlung auch in die ständige Ausstellung aufnehmen, die hoffentlich so bald wie möglich in diesem Jahr wiedereröffnet wird.“

  • Google Cultural Institute: Kulturelle Einrichtungen und Artefakte online

    Google Cultural Institute: Kulturelle Einrichtungen und Artefakte online

    Seit einigen Wochen ist Rumänien Mitglied des Google Cultural Institute, das Kunstwerke und Sehenswürdigkeiten aus aller Welt im Internet präsentiert. Im Google Cultural Institute finden die Interessenten Kunstwerke, Sehenswürdigkeiten und Welterbestätten sowie digitale Ausstellungen, die Geschichten hinter den Archiven von Kultureinrichtungen auf der ganzen Welt erzählen.



    Das
    Google Cultural Institute
    ist ein virtuelles Museum, das sich vorgenommen hat, den Internetnutzern Millionen Artefakte vor die Augen zu bringen. Google hat sich mit Hunderten von Museen, Kultureinrichtungen und Archiven zusammengeschlossen, um die Kulturschätze der Welt online zu präsentieren. Ein Team engagierter Google-Mitarbeiter entwickelt Tools, die dem Kultursektor ermöglichen, mehr von seinem vielfältigen Erbe online zu präsentieren und für alle zugänglich zu machen.



    Ende November hat sich auch Rumänien dem Google Cultural Institute angeschlossen. Das Nationale Bauernmuseum in Bukarest, der Nationale Museenkomplex Astra“ und das Nationale Brukenthal-Museum in Sibiu/Hermannstadt, der Rumänische Architektenverband, die Stiftung Pro Patrimonium“, der Verband Folklore ohne Grenzen“ präsentieren nun ihre Sammlungen online im Rahmen des Google Cultural Institute und bieten den kulturinteressierten Internetnutzern Zugang zu Meisterwerken des rumänischen Kulturerbes.



    Bei der Lancierung des Google-Projekts in Rumänien erklärte der Generaldirektor des Bukarester Bauernmuseums, Virgil Ştefan Niţulescu, warum er sich diesem Projekt angeschlossen hat:



    Als unser Museum eingeladen wurde, sich an diesem Projekt zu beteiligen, antwortete ich sofort mit ‚ja‘, fast ohne darüber nachzudenken. Und das nicht nur, weil ich Vertrauen zu Google habe und ihn als Suchmotor jeden Tag im Internet benutze, sondern auch weil ich davon überzeugt bin, dass wir alle, Einrichtungen, Behörden, Unternehmen, Gesellschaften, zur Verwirklichung eines ansonsten unerreichbaren Traumes beitragen können. Zusammen können wir ein virtuelles Museum zusammenstellen, wie ein Mosaik aus unzähligen einzelnen Steinchen. Das ist auch unser Endziel: unser Kulturerbe dem Publikum zugänglich zu machen. Gleichzeitig gewinnen wir auch neue Besucher für unsere Museen: Wer die Exponate erst im Internet kennenlernt, wird mit Sicherheit neugierig, sie auch in natura zu besichtigen. Als die ersten virtuellen Museen im Internet erschienen waren, hatten die Museumskuratoren gewisse Befürchtungen, dass sie keine Besucher mehr in den Museen haben werden. Die Menschen wollen aber unmittelbare Kunsterfahrungen erleben, und echte Kunsterlebnisse hat man nur vor den konkreten Ausstellungsstücken.“




    Dan Bulucea, Country Manager bei Google Rumänien, sagte, man habe alle rumänische Einrichtungen eingeladen, sich dem Google Cultural Institute anzuschlie‎ßen. Nicht alle haben aber positiv reagiert; manche Kultureinrichtungen sind immer noch zurückhaltend. Dan Bulucea mit Erläuterungen über das Google Cultural Institute:



    Das Google Cultural Institute ist eine Online-Plattform, die das Kulturgut der Menschheit im Internet allen Nutzern leichter zugänglich macht. Im Google Cultural Institute finden die Interessenten Kunstwerke (Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Fotografien), Sehenswürdigkeiten und Welterbestätten sowie digitale Ausstellungen, die Geschichten hinter den Archiven von Kultureinrichtungen auf der ganzen Welt erzählen. Das ist ein weltweites Phänomen, wir haben bereits 600 Partner aus 60 Ländern, und ab heute haben wir auch 7 rumänische Partner, die Kulturschätze aus Rumänien der ganzen Welt präsentieren. Wir freuen uns sehr über dieses Projekt, das wir als guten Anfang betrachten. Wir stellen nur die die Technik zu Verfügung. Wir besitzen nicht die notwendigen Kenntnisse, um ein Museum so zu präsentieren, wie eine solche Einrichtung es verdient, aber mit unserer Technik haben die Besucher der virtuellen Museen nicht nur die Möglichkeit der Besichtigung, sondern auch die Möglichkeit einer Interaktion mit den Exponaten. Mehr noch: Die virtuellen Museen sorgen für den Schutz der Ausstellungsstücke, die auf diese Weise keinen Risiken ausgesetzt werden.“




    Simon Rein, Programm-Manager bei Google Cultural Institute, sagte uns, wie Google Cultural Institute entstanden ist und wie es sich weiterentwickelt hat:



    Die Idee des Google Cultural Institute ist, zum Beispiel, dass wir in Bukarest Kunstwerke aus den Museen in Tokyo besichtigen können, und umgekehrt, dass die Leute in Tokyo rumänische Kunstwerke kennenlernen können. Google Cultural Institute hat sich vorgenommen, das Kulturerbe und die Kulturschätze der Welt allen Internetnutzern zugänglich zu machen. Wir entwickeln moderne technische Lösungen, damit die Kultureinrichtungen ihre wertvollen Exponate online ausstellen können. Das Google Cultural Institute hat drei Projekte, die parallel laufen. Google Art Project ist eine Zusammenarbeit mit den Museen der Welt, das Archive Projekt ist eine Partnerschaft mit Archiven und Stiftungen und das World Wonders Projekt bringt moderne und antike Welterbestätten online mit Street View, 3D-Modellierung und anderen Google-Technologien. Februar 2011 lancierten wir das Google Art Project; damals hatten wir 17 Partner. Einen Monat später schloss sich das Nelson-Mandela-Archiv an, und damit starteten wir unser Archive Project. Im November 2012 beteiligte sich auch der erste rumänische Partner an unserem Projekt: es war das rumänische öffentlich-rechtliche Fernsehen. Im Juni 2013 stellten wir unsere einzelnen Projekte in eine neue Online-Plattform für Archive und Kunst zusammen: das Google Culture Institute. Heute starten wir ein neues Projekt in Rumänien, mit 7 Museen und Archiven, die ihre wichtigsten Exponate, etwa 800 Fotos in hoher Auflösung, im Internet ausstellen. Es wurden 7 virtuelle Ausstellungen geschaffen, und wir bieten virtuelle 3-D-Rundgänge durch drei rumänische Museen.“




    Im Google Culture Institute können die Internetnutzer Exponate aus dem Brukenthal-Museum in Sibiu/Hermannstadt besichtigen, wie zum Beispiel den Mann mit blauer Mütze“ von Jan van Eyck, einmalige Volkskunstgegenstände von den Sammlungen des Bukarester Bauernmuseums, komplette Bauernhöfe vom Museum der Traditionellen Volkskultur Astra“ in Sibiu und interessante Elemente des au‎ßereuropäischen ethnographischen Raumes vom Museum für Welt-Ethnographie Franz Binder“ in Sibiu. Zu besichtigen im Google Culture Institute sind auch die au‎ßergewöhnliche Strohgeige, die im Landkreis Bihor gespielt wird, die Wassertalbahn, eine schmalspurige Waldbahn in Vişeu de Sus (Oberwischau), Kreis Maramureş, die Villa Golescu in Câmpulung, Kreis Argeş, oder die Kreationen des Architekten Ion Mincu, vor allem das Haus Mincu, der Sitz des rumänischen Architektenverbandes. Drei Kultureinrichtungen in Sibiu/Hermannstadt können direkt von der Plattform Google Culture Institute durch Street View besichtigt werden: das Brukenthal-Palais, das historische Museum Altemberger Haus“ und das Naturgeschichtsmuseum.