Tag: Siebenbürgen

  • Petru Groza und die Machtübernahme durch die Kommunisten

    Petru Groza und die Machtübernahme durch die Kommunisten

    Unter der Führung seiner Regierung erfolgte die Abdankung des Königs Michael I. und die Umwandlung des Königreichs Rumänien in die Rumänische Volksrepublik. Damit öffnete Petru Groza den Weg für Jahrzehnte des Kommunismus in Rumänien, aber er ermöglichte auch die Zurückgewinnung der Gebiete im Nordsiebenbürgen. Ab 1952 war Petru Groza Präsident der Gro‎ßen Nationalversammlung der Rumänischen Volksrepublik — eine Funktion, die der des Staatsoberhauptes entsprach.



    Petru Groza war eine der komplexesten Persönlichkeiten der rumänischen Geschichte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der am 7. Dezember 1884 in der Ortschaft Băcia, Kreis Hunedoara, geborene Petru Groza studierte Rechtswissenschaften und Volkswirtschaft an den Universitäten Budapest und Leipzig. Bei letzterer promovierte er 1907. Er war Rechtsanwalt und war auch politisch aktiv als Mitglied der Rumänischen Nationalpartei, die sich für die Rechte der Rumänen in Österreich-Ungarn einsetzte. Nach 1918 war Petru Groza Mitglied der Volkspartei und 1933 gründete er die Front der Pflüger, eine politische Organisation der Bauern in Rumänien. In den 1930er Jahren wurde er Antifaschist und arbeitete mit der Sozialistischen Partei und der Ungarischen Partei zusammen. In der gleichen Zeit kam er den Kommunisten näher, und das war ein entscheidender Schritt für seine zukünftige Karriere.



    Am 6. März 1945 zwangen die Sowjets König Michael I. von Rumänien zur Bildung einer Regierung unter der Führung von Petru Groza. Es war die Regierung, die die rumänische Demokratie zerstörte. Die Wirtschaft wurde verstaatlicht, die politischen Parteien wurden abgeschafft (mit Ausnahme der Kommunistischen Partei, die die Macht übernahm), die Monarchie wurde aufgelöst und viele ehemalige Politiker, Intellektuelle und einfache Menschen wurden wegen erfundener Verbrechen zum Gefängnis verurteilt. So war Petru Groza ein wesentlicher Akteur bei der Errichtung und dem Fortbestand des kommunistischen Regimes in Rumänien.



    Nach der Wende 1989 versuchten die Historiker, ein wahrheitsgetreues Profil von Petru Groza zu präsentieren. Das Zentrum für mündlich überlieferte Geschichte des Rumänischen Rundfunks hat mit seinen Quellen zum Skizzieren dieses Profils beigetragen. Petru Grozas Tochter, Maria Groza, war seine Sekretärin und Vertraute. 1995 sprach Maria Groza in einem Interview mit dem Zentrum für mündlich überlieferte Geschichte des Rumänischen Rundfunks über die Bemühungen ihres Vaters, an der Macht zu bleiben:



    Es gab viele widersprüchliche Tendenzen, die sich in dieser Zeit manifestierten, und dann wurde die Frage der Agrarreform aufgeworfen, die Petru Groza sehr beunruhigte. Dann gab es die Probleme mit Siebenbürgen und den Ereignissen in Cluj (Klausenburg). Die Agrarreform machte ihm gro‎ße Sorgen, denn er war nicht für die Kollektivierung, in der Perspektive der Jahre wurde ihm klar, was der Landbesitz für die rumänischen Bauern bedeutete. Aber es gab bestimmte Umstände, die bestimmte Situationen aufzwangen. Dann war er sehr besorgt über die Beziehungen zu den Nachbarländern Rumäniens, denn er sagte immer: ‚Wir könnten mit diesem oder jenem Land befreundet sein, aber wir müssen gute Beziehungen zu unseren Nachbarn pflegen.‘ Daher unternahm er Arbeitsbesuche in alle Nachbarländer, einschlie‎ßlich in die Sowjetunion. Ich war auch mit ihm in Moskau, aber Stalin sah ich nicht, ich traf nur Dimitrow. Wir waren in Moskau und eines Abends gingen wir in die Oper. Mein Vater liebte die Oper und im Bolschoi Theater gab es au‎ßergewöhnliche Aufführungen. Am ersten Abend im Bolschoi Theater war ich in der Loge und es kam ein Mitarbeiter von Stalin zu uns, um meinen Vater zu Stalin zu führen. Er ging in Stalins Loge und sie hatten ein langes Gespräch, sie diskutierten sehr intensiv über die Perspektiven Rumäniens.“




    Der Diplomat Pamfil Ripoşanu war Mitglied der Nationalen Bauernpartei, unter der Führung von Iuliu Maniu. Die Bauernpartei war eine der demokratischen Parteien, die unter der kommunistischen Repression in Rumänien am meisten gelitten hat. Pamfil Ripoşanu war ein Jugendfreund von Petru Groza, aber sie hatten unterschiedliche politische Ansichten. 1995 erzählte Pamfil Ripoşanu in einem Interview mit dem Zentrum für mündlich überlieferte Geschichte, wie sein Freund Petru Groza im März 1945 an die Macht kam:



    Während es sehr fortgeschrittene Diskussionen über die Bildung einer Koalitionsregierung gab, war ich eines Tages im März 1945 im Regierungsgebäude. Petru Groza sagte mir, ich sollte aus dem Fenster schauen — die russischen Panzer fuhren auf der Calea Victoriei (Siegesstra‎ße). Da fragte er mich: ‚Was nun?‘ Kurz darauf wurde der sowjetische Au‎ßenminister Andrej Wyschinski angekündigt. Wyschinski kam zu uns in Begleitung eines sowjetischen Generals, der gut Rumänisch sprach und als Dolmetscher fungierte. Wyschinski sagte zu Groza: ‚Ich bringe Ihnen die Botschaft des gro‎ßen Stalin, der Sie bittet, die Regierung zu bilden. Wenn Sie die Regierung bilden, wird das gesamte Siebenbürgen zu Rumänien gehören.‘ Die vom rumänischen Au‎ßenminister Vişoianu unterzeichnete Moskauer Konvention besagte: ‚Das gesamte Siebenbürgen oder der grö‎ßte Teil Siebenbürgens wird Rumänien gehören.‘ Und nun sagte Wyschinski: ‚das gesamte Siebenbürgen‘. Darauf antwortete Groza: ‚Aber was sagt Chef Stalin dazu?‘ Von der Regierung rief man Stalin an, und Stalin gab diese Botschaft weiter: ‚Sag Petru Groza Folgendes: Wenn er in 48 Stunden die Regierung bildet, wird ganz Siebenbürgen Rumänien gehören.‘ Petru Groza war sehr, sehr rot im Gesicht und sehr aufgeregt.“




    In jenen angespannten Momenten waren die getroffenen Beschlüsse entscheidend für die Zukunft Rumäniens. Zeitzeuge Pamfil Ripoşanu:



    Damals erlebte Rumänien die Tragödie der Teilung Siebenbürgens durch den Ribbentrop-Molotow-Pakt. Die Hälfte Siebenbürgens war an Ungarn abgetreten worden. Groza sagte zu mir: ‚Ich gehe zum Königspalast und sage seiner Majestät, dass ich das Angebot Stalins akzeptiere. Geh zu Herrn Maniu (Iuliu Maniu war der Vorsitzende der Nationalen Bauernpartei) und sag ihm, was hier passiert ist.‘ Wir waren uns einig, dass wir vom Königspalast aus zu Iuliu Maniu gehen sollten, der in der Nähe, gegenüber vom Park Cişmigiu wohnte. Ich erzählte Maniu über das Gespräch mit Wyschinski, und er wurde sehr beunruhigt. Innerhalb von zwei Stunden kam auch Petru Groza, er war sehr aufgeregt und sehr rot im Gesicht. Und dann fand dieses Gespräch zwischen Iuliu Maniu und Petru Groza statt: ‚Herr Vorsitzender, lassen Sie mich nicht allein, kommen Sie mit mir‘, sagte Groza. Und Maniu antwortete: ‚Herr Groza, ich beteilige mich nicht an dieser Regierung. Und ich rate Ihnen auch davon ab. Es ist zu schade um Ihren guten Namen. Ich wei‎ß nicht, wo Ihre Ehegattin, Frau Groza, ist. Ich würde Frau Groza auch bitten, Ihnen von der Beteiligung an dieser Regierung abzuraten. Zu schade um Ihren guten Namen!‘ Petru Groza wurde wütend und fing an, mit der Faust auf Manius Schreibtisch zu schlagen: ‚Herr Parteipräsident, wenn ich meinem Land fünf Minuten lang helfen kann, werde ich meinen Namen zum Teufel schicken! Meine Kinder können ihren Namen ändern!‘ Und so kam die Regierung Petru Groza zustande.“




    1958 starb Petru Groza im Alter von 73 Jahren. Aber das kommunistische Regime, das er installiert und konsolidiert hatte, blieb weitere 31 Jahre an der Macht.

  • Touristin aus Schottland von rumänischer Gastfreundschaft beeindruckt

    Touristin aus Schottland von rumänischer Gastfreundschaft beeindruckt

    Emma Cairns lebt nicht in Rumänien, sie ist eine schottische Touristin, die Rumänien gerade entdeckte. In ihrer Heimatstadt Aberdeen arbeitet Emma als Sozialassistentin mit Menschen mit psychischen Störungen. Die Reise nach Rumänien hat sie alleine, ohne Hilfe eines Reisebüros organisiert. Rumänien kannte sie vorher kaum, nach zehn Tagen durch das Land zeigt sie sich ganz begeistert von dem, was sie gesehen hat:



    Ich hatte etwas über das kommunistische Regime in Rumänien und über die Legende von Vlad Vlad Ţepeş, bekannt als Dracula, gelesen. Das Ganze war sehr attraktiv für mich, kann aber nicht sagen, dass ich etwas über dieses Land wusste. Ich wollte das Land eher durch meine Augen entdecken, wenige britische Touristen tun das eigentlich. Ich wollte mehr über die rumänische Kultur lernen und mir die Geschichte Rumäniens von Rumänen erzählen lassen .“




    Emma stellte ganz überrascht fest, dass das rumänische Volk gegenüber Ausländern sehr offen ist. Welche sind ihre Eindrücke nach zehn Tagen hier?:



    Die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit. Ich wusste nicht, was ich erwarten soll, denn ich kannte kaum Briten, die als Touristen durch dieses Land unterwegs waren. Ich bin zahlreichen Menschen begegnet, die mir gegenüber sehr freundlich waren und mich fragten, woher ich komme, mir Sehenswürdigkeiten und kulinarische Spezialitäten des Landes empfahlen. Ich habe atemberaubende Landschaften um Braşov (Kronstadt) und Timişoara (Temeswar) gesehen, coole Orte in Bukarest besucht. Die rumänischen Gro‎ßstädte sind so lebendig, die Kulturszene hat so viel zu bieten, die Orte haben eine beeindruckende Geschichte und eine einzigartige Persönlichkeit. Viele Orte erzählen ihre eigene Geschichte und in Bukarest gibt es so viele Orte, die an den blutigen antikommunistischen Aufstand von 1989 erinnern. Rumänien hat alles, einschlie‎ßlich Dorftourismus, was ich sehr schätze, weil es heute nicht oft vorkommt.“




    Weil sie Urlaub günstig machen und Land und Leute kennenlernen wollte, hat sich Emma dem Reisetrend Couchsurfing angeschlossen, was sie allerdings auch als gute Erfahrung bezeichnet. Was würde Emma nach Hause mitnehmen?



    Etwas, was es in Gro‎ßbritannien nicht gibt. Die Verbindung mit den Menschen, die ich hier kennengelernt habe. In Braşov habe ich einen Rumänen kennengelernt, der in Frankreich lebt und mir dasselbe sagte: Dort kann man jemanden auf der Stra‎ße nicht einfach so ansprechen, um etwas zu fragen. Die Rumänen sind anders, man kann sie ruhig ansprechen, man kann mit ihnen in Verbindung bleiben. Die Rumänen kommen zudem sehr oft zusammen, sie sind immer bereit, Zeit zusammen zu verbringen, das möchte ich nach Hause mitnehmen und ich möchte auch in Schottland so leben.“




    Die Reise war jedoch nicht perfekt, was ihr an diesen zehn Tagen fehlte, erläutert unsere Gesprächspartnerin in den folgenden Minuten:



    Die öffentlichen Transportmittel würde ich hier verbessern, es gibt keine richtige Verbindungen durch die ganze Stadt und von Braşov kann man die Dörfer um die Stadt herum nur schwer erreichen. Schade, denn das Gebiet ist zweifelsohne einen Besuch wert und könnte so viele Touristen nach Rumänien locken, aber es ist leider nur mit dem eigenen Wagen erreichbar.“




    Die Reise Emmas nach Rumänien war sehr schön, sagt unsere Gesprächspartnerin, weil sie spontan organisiert wurde. Was hat ihr am meisten gefallen?



    Natürlich die Menschen und ihre Gastfreundschaft, ihr Zugehörigkeitsgefühl zur Gemeinschaft. Insbesondere in den touristischen Gebieten Siebenbürgens sind die Menschen sehr offen gegenüber Ausländern. Ich habe bei meinen Gastgebern übernachtet und alles hat sehr gut geklappt. Die einzige schlechte Erfahrung war der Transport. Besonders gerne erinnere ich mich an Braşov, wo ich aufs Land gefahren bin. Viele haben mir von ihrem Leben, ihren Familien und von der kommunistischen Erfahrung erzählt. Vor meiner Reise kannte ich das Land nur von den Erfahrungen anderer Menschen, jetzt kann ich sagen, dass ich Rumänien wirklich erlebt habe. Ich wei‎ß natürlich nicht alles, aber jetzt verstehe ich viel besser das Land, das Volk, seine Lebenserfahrungen, seine Geschichte. In Siebenbürgen gibt es so viele Orte, die ich gerne noch mal sehen möchte.“

  • Der Krieg nach dem Krieg 1919: wie die rumänische Armee die Räterepublik Béla Kuns stürzte

    Der Krieg nach dem Krieg 1919: wie die rumänische Armee die Räterepublik Béla Kuns stürzte

    Der Erste Weltkrieg endete nach vier Jahren blutiger Konflikte und Tragödien nicht plötzlich. Er hinterlie‎ß bei jedem Individuum, jeder ethnischen Gemeinschaft, politischen Gruppierung und jeder Nation ein schweres Trauma. Die Sieger konfrontierten sich mit den Folgen des Krieges und versuchten Lösungen zu finden, um die soziale und wirtschaftliche Situation auszugleichen, während die Besiegten mit der demütigenden Situation, in die sie gebracht worden waren, zu leben hatten.



    Der Krieg setzte sich 1919 fort, aber diesmal nicht zwischen den gro‎ßen kriegerischen Blöcken, sondern in Form kleinerer Schlachten und Gefechten in Mittel- und Osteuropa. Die Auflösung des Österreichisch-Ungarischen Reiches erfolgte mit Gewalt, die erst im Sommer 1920 mit der Unterzeichnung des Vertrages von Trianon nachlie‎ß. Nachdem das bolschewistische Regime unter der Führung von Béla Kun 1919 in Ungarn nach dem Vorbild Lenins und der Sowjetunion an die Macht kam, wurde dieses Land zur Hauptquelle der Instabilität und zum Haupthindernis für den Frieden. Als Hauptgegner, die es zu bekämpfen galt, sahen die ungarischen Kommunisten die Rumänen und die Tschechoslowaken. Der Historiker Şerban Pavelescu skizziert die feindselige Nachbarschaft, mit der sich Rumänien 1919 konfrontierte:



    Man kann durchaus sagen, dass der Waffenstillstand vom 11. November 1918 einen wahren Krieg nach dem Krieg als Folge hatte. Im Grunde genommen sah sich der rumänische Staat genötigt, mit seinen Streitkräften die Rumänen in den historischen Provinzen zu verteidigen, die im März, November und Dezember 1918 ihren Wunsch nach einem Beitritt zu Rumänien erklärt hatten. Das Land war von feindlichen Kräften umgeben, die sich gegen die Vereinigung der Gebiete und die Existenz des rumänischen Staates wehrten. Im Osten hatte das sowjetische Russland seine Truppen in der Ukraine verlegt, im Norden und Nordosten konfrontierte sich das Land mit territorialen Ansprüchen seitens der Ukraine, die von allen Seiten des politischen Spektrums, von nationalistisch bis bolschewistisch, erhoben wurden. Im Westen befand sich Ungarn, zunächst vertreten durch das Regime nach der Auflösung des österreichisch-ungarischen Reiches, mit dem die Rumänen die Trennung Siebenbürgens von Ungarn durch ein Referendum ausgehandelt hatten. Im Südwesten stand Rumänien Serbien gegenüber, das seine eigenen territorialen Ansprüche hatte, basierend auf den Versprechungen der Alliierten während des Krieges. Im Süden stie‎ß Rumänien auf Widerstand aus Bulgarien, das sich zögerte, die Dobrudscha militärisch zu räumen und die Bestimmungen des Waffenstillstands einzuhalten.“




    Der von der ungarischen Roten Armee begonnene Krieg zwischen Rumänien und Ungarn hatte zwei Phasen. Die erste Phase war von April bis Mai 1919, als die Ungarn rumänische Truppen in Siebenbürgen angriffen, dann folgte die zweite um die Hälfte des Monats Mai 1919, als die Ungarn ein zweites Mal angriffen, nachdem sie zurückgeschoben worden waren. Şerban Pavelescu wies uns jedoch auf einen weiteren Krieg im diplomatischen Bereich hin:



    Wir sprechen praktisch von zwei Kriegen. Einer wurde auf der Friedenskonferenz ausgetragen, der andere entfaltete sich auf dem Schlachtfeld. Es war ein sehr seltsamer Krieg, bei dem zwischen zwei oder drei Verhandlungsrunden, zwischen den von den Gro‎ßmächten auferlegten Waffenruhen, militärische Operationen durchgeführt wurden. So wurden beispielsweise die militärischen Operationen am 1. Mai 1919 auf Wunsch der Gro‎ßmächte eingestellt. Dies ermöglichte es den Truppen von Béla Kun, sich zu reorganisieren und am 20. Mai 1919 einen verheerenden Angriff nicht gegen die Rumänen, sondern gegen die Tschechoslowaken zu starten. Der Angriff auf die Rumänen scheiterte, er wurde schnell abgewehrt. In weniger als zwei Wochen besetzten ungarische Truppen aber die gesamte Slowakei. Was die Front an der Thei‎ß betrifft, so gingen die Rumänen nach zwei- bis dreitägiger Verteidigung in die Gegenoffensive, und als sie über den Fluss kamen, wurden die ungarischen Truppen vertrieben und die Rumänen besetzten Budapest.“



    Die zweite Phase des rumänisch-ungarischen Krieges endete im August 1919. Die ungarische Hauptstadt wurde besetzt, und die Räterepublik nach sowjetischem Vorbild wurde abgeschafft.



    Die Besetzung von Budapest war ein Problem, denn obwohl Rumänien angegriffen worden war und die rumänischen Streitkräfte nun gegen einen Feind drängten, der seinerseits zwei zweimal angegriffen hatte, wurde Rumänien aufgefordert, den Angriff einzustellen. Es herrschte enormer Druck, und nur auf Initiative rumänischer Kommandeure mit Autorität auf diesem Gebiet wurde Budapest, der sensibelste politische und militärische Punkt Ungarns, besetzt und die Räterepublik aufgelöst. Die Budapester Bevölkerung empfing die rumänischen Truppen allerdings mit Dankbarkeit, auch wenn heute manche etwas anderes behaupten. Darüber hinaus hatte Rumänien zusätzliche Ziele. Auf der einen Seite mussten die rumänischen Streitkräfte den militärischen Gegner au‎ßer Gefecht setzen, um weitere Angriffe zu vereiteln. Andererseits gewann Rumänien dadurch eine bessere Position auf der Friedenskonferenz. Die rumänischen Truppen verlie‎ßen Ungarn erst nach dem Vertrag von Trianon vom Juni 1920. In Anbetracht der Schwierigkeiten, denen die rumänische Delegation auf der Friedenskonferenz ausgesetzt war, halte ich es für einen klugen Schritt.“




    Vor 100 Jahren ergriff Rumänien militärische Ma‎ßnahmen in Mitteleuropa, um seine staatliche Stabilität zu sichern, im Einklang mit dem Willen der Menschen, die für die Vereinigung gestimmt hatten. Die rumänische Militärintervention gegen das bolschewistische Regime in Ungarn brachte schlie‎ßlich den dringend benötigten Frieden mit sich.

  • Hörerpostsendung 14.7.2019

    Hörerpostsendung 14.7.2019

    Liebe Freunde, herzlich willkommen zur letzten Hörerpostsendung vor der Sommerpause!



    Viele unserer Hörer sind offensichtlich im Urlaub, denn es erreichen uns Postkarten aus dem jeweiligen Urlaubsort. So etwa erhielten wir von Michael Lindner (der in Thüringen zu Hause ist) eine Postkarte aus Prag mit folgenden Worten:



    Bestimmt schon das 10. Mal hier, trotzdem immer wieder ein Erlebnis besonderer Art. Diese Stadt verdient den Namen Goldenes Prag“!



    Vielen Dank für die Postkarte mit der schönen Prager Burg und genie‎ßen Sie Ihren Urlaub, lieber Herr Lindner!



    Und auch von Carsten Fenske erhielten wir eine schöne Postkarte von der Ostsee im nördlichen Polen:



    Liebe Freunde von RRI,



    herzliche Urlaubsgrü‎ße aus dem sonnigen Łeba an der polnischen Ostseeküste!



    Bei hitzigen 32 Grad Celsius und Motorrad-Schutzbekleidung führte mich der Weg knapp 400 km von Greifswald hierher. Bei kühlem polnischem Bier höre ich Sie täglich um 18 Uhr UTC auf Kurzwelle. Der Empfang ist sehr gut.



    Durch Sie habe ich erfahren, dass man sich in der Republik Moldau parlamentarisch geeinigt hat. Eine gute Nachricht, wie ich finde.



    Mir und dem Motorrad geht es gut und ich verfolge weiterhin täglich Ihr Programm.



    Mit herzlichen Grü‎ßen


    Ihr Hörer Carsten Fenske



    Vielen Dank für die Post, lieber Herr Fenske; dass Sie uns auch im Urlaub einschalten, wissen wir zu schätzen. Wir wünschen Ihnen noch schöne Urlaubsage!



    Paul Gager aus Wien schickte uns in einem dicken Umschlag gleich mehrere Postkarten und Prospekte von seiner Bahnreise, die ihn unlängst nach Frankfurt am Main, Elsass-Lothringen, Dresden, Fürth und Nürnberg führte. Vielen Dank dafür und herzliche Grü‎ße!



    Von Ulrich Wicke (aus Felsberg, Hessen) erhielten wir vor wenigen Tagen per Post einen kurzen Kommentar zum aktuellen Postengeschacher an der Spitze der EU:



    Die EU-Präsidentschaft Rumäniens gehört der Vergangenheit an. Ab heute muss sich Finnland mit dieser undankbaren Aufgabe herumschlagen. Das derzeitige Gezerre um die Besetzung von Führungspositionen in der EU ist einfach nur beschämend und wird dem Vertrauen in die EU-Institutionen weiteren Schaden zufügen.



    Vielen Dank für Ihre Meinung und herzliche Grü‎ße nach Hessen!



    Die Nachricht, dass es auch dieses Jahr eine QSL-Serie aus dem Hause RRI gibt, hat viele Herzen höher schlagen lassen. So etwa schrieb uns Martina Pohl (aus Überlingen am Bodensee)



    Liebe Redaktion in Bukarest,



    dies war eine erfreuliche Nachricht, als im Funkbriefkasten zu hören war, dass in diesem Jahr doch noch QSL-Karten versendet werden. Ich habe mir sogleich die tolle QSL-Kartenserie im Internet angesehen.


    Ebenfalls im Internet gibt es einen ausführlichen Bericht und Fotos von der Sammlung der Volkstrachten von Marius Matei.

    (
    https://prinbanat.ro/de/die-ethnografische-sammlung-marius-matei/).



    Vielen Dank für den Link, liebe Frau Pohl. Auch wenn der Text im verlinkten Artikel nicht in einwandfreiem Deutsch ist, werde ich den Link in unserem QSL-Artikel einbauen, denn auf der von Ihnen entdeckten Webseite erfährt man interessante Sachen über die Entstehung der Kollektion und über die ausgestellten Exponate.



    Andere Hörer haben QSL-Karten bereits erhalten, was hei‎ßt, dass unsere Postfee in den letzten zwei Wochen recht zügig war. So etwa meldete sich Paul Gager (aus Wien) im Online-Feedback-Formular:



    Werte Redaktion!



    Herzlichen Dank für die schönen 5 QSL-Karten für meine Empfangsberichte vom Jänner-Feber-März-April-Mai 2019, die in meinem Briefkasten waren und über die ich mich sehr gefreut habe!



    Vielleicht hatte Georg Daniel Teutsch(1817-1893),Bischof von Siebenbürgen, dessen Gedenktag wir am Dienstag, den 2. Juli, laut Kalendarium der Wiener Zeitung feiern, mit seine Finger im Spiel? Dass das alles jetzt so schnell klappt. Wie auch immer. Herzlichen Dank nochmal und sonnige Grü‎ße!



    Paul Gager



    Und auch Wolfgang Waldl (ebenfalls aus Wien) bestätigte uns per Postbrief den Erhalt einiger QSL-Karten und gab uns auch Feedback zum Programm:



    Sehr geehrte Redaktion, lieber Herr Sorin,



    mit gro‎ßer Freude habe ich heute die wunderschönen QSL-Karten mit Frauenkleidern zu festlichen Anlässen aus der Sammlung Matei erhalten. Vielen herzlichen Dank!



    Auch die Briefmarken am Umschlag sind sehr schön. Ich vermute, dass es sich um zwei Schauspieler handelt: Sofia Ionescu-Ogrezeanu und Ion Cantacuzino. Vielleicht können Sie in einer der nächsten Sendungen Näheres über die beiden berichten.



    Nach wie vor kann ich Ihre Sendungen morgens, nachmittags und abends sehr gut empfangen. Der Beitrag über Vladimir Cosma hat mir sehr gefallen, da ich Le Bal“ noch gut in Erinnerung habe. Auch die Pfannkuchenrezepte waren interessant. Der rumänische Pavillon auf der Weltausstellung in Paris 1900 muss spektakulär gewesen sein.



    Vielen Dank für das Feedback, lieber Herr Waldl. Die Briefmarken auf dem Umschlag kenne ich zwar nicht, die beiden abgebildeten Persönlichkeiten sind allerdings keine Schauspieler, sondern Mediziner. Sofia Ionescu-Ogrezeanu (1920–2008) war eine rumänische Neurochirurgin und die erste Frau in Südosteuropa, die diesen Beruf ausübte. Ion Cantacuzino (1863–1934) war Arzt und Mikrobiologe sowie Begründer der experimentellen Immunologie und Pathologie in Rumänien.



    Wir bleiben in Wien, denn auch Gerald Kallinger, der ebenfalls in der österreichischen Hauptstadt zu Hause ist, freute sich über die QSL-Karten und hinterlie‎ß uns eine Botschaft im Internetformular:



    Es freut mich, dass es wieder QSL-Karten gibt. Damit wird von Euch bestätigt, dass die abgefassten Empfangsberichte auch ernst genommen werden. Der Empfang war wie so oft ganz ausgezeichnet und fast durchgehend exzellent! Nur ab und zu gab es leichtes Fading.



    Auch Ihnen vielen Dank für das Feedback und herzliche Grü‎ße nach Wien!



    Zurück zur E-Mail von Frau Martina Pohl aus Überlingen. Sie berichtete weiter über eine Sendereihe im deutschen Fernsehen, in der Siebenbürgen vorgestellt wurde:



    Diese Woche wurde im Fernsehen in der Sendereihe Wunderschön“ das geheimnisvolle Siebenbürgen vorgestellt. Das Dracula-Schloss in Bran durfte bei dieser Reise auch nicht fehlen. Dabei erzählte mir mein Mann, dass die Firma, in der er arbeitet, eine Niederlassung in Hermannstadt (Sibiu) hat. Dort werden derzeit Sensoren produziert, aber es soll künftig dort auch eine Entwicklung geben. Dafür wurden schon gro‎ße Flächen aufgekauft, damit dort in nächster Zukunft kräftig investiert werden kann. In Waldgebieten wurden Aufnahmen von Bären gezeigt. Heute dürfen diese Tiere auch nicht mehr privat gehalten werden. Als die Sprache darauf kam, unter welchen schlimmen Bedingungen die Bären ausharren mussten, habe ich erst einmal auf ein anderes Programm umgeschaltet. Dies möchte ich gar nicht hören.



    Dieselbe Sendung scheint auch Christoph Paustian (Häusern, Baden-Württemberg) gesehen zu haben, denn folgendes teilte er uns in einem Postbrief mit:



    Im WDR-Fernsehen gab es am 1.7.2019 eine Reportage über Siebenbürgen. Nicht nur das Schloss von Graf Dracula war zu sehen, sondern auch Hermannstadt, Schä‎ßburg, die berühmte Kirchenburg von Honigberg, aber auch das Dorf Viscri oder Deutsch-Wei‎ßkirch. Dort leben heute noch 420 Einwohner. In Sibiu wurde die berühmte Lügenbrücke gezeigt. Wie kam die Lügenbrücke zu ihrem Namen?



    … fragt uns zum Schluss Christoph Paustian.



    Ihnen beiden vielen Dank für den TV-Tipp, vielleicht werde ich eine Wiederholung sehen können. Die Lügenbrücke in Hermannstadt verbindet die sogenannte Obere Stadt mit der Unteren Stadt. Unweit davon befand sich auch der Stadtmarkt. Der Name dürfte von einer Verwechslung kommen, denn ursprünglich hie‎ß die Brücke Liegenbrücke“, womit die (1859 übrigens in Hessen hergestellte) gusseiserne Brücke bezeichnet wurde, die ohne Stützpfeiler auskommt. Offenbar klingen liegen“ und lügen“ im siebenbürgisch-sächsischen Dialekt sehr ähnlich, so dass aus der Liegenbrücke eine Lügenbrücke wurde, die von Legenden umwoben ist. Mehrere Sagen kursieren rund um die Lügenbrücke in Hermannstadt. Eine besagt, dass besonders junge Liebespaare auf der Brücke spazieren gingen, wobei sich Mädel und Burschen ewige Liebe und Treue schworen. Die Mädel sollen dabei ihre Jungfräulichkeit beteuert haben. Wenn man nach der Hochzeitsnacht feststellte, dass die Braut keine Jungfrau gewesen ist, zerrte man die Lügnerin“ auf die Brücke und warf sie hinunter. Klingt grausam und unzeitgemä‎ß, aber Legende ist eben Legende. Einer weiteren Legende zufolge soll die Brücke ein beliebter Treff für fesche Burschen von der örtlichen Militärakademie und junge Frauen aus Hermannstadt gewesen sein. Die jungen Soldaten versprachen den Mädchen das Blaue vom Himmel, verschwanden aber meistens nach Abschluss ihrer Ausbildung an der Akademie. Von daher Lügenbrücke“, denn dort verdrehten sie den Mädchen den Kopf. Und eine andere Sage bezieht sich auf den unweit gelegenen Markt am Kleinen Ring, der manchmal auch von unredlichen Händlern oder Gaunern bevölkert war. Stellte ein ehrbarer Bürger und Kunde fest, dass er schlechte Ware bekommen hatte oder hereingelegt worden war, so kam er am nächsten Tag voller Wut erneut auf den Marktplatz, schleifte den Betrüger auf die Brücke und schubste ihn zur Strafe für die Gaunerei hinunter.



    Die Zeit wäre schon fast um, da es aber die letzte Sendung vor der Sommerpause ist, werde ich heute etwas überziehen. Dieter Sommer (aus der Lutherstadt Eisleben) meldete sich per E-Mail:



    Hallo RRI,



    Heute möchte ich Ihnen wieder einen Empfangsbericht übermitteln mit der Bitte um eine QSL-Karte.



    Also Ihr Sender kommt hier immer mit super Empfangsstärke bei mir an. Auch die Programme sind immer umfangreich und informativ. Bitte machen Sie weiter so.



    Ich habe eine Frage, gibt es in Rumänien auch private Radiosender sowie TV-Stationen?



    Mit freundlichen Grü‎ßen


    Ihr Hörer Dieter Sommer



    Vielen Dank für das Feedback, lieber Herr Sommer. Ja, in Rumänien gibt es jede Menge privater Radio- und TV-Sender und das bereits seit den 1990er Jahren. Die ersten Sender wurden mit ausländischem Kapital gegründet, etwa aus den USA oder Frankreich, aber auch aus Deutschland. Später gründeten dann auch rumänische Tycoons ihre eigenen Medienimperien mit Zeitungen, Radio- und TV-Stationen, so dass heute alle möglichen Sparten bedient werden, einschlie‎ßlich Film- und Sportkanälen sowie Pay-TV. Problematisch wird es, wenn bestimmte Medienkonzerne eine gewisse politische Orientierung haben oder einem politischen Spektrum oder gar einem bestimmten Politiker nahe stehen. Dann muss man z.B. mehrere Nachrichtensender verfolgen, um nicht nur einen Teil des Geschehens serviert zu bekommen.



    Und schlie‎ßlich meldete sich auch Stefan Druschke (aus Kerpen, NRW) per E-Mail:



    Liebe Freunde vom deutschen Programm!



    Vielen lieben Dank für die Bestätigung meines letzten Empfangsberichts mit Ihrer schönen QSL-Karte. Ich habe mich wieder sehr darüber gefreut!



    Vor einigen Minuten habe ich wieder Ihre schöne Sendung verfolgen können und heute möchte ich mich dann auch wieder einmal schriftlich bei Ihnen melden.



    Die Sendungen von RRI höre ich nun schon ungefähr seit 40 Jahren, und sie gefallen mir immer noch sehr gut. Am meisten interessieren mich natürlich die Tagesnachrichten und auch Berichte über Kultur und Natur in Rumänien.



    Natürlich war früher einiges besser, was die Personalausstattung des Senders und auch die Gehälter und aktuelle QSL-Karten betrifft, aber damals waren die Zeiten ja auch ein wenig anders.



    Immerhin ist RRI ja noch dreimal täglich in deutscher Sprache auf Kurzwelle vertreten, zweimal sogar mit einer einstündigen Sendung. Viele andere Kurzwellenstationen haben ihr deutschsprachiges Programm ja inzwischen sogar ganz eingestellt. So hoffe ich denn, dass das deutschsprachige Programm aus Bukarest noch lange zu hören sein wird.



    Heute möchte ich Ihnen dann auch wieder einen Empfangsbericht über die heutige Sendung zukommen lassen, die ich vor einigen Minuten gehört habe. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir den Bericht wieder mit einer QSL-Karte bestätigen könnten, soweit vorhanden, und gern auch älter.



    Für heute möchte ich mich nun auch wieder verabschieden. Vielen Dank für die täglichen schönen Sendungen aus Bukarest und den guten Hörerservice!



    Mit freundlichen Grü‎ßen


    Stefan Druschke



    Vielen Dank für das Feedback und für die Hörertreue, lieber Herr Druschke, und selbstverständlich erhalten Sie eine QSL-Karte, sogar aus der neuen Serie, wie Sie schon erfahren haben.



    So, jetzt habe ich restlos überzogen — zum Schluss die Postliste. Herkömmliche Post erhielten wir von Michael Lindner, Eduard Alex, Ulrich Wicke, Christoph Paustian, Klaus Huber, Carsten Fenske (alle aus Deutschland) sowie von Wolfgang Waldl und Paul Gager (Österreich).



    E-Mails und Feedback im Online-Formular erhielten wir in den letzten zwei Wochen bis einschlie‎ßlich vergangenen Freitagnachmittag von Josef Robl, Paul Gager und Gerald Kallinger (Österreich), Dmitrij Kutusow (Russland) sowie von Carsten Fenske, Helmut Matt, Martina Pohl, Heinz Günter Hessenbruch, Bernd Seiser, Dieter Sommer, Wolfgang Langer, Gerd Brüschke und Stefan Druschke (Deutschland).



    Bis Mitte September werden wir Wiederholungen des Funkbriefkastens an dieser Stelle ausstrahlen. Ich mache allerdings erst ab Mitte oder Ende August Urlaub, bis dahin steht Unterschiedliches bei mir an, unter anderem eine Renovierung meiner Wohnung. Die Wände müssen neugestrichen werden, Steckdosen und Lichtschalter möchte ich auch auswechseln und der Balkon müsste auch entrümpelt und nach der stümperhaften Wärmedämmung begradigt werden. Ich bin also in den kommenden Wochen noch da, lese zumindest die E-Mails an die Redaktion und beantworte sie bei Bedarf auch au‎ßerhalb des Funkbriefkastens.



    Ich sage an dieser Stelle Danke für die Zuschriften und wünsche Ihnen einen wunderschönen Sommer und tollen Urlaub, wann immer das jeweils der Fall sein wird. Tschüs, machen Sie’s gut!




    Audiobeitrag hören:



  • Klausenburg – die weltoffene Stadt

    Klausenburg – die weltoffene Stadt

    Heute reisen wir in das Herz Siebenbürgens und machen einen Aufenthalt in Cluj (dt. Klausenburg). Internationale Medien beschrieben die Stadt als das Silicon Valley Rumäniens. Laut dem Statistikamt in Cluj hätten letztes Jahr 170.000 Touristen die Stadt besucht, um 35% mehr als 2016. Laut einer Pressemitteilung des Statistikamtes kamen die meisten Touristen aus Italien, Deutschland, Ungarn, Gro‎ßbritannien, Frankreich und den USA. Es ist aber gar nicht überraschend, denn in Cluj werden alljährlich zahlreiche Veranstaltungen ausgetragen. Und das Gastronomieangebot ist auch vielfältig und verlockend.



    Die Vielfalt an Kirchen in der Innenstadt ist erstaunend — in der gleichen Stra‎ße können reformierte, römisch-katholische, unitarische und griechisch-katholische Kirchen gesehen werden. Die Stadt Cluj ist schon seit dem 16. Jahrhundert berühmt für ihre religiöse Toleranz, als eine neue Konfession, der Unitarismus, aufkam. Auch der Baustil der Gebäude ist eklektizistisch. In der Altstadt sind zum Beispiel viele typisch habsburgische Bauten zu sehen, die Ende des 18. Jahrhunderts errichtet wurden. Mehr Einzelheiten dazu lieferte uns unser heutiger Reiseleiter, Marius Oprea, von der Touristeninformation in Cluj:



    In der Stadt gibt es mehrere historische Denkmäler wie z.B. die römisch-katholische Kirche St. Michael, die Statuengruppe Matthias Corvinus, das Bánffy-Palais, in dem das Kunstmuseum untergebracht ist, die Metropolitankathedrale, das Nationaltheater »Lucian Blaga« und selbstverständlich den Museumsplatz. Diese Sehenswürdigkeiten liegen in der Innenstadt und können leicht zu Fu‎ß erreicht werden. Allerdings gibt es Sehenswürdigkeiten auch etwas weiter von der Altstadt entfernt, wie z.B. den Burghügel (rum. Dealul Cetăţuii). Die Aussicht über die Stadt von dort oben ist atemberaubend. Au‎ßerdem können auch die Ruinen der ehemaligen habsburgischen Burg besichtigt werden. Oder der Botanische Garten — eine der meistbesuchten Attraktionen in Cluj. Auch der Ethnografiepark »Romulus Vuia« ist einen Besuch wert. Er ist nämlich der älteste Park seiner Art in Rumänien. Cluj war stets eine offene, touristenfreundliche Stadt. Sie kann das ganze Jahr über besucht werden. Auch im Winter hat Cluj ein reiches Angebot an Veranstaltungen anzubieten.“




    Klausenburg empfängt seine Gäste auch mit überraschenden Sehenswürdigkeiten. Diesbezüglich ist das Apothekenmuseum zu erwähnen. Das Museum ist im Gebäude untergebracht, wo im 15. Jahrhundert die erste weltliche Apotheke in Cluj in Betrieb war. Das Museum lädt sie zu einer Zeitreise ein, zurück in die Zeit, in der manche Arzneimittel sogar Mumienstaub beinhalteten. Die Laborwerkzeuge, die damals verwendet wurden, würden heutzutage den Besuchern im besten Fall die Neugierde erregen. Manche bekommen aber richtig Angst davor. Das Labor wurde im Untergeschoss des Gebäudes eingerichtet, was ein Plus an Authentizität bringt.



    Anfang August verwandelt sich die Stadt Klausenburg in eine Welthauptstadt der Musik. Die Gäste des Internationalen Festivals Untold erwarten magische Nächte. Die Liste der teilnehmenden Musiker und Künstler ist sehr lang, so die Organisatoren. Das Musikfest wird aus diesem Grund parallel auf mehreren Bühnen ausgetragen. Und die gro‎ße Überraschung in diesem Jahr ist ein Konzert von Robbie Williams. Dieser wird auf der Hauptbühne auftreten. Die Veranstalter erhoffen sich einen Riesenerfolg.

  • Hermannstadt, ein Juwel mittelalterlicher Architektur

    Hermannstadt, ein Juwel mittelalterlicher Architektur

    Die Stadt Sibiu (dt. Hermannstadt) ist das südliche Tor Siebenbürgens — eine alte Stadt, die zum ersten Mal 1191 urkundlich erwähnt wurde. Die Stadt rühmt sich mit ihrer Altstadt und der Architektur. Besonders auffallend sind in diesem Zusammenhang die sogenannten Augen“ der Stadt — die eigentlich nichts anderes sind als Fensteröffnungen im Hausboden der Gebäude. In Sibiu führen alle Wege zum Gro‎ßen Ring, bekannt unter dem Namen Piaţa Mare. Piaţa Mare ist einer der drei historischen Ringe in der Stadt. Er wurde 1366 gegründet, gleichzeitig mit dem Abschluss der Bauarbeiten am dritten Verteidigungsring der Stadt. Im Mittelalter wurden hier Jahrmärkte organisiert und verschiedene Zeremonien ausgetragen.



    Auch heute noch ist der Gro‎ße Ring der Ort, an dem die meisten Veranstaltungen stattfinden. Im Winter z.B. wird hier der schon berühmte traditionelle Weihnachtsmarkt organisiert. Die Gebäude rund um den Hauptplatz beeindrucken durch die schöne Architektur. Es sind die Häuser, in denen einst die Oberschicht des Bürgertums — die sogenannten Patrizier — lebten. Sämtliche Gebäude wurden nach ihren Bauherren getauft: Haller-Haus, Hecht-Haus, Lutsch-Haus oder Weidner-Haus. Bemerkenswert sind auch das Blaue Haus, das Haus der Generäle, das Rathaus, die Römisch-Katholische Kirche und selbstverständlich das renommierte Palais Brukenthal. Im Schloss Brukenthal fand unter anderem das Treffen der Staat- und Regierungschefs Europas statt.



    Im Schloss Brukenthal wurde am 25. Februar 1817 das erste Museum auf dem Gebiet des heutigen Rumänien eröffnet. Diese Leistung ist dem damaligen Gouverneur Siebenbürgens, Samuel von Bruckenthal, zu verdanken.



    Der Weg vom Gro‎ßen zum Kleinen Ring (rum. Piaţa Mică) führt an einer weiteren Sehenswürdigkeit vorbei, dem Ratsturm. Dieser Turm verteidigte das Eingangstor in den mittleren Ring der Burg. Der Turm lag in unmittelbarer Nähe zum heutigen Rathaus — das zumindest geht aus den Urkunden des Jahres 1324 hervor. Im Roten Haus am Kleinen Ring ist derzeit ein luxemburgisches Kulturzentrum untergebracht. Dies ist nicht dem Zufall zu verdanken, sondern verdeutlicht einmal mehr, dass Hermannstadt und Luxemburg im gleichen Jahr, nämlich 2007, Europäische Kulturhauptstadt waren.



    Die Lügenbrücke (rum. Podul Minciunilor) ist ein weiteres Wahrzeichen der Stadt. Die Brücke wurde ursprünglich 1771 gebaut, dann 1859 von der Firma Friedrichshütte zu einem gusseisernen Schmuckstück rekonstruiert. Sie war die erste gusseiserne Brücke auf dem Gebiet des heutigen Rumänien. Weil sie auch die erste Brücke war, die nicht auf Pfeilern stand, wurde sie Liegebrücke“ genannt. Von liegen“ zu lügen“ war es nicht weit; so erhielt sie bald die Bezeichnung Lügenbrücke“, und es begannen sich mancherlei Legenden um diesen Namen zu ranken. Junge Paare spazieren gern über die Brücke, deren Tragwerk mit Rosetten und einer Bordüre mit kreisförmigem Zierrat und neugotischen geometrischen und Pflanzenornamenten geschmückt sind. Eine weitere Sage besagt, die Brücke solle einstürzen, sobald ein Lügner sie betritt; eine andere, dass sich früher an Markttagen die geschwätzigen Leute unter der Brücke versammelten und sich allerlei Klatsch und Tratsch“ berichteten. Von dieser legendenbehafteten Sehenswürdigkeit gibt es einen wunderschönen Blick über die Stadt und über den kleinen Ring bis hin zum Ratsturm.



    Darüber hinaus wurde Sibiu dieses Jahr zur Europäischen Gastronomieregion erklärt. Lediglich 8 Regionen in Europa erhielten diese Auszeichnung bis jetzt, darunter Katalonien und die Lombardei.

  • Hörerpostsendung 28.4.2019

    Hörerpostsendung 28.4.2019

    Liebe Freunde, herzlich willkommen zur Hörerpostsendung von RRI!



    Wir schreiben heute den Ostersonntag in der orthodoxen Kirche und passend zum Thema hinterlie‎ß uns Paul Gager, einer unserer Stammhörer aus Österreich, eine Frage im Internetformular:



    Werte Redaktion!



    Im englischsprachigen Programm von Radio Slowakei International erzählte die Moderatorin aus Rumänien über einen Ostermontagsbrauch, wo Frauen in Rumänien an der Grenze zu Ungarn mit Parfum bespritzt werden. In der Slowakei eher mit Wasser. Gibt es diesen ungewöhnlichen Brauch noch immer? Und was steckt dahinter? Werden nur unverheiratete Frauen bespritzt? Oder jede? Der rumänischen Moderatorin von RRI hat das früher überhaupt nicht gefallen.



    Mit grübelnden Grü‎ßen


    Paul Gager



    Vielen Dank für Ihre Zeilen, lieber Herr Gager. Ich war meinerseits verwundert, zu erfahren, dass bei RSI jemand aus Rumänien arbeitet. Ich habe dann die Webseite der englischen Redaktion von RSI besucht, und in der Tat: Unter den Mitarbeitern befindet sich tatsächlich eine Dame mit rumänischem Namen. Nun aber zu Ihrer Frage. Den Brauch zu Ostermontag gibt es tatsächlich noch, und zwar nicht allein an der Grenze zu Ungarn, sondern in ganz Siebenbürgen und darüber hinaus auch in den benachbarten Landesteilen Bukowina und Marmarosch. Der Brauch stammt von den Siebenbürger Ungarn, wurde aber auch von der rumänischen Mehrheit übernommen und wird wie gesagt auch au‎ßerhalb von Siebenbürgen praktiziert. Allerdings wurden Mädchen und unverheiratete junge Frauen ursprünglich mit Quellwasser oder frischem Brunnenwasser bespritzt, erst später wurde das Wasser durch Kölnischwasser oder Parfum ersetzt. Damit sollten junge Frauen das ganze Jahr über schön bleiben, und dem Brauch liegt eine Legende zu Grunde. Es hei‎ßt, ein christliches Mädchen soll einmal mit einem Eierkorb durch den Wald gegangen sein. Dabei soll ihr ein heidnisches Mädchen über den Weg gelaufen sein. Das Christenmädel versucht die Altersgenossin zu bekehren und erzählt ihr von Jesus, Gottesfurcht und Nächstenliebe. Das heidnische Mädchen erwidert, sie würde sich nur dann bekehren lassen, wenn Gott ein Wunder geschehen und die Eier im Korb rot werden lasse. Und so kam es auch — die Eier färbten sich auf einmal rot, und vor lauter Aufregung und Ehrfurcht fielen die beiden Mädchen in Ohnmacht. Vorbeiziehende entdecken die beiden Mädchen und bespritzen sie mit Wasser, damit sie wieder zu sich kommen, und so sei dieser Brauch zu Ostermontag entstanden, wobei das Wasser später durch Parfum ersetzt wurde. Heute wird meistens auch ein kleiner Spruch dazu gesagt. Burschenscharen ziehen von Haus zu Haus, um die unverheirateten jungen Frauen ausfindig zu machen. Dabei sagen sie ein kleines Gedicht auf, das sinngemä‎ß so klingt: Ich bin der Gärtner und hab ein Fläschchen in meiner Tasche. Wo ist das schöne Röslein hier, das benetzt sein will?“ Der Brauch wird natürlich in unterschiedlichen Varianten praktiziert, in manchen Dörfern werden auch verheiratete Frauen bespritzt, manchmal artet es in einer regelrechten Spritzorgie aus — das ist wohl, was der Kollegin von RSI nicht gefallen hat. Meistens endet das Ganze mit einem Festgelage in einem grö‎ßeren Bauernhof. Und mancherorts dürfen die jungen Frauen am nächsten Tag Revanche nehmen, am Dienstag nach Ostern bespritzen sie dann die Burschen im Dorf.



    Von Wien geht es weiter nach Grafing bei München, von wo sich unser Hörer Werner Schubert meldete:



    Hallo Sorin, hallo liebe Redaktion,



    es wird mal Zeit, dass sich ein ehemals flei‎ßiger Hörer und Schreiber wieder meldet, die Ostertage haben auch mir mal wieder etwas Gelegenheit zu einem Besuch auf den kurzen Wellen gegeben.



    Der Empfangsbericht vom heutigen Tage stammt aus dem Inntal mit meiner dortigen guten Ausrüstung, aber auch in meiner ungünstigen Grafinger Wohnlage ist RRI wieder wie gewohnt in guter Qualität zu hören. Schön, dass man das Geld für die Kurzwelle noch hat, wenn es auch am Versandmaterial für die Hörer zunehmend fehlt. Aber das ist nicht nur bei RRI so. Besorgniserregend ist z.B. die Situation bei der Stimme der Türkei“, wo der deutschen Redaktion im Rahmen einer Umgestaltung“ einfach der Zugang zur eigenen Homepage genommen wurde.



    Im Mai ist ja Europawahl, normalerweise melde ich mich immer freiwillig als Wahlhelfer, aber an diesem Tag habe ich einen anderen Termin. Den würde ich nur streichen, wenn mich die Stadtverwaltung anschreibt, weil es zu wenig Helfer gibt. Die meisten Wahlhelfer kommen aus dem öffentlichen Dienst, weil es für den Sonntag einen anderen Tag frei gibt. Für mich als Angestellten in einer Firma gilt das nicht, ich bekomme zwischen 30 und 50 Euro für so einen Sonntag. Wer gut verdient, ist natürlich nicht scharf darauf, dafür einen ganzen Tag zu opfern, deswegen gibt es gelegentlich einen Mangel an Freiwilligen, auch wenn es Getränke und Wurstsemmeln dazu gibt.



    Das bringt mich zu einer Frage: Wer stellt sich in Rumänien als Wahlhelfer zur Verfügung? Setzt man auf Freiwillige oder werden Beamte verpflichtet, zu erscheinen, und gibt es eine Aufwandsentschädigung? Danke schon mal für die Antwort!



    Das mal eben von mir, ich melde mich bald mal wieder. Lieber Sorin, ich hoffe Ihr Rücken ist auch wieder ganz in Ordnung.



    Herzliche Grü‎ße aus dem frühlingshaft warmen Grafing von


    Werner Schubert




    Vielen Dank für Ihre Zeilen, lieber Herr Schubert, und danke auch für die Frage nach meinem Gesundheitszustand. Nun, dem Rücken geht’s besser, allerdings habe ich in letzter Zeit Schmerzen im Schultern- und Nackenbereich. Das kommt vom vielen Sitzen vor dem Rechner, und ich habe meine Gymnastik-Übungen in letzter Zeit auch etwas vernachlässigt. Ärzte sagen, nach einer Verletzung der Wirbelsäule verbleibt eine lebenslange Empfindlichkeit. Auf jeden Fall hat mir der kleine Unfall vor Augen gebracht, wie zerbrechlich ein Menschenleben ist — man kann von einem Augenblick auf den anderen im Rollstuhl landen, ich hatte auf jeden Fall Glück, mir keine schlimmere Verletzung zugezogen zu haben.



    Nun zu Ihrer Frage, zu deren Beantwortung mir unser ehemaliger Mitarbeiter Mihai Stoicescu geholfen hat, der selber öfter als Wahlhelfer im Einsatz war. In Rumänien ist die Zusammensetzung der Wahlausschüsse für Wahllokale durch ein kompliziertes Gesetz von 2015 geregelt. Demnach müssen der Präsident und der Vizepräsident Juristen sein — im Gesetz steht sogar Richter“. Da dies aber in der Praxis oft nur schwer umzusetzen ist, werden in der Regel Beamte aus der Lokalverwaltung damit beauftragt. Die übrigen Kommissionsmitglieder sind Vertreter aller kandidierenden Parteien und Wahlbündnisse, zudem Beobachter im Auftrag zivilgesellschaftlicher Vereine oder NGOs. Weil vor allem kleinere Parteien nicht immer über ausreichend Personal verfügen, greift man oft auf Volontäre zurück, die sich rechtzeitig anmelden und selbstverständlich unbescholtene Bürger sein müssen. Oft sind es Schullehrer, denn die meisten Wahllokale werden in Schulen organisiert. Allesamt unterzeichnen eine eigenverantwortliche Erklärung, dass sie somit einen staatlichen Auftrag erhalten und ihn nach bestem Wissen und Gewissen erfüllen müssen. Die Aufwandsentschädigung ist — trotz auch hierzulande üblicher Verpflegung mit belegten Brötchen und Getränken — auch in Rumänien eher bescheiden: umgerechnet 25 Euro pro Wahlhelfer. Allein der Präsident und der Vizepräsident beziehen höhere Zulagen, die bis zu 100 Euro reichen können, weil sie als Berufsbeamte in der entsprechenden Funktion auch eine grö‎ßere Verantwortung haben. Der Einsatz ist allerdings nicht auf den Wahltag beschränkt. Am Freitag vor den Wahlen werden die Wahlhelfer zunächst eingewiesen; am Samstag nimmt man die Wahlzettel entgegen und versiegelt die Wahlurnen. Nach abgeschlossener Wahl am Sonntag kann sich das ganze Drumherum mit Auszählung der Stimmen, Protokollierung usw. bis Montagabend hinziehen, es ist also kein Spa‎ßjob. In der Regel werden daher drei Tagessätze als Entschädigung bezahlt. In der Schule im Kiez, wo ich wählen gehe, habe ich unter den Wahlhelfern einen Nachbarn aus meinem Hochhaus und eine Verkäuferin aus einem Laden im Viertel erblickt. Alles in allem ist es also ähnlich wie in Deutschland, und ich hoffe somit, Ihre Frage zufriedenstellend beantwortet zu haben, lieber Herr Schubert. Herzliche Grü‎ße nach Bayern!



    Unser Hörer Carsten Fenske (der normalerweise in Greifswald zu Hause ist) meldete sich von einem neuen, malerischen Standort per E-Mail:



    Liebe Radiomacher von Radio Rumänien INTERNATIONAL, Deutscher Dienst,



    nach einer kleinen Pause melde ich mich nun, von einem neuen Empfangsort, bei Ihnen zurück.



    Das Winterquartier als Camper habe ich aufgegeben und stehe nun bis Ende Oktober auf einem Campingplatz im Fischerdörfchen Freest. Direkt vor mir in ca. 300 m Entfernung verläuft die Küste, auf die ich einen ungehinderten Blick habe. So kann ich aus- und einlaufende Schiffe sehen und abends auch hören. Ein sehr stimmungsvolles Bild, was nie langweilig wird.



    Nun aber zu Ihren Sendungen. Die Umstellung auf die Sommerfrequenzen macht sich bei mir deutlich bemerkbar. Der Empfang ist (bisher) schlechter, aber ausreichend. Ich höre Sie auf der Frequenz 9570 kHz, stets 18:00 Uhr UTC. Zur Verbesserung des Signals habe ich mir eine 6 m lange, stationäre Antenne gebaut. Zur Veranschaulichung hänge ich mal ein kleines Video an diese Mail. Damit erreiche ich eine Verstärkung von ca. 30% und somit ist wieder alles, wie es sein soll.



    Zu Ihren Sendungen kann ich nur sagen: Daumen hoch und bitte den Programmaufbau so lassen. Durch die kurzen Beiträge, Nachrichten und Musikstücke ist immer etwas für mich und sicher auch die anderen Hörer dabei. Didaktisch gut gemacht ist auch die stets zum Beginn moderierte Sendungsübersicht. Man wei‎ß also, was kommt. Da kann ich mich nur Ihrem deutschen Hörer Helmut Matt aus Herbolzheim anschlie‎ßen, den Sie am 21.04. zitierten.



    Aufschlussreich war auch Ihre Programmrückschau vom gleichen Tage, in welcher Sie von einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung berichteten. Wenn junge Menschen von 14 bis 23 Jahren eine Diktatur besser finden als eine parlamentarische Demokratie, lässt das aufhorchen. Es zeigt aber auch ein gro‎ßes Ma‎ß an Naivität und früher war alles besser“… Ich für meinen Teil möchte nicht wieder in einer Diktatur leben. Auf Kommunismus habe ich auch nach drei‎ßig Jahren noch keine neue Lust.



    Damit möchte ich meine Zeilen auch schon fast beenden, nicht ohne noch ein herzliches Danke zu sagen für den ersten Preis beim Radioquiz. Ich verbleibe bis zum nächsten Mal mit freundlichen Grü‎ßen



    Ihr Hörer


    Carsten Fenske



    Vielen Dank für das ausführliche Feedback, lieber Herr Fenske, und herzliche Grü‎ße an die Ostsee!



    Zeit für die Postliste. Einen Postbrief erhielten wir von Frank Bresonik aus Gladbeck, der uns u.a. vom Tod seines Vaters unterrichtete. Unser herzliches Beileid, lieber Herr Bresonik, möge er in Frieden ruhen! E-Mails erhielten wir bis einschlie‎ßlich vergangenen Freitag von Heinrich Eusterbrock, Volker Willschrey, Jörg-Clemens Hoffmann, Reinhold Meyer, Andreas Mücklich, Werner Schubert, Carsten Fenske und Michael Willruth (D) sowie von Sutomo Huang (Indonesien), Reinhard Schumann (SE) und Paul Gager (A).




    Audiobeitrag hören:




  • Salat-Ciorba

    Salat-Ciorba

    Meine Tochter ist nach Hause gekommen und da wollte ich ihr etwas zubereiten, das ihr schmeckt. Ich entschied mich u. a. für eine Salat-Ciorba. Eine Ciorba ist ein rumänische saure Suppe. Ich wusste, dass die Salat-Ciorba, die meine Mutter ihr manchmal zubereitete, eine ihrer Lieblingssuppen ist und da Salat ein angesagtes Saisongemüse ist, war die Entscheidung gefallen. Eine Salat-Ciorba ist ein siebenbürgisches Gericht. Ich selbst hatte es bisher noch nie zubereitet. Also rief ich eine Verwandte in Siebenbürgen an und hier ist nun ihr Rezept.



    Zutaten:



    2 gro‎ße oder 3 mittlere Salatköpfe


    durchwachsenen Speck


    1 Zwiebel, Sie können auch einen grö‎ßeren Bund Jungzwiebeln verwenden


    etwas Knoblauch


    1 Teelöffel Sü‎ßpaprika


    1 Esslöffel Mehl


    2 Eier


    1 Eigelb


    3 Esslöffel saure Sahne


    Dill


    Salz


    Essig


    1,5–2 L Wasser




    Zubereitung:



    Den Salat gut waschen und in 2–3 cm dicke Streifen oder Quadrate schneiden. Die Zwiebel und den Knoblauch kleinhacken. Den Speck in Streifen schneiden und in einem Topf leicht anbraten. Zwiebeln und Knoblauch hinzugeben und glasig dünsten. Anschlie‎ßend Paprika hinzufügen, umrühren und den Salat hinzugeben. Mit Wasser auffüllen und 15 Minuten bei geringer bis mittlerer Hitze kochen lassen.



    In der Zwischenzeit die Eier mit dem Mehl und eine Prise Salz verrühren und ein Omelette zubereiten, das auf beiden Seiten leicht angebraten wird. Anschlie‎ßend das Omelette in Streifen schneiden.



    Das Eigelb mit der sauren Sahne in einer Schüssel verrühren. Den Dill kleinschneiden.



    Wenn der Salat fertig ist, die Omelette-Streifen hinzugeben und die Ciorba mit Salz und Essig abschmecken.



    Etwas hei‎ße Suppe in die Schüssel mit verrührtem Eigelb und Sahne geben, die Suppe vom Herd nehmen und den Schüsselinhalt hineinrühren. Den Dill darüber Streuen. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Nachkochen!



  • Covasna: reine Luft, schöne Natur, Gesundheitskur

    Covasna: reine Luft, schöne Natur, Gesundheitskur

    Was halten Sie von ein bisschen Entspannung? Ist eigentlich immer willkommen, vor allem beim gegenwärtigen Lebenstempo. Unter diesen Umständen schlagen wir Ihnen einen Aufenthalt im Ferien- und Kurort Covasna vor. Der Ort wurde schon 1548 urkundlich erwähnt, aber erst um 1900 als Kurort anerkannt. Covasna ist unter anderem als Stadt der 1000 Quellen bekannt. Oder als Königin des Mineralwassers. Der Kurort liegt direkt am Ostkarpatenbogen, auf einer Höhe von rund 600 m. In kleiner Entfernung befinden sich die Städte Sfântu Gheorghe (dt. Sankt Georgen) und Târgu Secuiesc (dt. Szekler Neumarkt). Die am nächsten liegende Gro‎ßstadt ist Braşov (dt. Kronstadt). Die Entfernung nach Bukarest, der rumänischen Hauptstadt, ist von 250 km.



    Die Natur war besonders gro‎ßzügig in der Region. Das kohlenstoffhaltige Mineralwasser, die natürlichen Mofetten und die reine Luft, reich an negativen Ionen, schaffen günstige Bedingungen für einen gelungenen Urlaub. Erholung, aber auch medizinische Behandlungen stehen hoch im Angebot, so Gabriel Bârgăneanu, der Leiter der Marketing-Abteilung des Informationszentrums Covasna. Wir unterhielten uns mit ihm bei der Frühjahrstourismusmesse in Bukarest:



    Covasna ist ein Reiseziel für alle Jahreszeiten. Es werden Herz-Kreislauf-Behandlungen während des ganzen Jahres angeboten. Die Luft ist reich an Ozon, dank der zahlreichen Nadelbaumwäldern. Im Feental (rum. Valea Zânelor) ist die Luft noch reiner, reicher an Sauerstoff. Die von uns angebotenen Kuren behandeln nicht nur die Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern tragen auch zur Stressminderung bei.“




    Die örtlichen Gewässer wurden von Fachleuten untersucht. Die Schlussfolgerung: Sie haben heilende Wirkung und helfen im Falle von Herzkrankheiten, Verdauungs- und Kreislaufbeschwerden oder Gehirnstörungen. Damit die Behandlungen wirken, seien 10-tägige Kuren empfehlenswert. Im Kreis Covasna gibt es allerdings auch viele touristische Sehenswürdigkeiten. Mehr Details dazu lieferte uns Gabriel Bârgăneanu, der Leiter der Marketing-Abteilung beim Informationszentrum Covasna:



    Die komplette Behandlung, die sowohl verschiedene natürliche Faktoren wie auch Mineralwasserkuren und Mofettenbäder umfasst, schafft die günstigen Bedingungen für einen erholenden Schlaf. Allerdings können in der Umgebung auch mehrere sanierte Anwesen ehemaliger Adeligen besucht werden. Auch die dakische Burg bei Covasna ist einen Besuch wert. Ich würde auch einen Spaziergang bis hoch auf das Plateau Comandău empfehlen. Dort kann eine von Hirten zubereitete traditionelle Mahlzeit probiert werden.“




    Das Kloster Mărcuş ist ebenfalls eine Wanderung wert. Es wurde auf einer Anhöhe errichtet und bietet eine wunderschöne Aussicht auf das Burzenland (rum. Ţara Bârsei). Wer sich in der Umgebung von Covasna heilen lassen will, darf die grö‎ßte Mofette in Europa — Peştera Puturosu (dt. Stinkhöhle) — nicht verpassen. Sie verdankt ihren Namen dem Geruch, den der Schwefel ausstö‎ßt. Die Mofette liegt auf einer Höhe von 1052 m und hat eine Länge von 14 m. Fachleuten zufolge würde sie täglich eine Menge von 3000 Kubikmetern kohlendioxidhaltiger Gase ausstrahlen. Die Wände sind gelb wegen des ausgesto‎ßenen Schwefels. Es hei‎ßt, Kaiserin Maria Theresia habe die Heileigenschaften des Ortes erkannt. Daher habe sie eine Arbeitergruppe beauftragt, eine Anlage zu bauen, die die dortigen Gase auffangen würde. Leider wurde die Anlage vor langer Zeit zerstört.



    Nach dem ersten Weltkrieg erkannten auch die Ärzte die Heileigenschaften der Mofetten. Viele Besucher der Höhle Puturosu kommen hierher für ihre heilende Wirkung. Die Schwefeltherapie hilft vor allem im Fall von Herz- und Kreislauferkrankungen. Sie wirkt sich allerdings auch bei Allergien und rheumatischen Beschwerden positiv aus. Au‎ßerdem erzählen die Ortsbewohner, die Männer sollten unbedingt mindestens einmal im Leben hier vorbeischauen. Der Schwefel habe nämlich die Wirkung eines natürlichen Viagra.

  • Kronstadt und Umgebung: Freizeit, Kultur und Sport

    Kronstadt und Umgebung: Freizeit, Kultur und Sport

    Für Bergliebhaber ist die Stadt Braşov (dt. Kronstadt) Startpunkt für viele Wanderungen in den nahe liegenden Bergen — Piatra Craiului (dt. Königstein), Postăvaru, Piatra Mare oder Bucegi. Der Panoramablick auf die Altstadt von Braşov vom Berg Tâmpa (dt. Zinne) ist atemberaubend. An klaren Tagen kann die ganze Senke gesichtet werden. Nur wenige Kilometer von Braşov liegt der Gebirgsferienort Poiana Braşov (dt. Schulerau). Die Schulerau verfügt über ein gro‎ßzügiges Schigebiet und genie‎ßt internationalen Ruhm. Mihaela Damian, Reiseberaterin beim Informationszentrum in Poiana Braşov, lieferte uns mehr Einzelheiten über die wichtigsten touristischen Sehenswürdigkeiten in der Stadt:



    Ich empfehle den Touristen einen Besuch der Schwarzen Kirche am Rathausplatz (rum. Piaţa Sfatului), in der Innenstadt. Die Schwarze Kirche ist ein bedeutendes geschichtliches Bauwerk und ein markantes Wahrzeichen der Stadt. Sie ist der grö‎ßte Sakralbaut landesweit und eine der grö‎ßten mittelalterlichen Kultstätten in Europa. Wir können die Touristen über alles Mögliche im Hinblick auf die Schwarze Kirche unterrichten. Wir geben ihnen gerne Auskunft über die Sammlung orientalischer Teppiche, die die Kirche beherbergt, sowie über ihre Buchholz-Orgel, die grö‎ßte mechanische Orgel in Rumänien. Darüber hinaus empfehlen wir den Touristen einen Besuch im Museum der Ersten Rumänischen Schule (rum. Muzeul Primei Şcoli Româneşti) oder in der Weberbastei (rum. Bastionul Ţesătorilor). Auch ein Spaziergang unter der Zinne oder die Promenade an der Stadtmauer (rum. După Ziduri) lohnt sich. Dort können zwei weitere historische Bauwerke besichtigt werden, nämlich der Schwarze und der Wei‎ße Turm. Sowohl die Stadt Braşov, als auch der Ferienort Poiana Braşov bieten viele Freizeitmöglichkeiten, unter anderem Kulturveranstaltungen oder Wanderungen durch die Berge.“




    Der nahe liegende Gebirgs- und Ferienort Poiana Braşov wurde 1895 als touristisches Reiseziel für die Bewohner der Stadt Braşov gegründet. Die erste Almhütte wurde 1904 gebaut. Zwei Jahre später wurde Poiana Braşov als Winterferienort anerkannt. Nur drei Jahre später wurden hier zum ersten Mal mehrere Wintersport-Rennen organisiert. 1951 fanden in Poiana Braşov die Universitären Winterspiele statt. Damit wurde Poiana Braşov der erste Gebirgsort in Rumänien, in dem vorwiegend Wintersportarten getrieben wurden. Derzeit verfügt es über das grö‎ßte Schigebiet in der Umgebung.



    Nun aber zurück nach Braşov. Eine weitere originelle Sehenswürdigkeit in der Stadt ist Schnurstra‎ße (rum. Strada Sforii). Sie ist die engste Stra‎ße in der Stadt, mit einer Breite von knapp 1,3 m. Sie wurde im 15. Jahrhundert als Zugangsweg für die Feuerwehr gebaut. Es wird erzählt, dass sie die engste Stra‎ße in Europa sei. Allerdings hat auch die Umgebung von Braşov Vieles anzubieten. Dazu Mihaela Damian, Reiseberaterin beim örtlichen Informationszentrum:



    Als erstes würde ich den Touristen einen Besuch in Poiana Braşov empfehlen. Der Ferienort bietet vielfältige Freizeitmöglichkeiten, sowohl im Sommer wie auch im Winter. Schifahren, Wanderungen, angenehme Spaziergänge — das alles gehört zum Angebot. Viele Hotels verfügen über Indoor-Swimmingpools. Von Poiana Braşov können Sie direkt nach Râşnov (dt. Rosenau) fahren. Dort kann die Rosenauer Burg (rum. Cetatea Râșnovului) besucht werden. Die Reise kann nach Bran (dt. Törzburg) fortgesetzt werden, wo ebenfalls das Schloss besichtigt werden kann.“




    Die Informationszentren vor Ort empfehlen eine 105 km lange touristische Route in der Umgebung von Braşov. Wer sich auf diese Reise einlässt, hat die Gelegenheit, 12 Festungen und Burgen, unter anderen auch Schloss Bran (dt. Törzburg) zu besichtigen. Letzteres ist die am meisten besuchte Sehenswürdigkeit in Rumänien. Früher war das Schloss Wohnsitz von Königin Maria.

  • Siebenbürger Sachsen 1918: Nach Zögern Zustimmung für die Vereinigung mit Rumänien

    Siebenbürger Sachsen 1918: Nach Zögern Zustimmung für die Vereinigung mit Rumänien

    Die Absichten und Handlungen einzelner Personen und Gemeinschaften waren konfus — auch die Siebenbürger Sachsen waren zu dem Zeitpunkt nicht ganz entschlossen, wie sie handeln sollten. Österreich-Ungarn löste sich zu dem Zeitpunkt gerade auf. Die Nationalitäten auf dem Gebiet der Donaumonarchie wollten Nationalstaaten gründen. Die Minderheiten in Siebenbürgen waren in dieser Hinsicht nicht ebenso entschlossen, die deutschsprachige Minderheit der Siebenbürger Sachsen musste mit ihren eigenen Vorurteilen und der Ungewissheit über die Zukunft kämpfen.



    Die Verabschiedung der Resolution der Rumänen am 1. Dezember 1918 war jedoch der Moment, in dem die Sachsen einen eigenen Standpunkt festlegten. Diesem wurde am 8. Januar 1919 in Mediasch Ausdruck verliehen, als ein aus 138 Delegierten bestehende Komitee der Sachsen die Vereinigung Siebenbürgens mit Rumänien anerkannte. Der Historiker Vasile Ciobanu vom Institut für Sozial- und Humanforschung in Hermannstadt kennt die Geschichte der über 100 Jahre alten Erklärung der Sachsen.



    Die Siebenbürger Sachsen, die mit den Rumänen in Gemeinden und Städten zusammenlebten, wussten von den Vorbereitungen auf die Versammlung von Alba Iulia, sie wussten von den politischen Verwerfungen, die sich abzeichneten. Im Oktober 1918, als der Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie begann, sprachen sich die Vertreter der Sachsen eher dafür aus, die Integrität des ungarischen Staates zu wahren. Am 23. Oktober 1918 gibt es im Budapester Parlament Erklärungen des Abgeordneten Rudolf Brandsch und am 29. Oktober 1918 eine Entscheidung des Nationalrates der Sachsen in Hermannstadt, in der sich diese Organisation auch für die Aufrechterhaltung der Integrität des ungarischen Staates aussprach. Als die Ereignisse auf den für die Rumänen günstigen Ausgang hinausliefen, traten im November 1918 die im sächsischen Nationalrat in Hermannstadt versammelten Vertreter der Sachsen sowie die sächsischen Abgeordneten des ungarischen Parlaments in Budapest mit den rumänischen Vertretern in Kontakt. In Budapest wird der Nationale Zentralrat der Rumänen mit Ioan Erdei als Vertreter gegründet. Der Zentralrat erörtert mit den Vertretern der Sachsen in Budapest die Haltung gegenüber der Entscheidung, die die Rumänen in Alba Iulia treffen sollten. Der Nationalrat der Sachsen diskutiert zudem mit dem Rumänischen Nationalrat in Hermannstadt, angeführt von Andrei Bârseanu. Dabei wird die Entschlossenheit der Rumänen in Siebenbürgen deutlich, sich Rumänien anzuschlie‎ßen.“




    Die Entscheidung der Rumänen am 1. Dezember 1918 sei mit Sicherheit der Moment gewesen, in dem die Sachsen erkannten, dass es nur eine Möglichkeit gab, und zwar die Gründung des neuen rumänischen Staates zu akzeptieren, sagt der Historiker Vasile Ciobanu.



    Selbst wenn sie auch Gespräche mit den Vertretern der neuen ungarischen Regierung Károlyi führten, haben die Sachsen beschlossen, sich den Rumänen und den Ungarn gegenüber gleich zu verhalten. Dies, um zunächst herauszufinden, welche Entscheidung die Rumänen treffen würden. Als sie feststellten, dass die Entscheidung der Mehrheit der rumänischen Bevölkerung getroffen war, entschieden sich die Sachsen am 1. Dezember für die Vereinigung Siebenbürgens mit Rumänien. Die Entscheidung fiel ihnen nicht leicht und das ist verständlich, weil die Sachsen 800 Jahre lang Teil des ungarischen Staates gewesen waren, seitdem sie auf Befehl der ungarischen Könige nach Siebenbürgen gebracht wurden. Unter diesen Umständen fiel es ihnen schwer, die Herrschaft zu ändern, unter der sie lebten. Auf der anderen Seite gab es sehr freundschaftliche Beziehungen zur ungarischen Herrschaft, da die Magyaren die Nähe der Sachsen suchten, um eine stärkere politische Positionierung in Siebenbürgen zu erlangen. Am 1. Dezember 1918 waren keine Vertreter der Siebenbürger Sachsen in Alba Iulia. Es gab nur einen Vertreter der Sächsischen Presse, einen Rechtsanwalt, der am 3. Dezember 1918 einen ziemlich objektiven, fairen Bericht in der Tageszeitung »Siebenbürgisch-Deutsches Tageblatt« veröffentlichte und der von den übrigen sächsischen Zeitungen übernommen wurde.“




    Wir fragten den Historiker Vasile Ciobanu, ob es beim Treffen der Sachsen in Mediasch keine anderen Gesichtspunkte gegeben habe als die Annahme der Vereinigung von Siebenbürgen mit Rumänien.



    Zunächst wurde in einer von einer Gruppe sächsischer Vertreter vorbereiteten Resolution der Vorschlag gemacht, die Vereinigung Siebenbürgens mit Rumänien zu akzeptieren. Es gab jedoch einen Gegenvorschlag, der von einigen Stimmen unterstützt wurde. Es gibt ein Protokoll des Treffens vom 8. Januar 1919, aus dem wir von diesem Gegenvorschlag erfahren. Dieser unterstützte die Idee, die Bestimmungen der Friedenskonferenz betreffend den Status Siebenbürgens abzuwarten. Zur Situation in Rumänien herrschten nicht gerade die besten Meinungen, konkrete Verweise betrafen die Existenz der gro‎ßen Liegenschaften und die Existenz einer Bauernschaft, die sich 10–12 Jahren zuvor, nämlich 1907, dagegen aufgelehnt hatte. Der Gegenvorschlag war, dass Siebenbürgen ein Teil Ungarns bleibt, aber dieser Idee wirkte man entgegen. Die etwa 4–5 Befürworter der Idee von insgesamt 138 Teilnehmern wurden darüber aufgeklärt, dass ihre Lösung nicht akzeptiert werden konnte. Warum mussten sie aufgeklärt werden? Weil die Versammlung einstimmig über eine Resolution abstimmen wollte, und die Resolution ist eben diejenige, die wir kennen, in der sie der Vereinigung von Siebenbürgen mit Rumänien ohne weitere Bedingungen zustimmen. In der Tat versuchten die Vertreter der Sachsen, von den Vertretern der Rumänen Zusicherungen zu bekommen, dass sie im künftigen rumänischen Staat bestimmte Rechte haben würden. Dabei beriefen sie sich, und das ist im Text ihrer Erklärung enthalten, auf die Bestimmungen der Resolution der rumänischen Nationalversammlung in Alba Iulia, die unter Punkt 3 ausdrücklich auf die Rechte verweist, die die nationalen Minderheiten im künftigen rumänischen Staat genie‎ßen sollten.“




    Die Hundertjahrfeier des Sachsentreffens in Mediasch hat eine tiefere Bedeutung: Rumänien profitierte damals von der Treue einer starken Minderheit. Und diese Treue bedeutete in jenen unsicheren Zeiten sehr viel.

  • Schloss Bethlen-Haller in Kokelburg: Bewegte Geschichte

    Schloss Bethlen-Haller in Kokelburg: Bewegte Geschichte

    Cetatea de Baltă wurde 1177 erstmals unter der Bezeichnung Villa Cuculiensis Castri“ in päpstlichen Listen erwähnt. Die dortige Festung war Verwaltungssitz des Komitats Kokelburg im Gro‎ßfürstentum Siebenbürgen, das 1876 in die Komitate Gro‎ß-Kokelburg und Klein-Kokelburg aufgeteilt wurde. Es ist eine Reise zurück in die Vergangenheit. Denn hier können Sie die Ruinen eines römischen Militärlagers aus dem 2.Jahrundert n. Chr. besichtigen. Die Ruinen liegen in einer Sumpflandschaft.



    In der Innenstadt, neben dem Rathaus, befindet sich ein Denkmal, gewidmet den rumänischen Soldaten, die ihr Leben im ersten Weltkrieg verloren. Das kreuzförmige Denkmal wurde 1935 errichtet. Das drei Meter hohe Kreuz wurde auf einen Treppenabsatz gestellt. Ein Schild weist auf die Bedeutung des Denkmals hin.



    In der Ortschaft leben schon seit Jahrhunderten Rumänen, Ungarn und Roma zusammen. Hier kann u.a. die Evangelisch-Lutherische Kirche, eine ehemalige katholische Kirche, an welcher romanische und gotische Kunst noch zu sehen sind, besichtigt werden. Mit den um 1060 erbauten zwei Türmen hielt sie dem Einfall der Mongolen von 1241 stand. Ein grö‎ßeres Bild eines Tatarenkopfes ist in der Kirche noch erhalten. Eine weitere Sehenswürdigkeit vor Ort ist die rumänische griechisch-katholische Heilige Dreifaltigkeitskirche, eingeweiht am 27. Dezember 2009.



    Die grö‎ßte Attraktion in der Region ist allerdings das Bethlen-Haller-Schloss. Das Schloss liegt auf einem Hügel. Es wurde im französischen Renaissance-Stil des 17. Jahrhunderts (1615–1624) erbaut. Der Bauplan sah eine rechteckige Konstruktion vor. Die runden Türme an den vier Ecken hatten aber keine Verteidigungsfunktion. Das Schloss ist eine Nachstellung des Schlosses Chambord in Frankreich, allerdings im Kleinformat. Die Intendantin des Schlosses, Irina Incze, lieferte uns mehr Einzelheiten zum Schloss:



    Das Schloss wurde 1560 als Jagdschloss gebaut. Es hatte überhaupt keine Verteidigungsrolle. Viele verwechseln das Schloss in Kokelburg mit der Burg, die es vor Ort gibt und die in den Geschichtsbüchern erwähnt wird. Die Burg lag irgendwo am Ufer der Kokel. Das Schloss wurde viel später errichtet, nach der Vorlage eines ähnlichen Schlosses am Ufer der Loire, allerdings in einem kleineren Format. Ursprünglich gab es lediglich die Mauer und die vier Türme an den Ecken. Erst später, um 1780, zu Zeiten des Gro‎ßgrundbesitzers Haller, wurde das Schloss um das Giebeldreieck erweitert. Das Schloss wurde im Auftrag des siebenbürgischen Kanzlers Miklós Bethlen gebaut. Im Laufe der Zeit wurde das Aussehen der Burg von ihren Besitzern mehrfach verändert. Durch eine Heirat der Familien Bethlen und Haller entstand der Name des Schlosses: Bethlen-Haller. Das Schloss war im Laufe der Zeit im Besitztum von weiteren 45 adligen Familien. Es verzeichnete eine besonders abenteuerliche Entwicklung — das Schloss wurde im Laufe der Zeit verschenkt, geerbt, beim Kartenspielen verloren. Auch die Familie des Grafen Haller gewann das Schloss im Jahr 1780 bei einem Kartenspiel.“




    Im Kommunismus diente das Schloss als Sitz eines staatlichen landwirtschaftlichen Produktionsbetriebs. Sein Zustand verschlechterte sich konstant. Irina Incze, die seit mehr als 35 Jahren im Schloss arbeitet, bestätigte uns diese Information. Und fügte noch hinzu:



    Nach der Wende gelangte das Schloss in privater Hand. Zwischen 2000 und 2003 wurde es zum Teil saniert. Der Keller, das Erdgeschoss und der zweite Stock wurden renoviert. Der Sanierungsplan ist sehr ambitioniert — es sollen sogar die Türen sowie der Fu‎ßbodenbelag und die Fenster ersetzt werden. Wir empfangen derzeit nur die Touristengruppen, die unsere Weine kennenlernen möchten.“




    Das Schloss liegt inmitten eines schönen Parks. Hinter dem Schloss ist ein Bauernhof, zu dem die Besucher künftig ebenfalls Zugang haben sollen. 18 Pferde werden hier gehalten und sollen den Touristen zur Verfügung stehen.



    Die Innenräume sind geschmacksvoll eingerichtet. Zwei Ritter in schimmernder Rüstung empfangen die Gäste am Eingang. Schwerte, Lanzen und Schutzschilder erinnern an die ehemaligen Ritterzeiten. Ein Raum mit Jagdtrophäen weist auf vergangene Beschäftigungen hin. Der Zusammenhang mit der Weinproduktion wird durch die Wandmalereien, die den römischen Gott Bacchus abbilden, betont. Weinreben und königliche Mahlzeiten vervollständigen das Bild. Die Besucher können durch ein Fenster den ursprünglichen Boden erblicken. Auch die hölzerne Treppe, die in den Keller führt, ist im Original erhalten geblieben. Aussteuertruhen, bemalte Bänke, verschiedene andere Möbelstücke und Haushaltsgegenstände lassen die Stimmung von einst wieder aufleben.

  • Alba Iulia vor 100 Jahren: Wie es zur Vereinigung kam

    Alba Iulia vor 100 Jahren: Wie es zur Vereinigung kam

    Im Rumänischen Nationalrat beschlossen die sechs Mitglieder der Rumänischen Nationalpartei und die sechs sozialistischen Mitglieder, dass die Zukunft der Rumänen aus Österreich-Ungarn mit dem Staat Rumänien zusammenhängen sollte. In Alba Iulia wurden 1228 Abgeordnete gewählt, die eine Resolution verabschiedeten, durch die Siebenbürgen sich mit dem Königreich Rumänien vereinigte.



    Diesen Höhepunkt nationaler Begeisterung vor 100 Jahren beschreibt der Historiker und Politikwissenschaftler Daniel Barbu wie folgt, er ist Professor an der Fakultät für Politik- und Verwaltungswissenschaften der Universität Bukarest:



    Was ist damals passiert? Es gab eine frontale und dramatische Kollision zwischen zwei Formen der Souveränität. Das frühe römische Recht hatte zwei Auffassungen, die nicht als widersprüchlich, sondern als komplementär empfunden wurden. Man sah das Ganze als ständige Auseinandersetzung mit Argumenten und Gegenargumenten. Und zwar, die »maiestas« des Volkes, d.h. die Souveränität des Volkes und das »imperium«, d.h. die Souveränität der Beamten, des Staates, des Senats, der Konsuln, Zensoren und so weiter. Was geschah 1918 zu Beginn des Winters in Siebenbürgen, und ich stelle hiermit die Verbindung mit dieser römischen Terminologie her? Siebenbürgen war eine Provinz ohne Staat, die ungarische Krone löste sich gerade auf, sie befand sich in einer Art Schockstarre, konnte also nicht reagieren. Wenn ich »Krone« sage, beziehe ich mich auf ihre Magistraten, d.h. Präfekten, Gendarmerie-Kommandanten und alle, die die öffentliche Ordnung und Souveränität der gro‎ß-ungarischen Nation gewährleisteten, die unter der Form eines »Imperiums« vom Parlament, dem König und den Regierungsdelegierten in Regionen und Grafschaften ausgeübt wurden. Diese Autorität existierte nicht mehr.“




    Vor dem Hintergrund der entstandenen Verwirrung hätten die Rumänen auf das Ziel der Selbstbestimmung hingearbeitet, sagt Daniel Barbu.



    Und doch haben wir in diesem Zusammenhang einen Ausbruch, eine Explosion der Majestät, die Souveränität des Volkes. Vor allem die Volksgruppe der Rumänen, insbesondere diejenigen, die durch zwei relativ gleichrangige Parteien im Parlament in Budapest vertreten waren und etwa den gleichen Einfluss hatten: die Rumänische Nationalpartei einerseits und der rumänische Ableger der Sozialdemokratischen Partei Ungarns zum anderen organisierten einen Wahlprozess. Soweit ich wei‎ß, war dies der einzige Wahlprozess der Neuzeit, der nicht von einer Regierung oder einer öffentlichen Behörde, sondern, wie wir seit 40 Jahren sagen würden, der Zivilgesellschaft organisiert wurde. Ich meine damit allerdings nicht, dass es ein sehr demokratischer Prozess war. Die mikrogeschichtlichen Daten, die wir über die Wahl der Delegierten in jedem der Orte haben, zeigen, dass ein Verfahren aus der römischen Zeit zur Anwendung kam, nämlich die Akklamation. In der Regel waren es zwei, drei oder vier Persönlichkeiten aus dem jeweiligen Dorf, d.h. der Priester, der Grundbesitzer, falls er Rumäne war, der Notar, der Lehrer oder ein reicherer Bauer usw., die durch Beifall, durch einen Konsens also, die Autorität zur Vertretung der gesamten Gemeinschaft erhielten. Es war ein mühseliger Prozess, der fast einen Monat gedauert hat und der jene Besonderheit der Geschichte ausmacht, die die Gründung einer extrem starken politischen Bildsprache mit tiefgreifenden demokratischen Konnotationen hätte darstellen können. Wo sonst oder wann sonst hat sich eine relativ gro‎ße Gruppe von Menschen, ohne Präfekten, Gendarmen und Polizisten, ohne jegliche Unterstützung, Ermutigung oder Finanzierung durch eine Behörde in einem Wahlprozess organisiert, der zu einer verfassungsgebenden Versammlung führte, der von Alba Iulia?“




    Aber es waren trübe Zeiten, das Ende des Ersten Weltkrieges hatte die in den Jahren zuvor unterdrückten Erwartungen und Reaktionen hochgespült. Professor Daniel Barbu sagt, die Demokratie hätte auf neue Grundlagen gelegt werden können, aber es sollte nicht so kommen.



    Zweifelsohne hat die konstituierende Versammlung von Alba Iulia in ihrer, ebenfalls durch Zuruf, einstimmig angenommenen Resolution nicht die Abstimmungsmethode angewandt. Darin ging es um die Einheit und die bedingte Vereinigung mit dem Königreich Rumänien. Es ging auch um die Gründung eines rein demokratischen Regimes, das hei‎ßt eines authentischen Regimes. Hier stellt sich eine Frage: Waren die Teilnehmer der Versammlung von Alba Iulia, oder zumindest diejenigen, die die Resolution formuliert und sie für den Zuruf der Bevölkerung vorgelegt haben, selbst Demokraten? Es waren eindeutig rumänische Patrioten. Es waren Leute, die lange Zeit parlamentarische Erfahrungen gesammelt hatten, sie hatten das Wissen und die Praxis der Politik auf ihrer Seite. Ich vermute aber, dass sie keine Demokraten waren und das sollte sich in den Monaten darauf zeigen. Was passierte zum Beispiel am 6. Dezember? Am 6. Dezember besetzt die rumänische Armee Siebenbürgen. Das hat wesentlich dazu beigetragen, die Grenzen festzulegen und vor allem den Frieden im Land wiederherzustellen. Wir haben sehr deutliche Zeitzeugnisse. Ion Lapedatu spricht in seinen Memoiren, auf den Tagebuchseiten, die genau in jenen Tagen geschrieben wurden, davon, dass ‚die Dörfer sich bewegen‘. Wenn wir über die Räterepublik nach sowjetischem Vorbild sprechen, denken wir nur an Budapest und Ungarn jenseits der Thei‎ß, aber ganz Europa, einschlie‎ßlich England, war von einem revolutionären Schaudern erfasst. Städte wie Turin, München, Berlin wurden viele Monate unter der roten Flagge von Soldaten und Arbeiterverbänden geführt. Ähnliche Dinge hatten in Siebenbürgen begonnen. ‚Die Dörfer bewegen sich‘, klagte also Lapedatu. Was bedeutete dies? Die Bauern teilten das Land unter sich auf und nicht immer bedeutete das, dass der Gutsbesitzer ungarisch war, die Bauern gingen zum Notar und verbrannten die Archive, in denen ihre Schulden verbucht waren. Es gibt eine ganze ländliche Bewegung, die die Revolution nachahmt.“




    Vor 100 Jahren war Alba Iulia also das Zentrum des Rumänentums in Siebenbürgen. Das Ende jenes Jahres war ein ruhmvolles Ende, aber die Historiker berichten, dass die Ereignisse von damals sich nicht ohne Windungen auf das klar erwartete Ende zubewegt hätten.

  • Kontrafaktuale Geschichte: Wie sähe der rumänische Raum ohne die Vereinigung von 1918 aus?

    Kontrafaktuale Geschichte: Wie sähe der rumänische Raum ohne die Vereinigung von 1918 aus?

    Die Alternativgeschichte, die auch als Gegengeschichte oder kontrafaktuale Geschichte bezeichnet wird, ist ein Literaturgenre, in dem man sich die Geschichte anders vorstellt als jene, die uns bis in die Gegenwart geführt hat. Diese Art von Literatur ist sehr reichhaltig. Derjenige, der zum ersten Mal den Begriff Uchronie“ verwendet hat, war der französische Philosoph und Schriftsteller Charles Renouvier, der Autor eines gleichnamigen Textes im Jahr 1876. Seitdem lie‎ßen die Schriftsteller ihrer Imagination freien Lauf, und zahlreiche Alternativszenarien wurden aufs Papier niedergeschrieben.



    Das Alternativ-Rumänien“ oder das Mehrfache Rumänien“ ist ein Fiktionsdiskurs, in dem Autoren wie der Literaturkritiker und Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft Virgil Nemoianu, Professor an einigen amerikanischen Universitäten, eine Geschichte aufgebaut hat, in der die Vereinigung von 1918 nicht stattgefunden hätte. In seiner Jugend war Nemoianu ein leidenschaftlicher Leser von Geschichtsromanen.



    Das ich immer wieder Geschichtsromane las, bin ich in letzter Zeit dazu gekommen, die Gegengeschichte zu entdecken. Diese geht von Ereignissen aus, die nicht stattgefunden haben und manchmal sogar absurd sein können, wie z.B. der Eingriff einiger Au‎ßerirdischen in den Zweiten Weltkrieg. Der populäre Romanschriftsteller Harry Turtledove schrieb unter seinen zahlreichen Romanen den Band »Ruled Britannia«. Er stellt sich vor, dass die Unbesiegbare Armada 1588 England erobert hat. Dabei wird Königin Elisabeth im Tower of London eingekerkert und England wird wieder katholisiert. Lope de Vega ist ein junger Leutnant, der sich Shakespeare nähert, um von ihm etwas über die Dramaturgie zu erfahren. Alte Politiker bereiten allerdings einen Aufstand vor, der letztendlich siegreich ist. Er hat auch einen weiteren Roman, der »Die beiden Georges« hei‎ßt. Darin versöhnen sich George III. mit George Washington, anstatt dass es zu einer Aufspaltung zwischen den USA und England kommt.“




    1918 entstand Gro‎ßrumänien durch die Vereinigung zwischen dem Rumänischen Königreich und Siebenbürgen, dem Banat und der Bukowina. Diese Situation nehmen die Historiker so wahr, wie sie sich ereignete, und sind der Meinung, dass eine Alternativgeschichte nicht der Geschichtswissenschaft wert ist. Virgil Nemoianu glaubt nicht, dass eine Alternativgeschichte etwas Absurdes sein würde.



    Mehrere Staaten, in denen dieselbe Sprache gesprochen wird, gibt es sowohl in Europa als auch weltweit. Welche wären die Vorteile gewesen? Wie hätte man die Dinge verstanden? Erstens standen die Rumänen fast ein Jahrtausend lang an der Kreuzung und zwischen dem Druck gro‎ßer Reichsmächte aus dem Osten, aus dem Süden, aus dem Westen. Das bedeutet zugleich mindestens drei unterschiedliche Einflüsse. Sie veränderten die Natur, die Art des Seins und die Bräuche in jedem dieser Länder. Im alten Königreich gab es einen französischen und einen russischen Einfluss. Jenseits der Karpaten gab es einen deutsch-österreichischen Einfluss, trotz der ungarischen Domination. Wie hätten sich diese Staaten einzeln entwickelt? Ich stelle mir vor, dass der Umzug der Menschen von einer Seite der Karpaten auf die andere einfach und vorteilhaft gewesen wäre. Bevölkerungsumzüge hat es sowieso gegeben. Auch nach der Gründung Gro‎ßrumäniens wei‎ß man, dass es gegensätzliche Tendenzen gegeben hat. Einerseits die Anziehung Mitteleuropas, andererseits das Balkanbündnis, in dem sich Rumänien eher mit Ländern wie Jugoslawien, Bulgarien und Griechenland, verbunden sah.“




    Das heutige Rumänien ist aus zwei unterschiedlichen geokulturellen Räumen gebildet, dem extrakarpatischen Raum, wo der Einfluss des Osmanischen Reiches und die christlich-orthodoxe Religion dominierend waren, und dem mitteleuropäischen Raum, wo der Einfluss Ungarns, des Habsburgischen Reiches und des Katholizismus ausgeprägt waren. Auf diesen Voraussetzungen baute Virgil Nemoianu seine Alternativgeschichte des mehrfachen Rumäniens auf.



    Die interne Natur der beiden Staaten wäre unterschiedlich gewesen. Wir können uns vorstellen, dass im transkarpatischen Raum es eine höhere Verstädterung gegeben hätte, vielleicht eine mitte-links-gerichtete politische Orientierung, denn hier gab es eine etablierte sozialdemokratische Tradition, ein gutes Finanznetz, mit recht kleinen Banken und Industrieanfängen. Dieser imaginäre Staat könnte der heutigen Slowakei, Slowenien oder Kroatien ähnlich sein. Das, was das alte Königreich war, wäre vielleicht intellektuell stärker entwickelt, denn hier gab es sehr solide Universitäten, eine solide intellektuelle Tradition, und auch die Landwirtschaft hätte sehr entwickelt sein können. Dieser Staat hätte zuversichtlicher nach Süden, auf den Balkan blicken können. Aus religiösem Gesichtspunkt hätte es im imaginären transkarpatischen Staat eine gewisse Zusammenarbeit zwischen Orthodoxen und Griechisch-Katholiken gegeben. Es gab auch Konflikte, allerdings bestand eine gewisse Freundschaft. Das alte Königreich war überwiegend orthodox, stand also dem Balkan und dem Osten näher. Ich denke au‎ßerdem, dass keine Rechtsextreme auf dieselbe Weise entstanden wäre. Es hätte auch Nachteile gegeben. Das vereinte Rumänien hatte eine gewisse Wirtschaftsmacht, die in der Zwischenkriegszeit und sogar während des Kommunismus zum Ausdruck kam. Aus intellektueller und kultureller Sicht kann man über Zusammenarbeit und über Kontakte zwischen den beiden Seiten der Karpaten sprechen. Ich möchte nicht behaupten, dass es besser gewesen wäre, wären die beiden Seiten getrennt, hätte es zwei rumänische Staaten gegeben. Ich wollte nur sagen, dass es sowohl Vorteile als auch Nachteile gegeben hätte. Deshalb habe ich dieses mehrfache Rumänien verbildlicht.“




    Die Geschichte hat so stattgefunden, wie wir sie heute kennen. Denn diese war für die Menschen jener Zeit die gültigste Formel. Die Alternativgeschichte tut nichts anderes, als sich Szenarien vorzustellen, und sie ist ein literarisches Gedankenspiel. Das mehrfache Rumänien oder das Alternativ-Rumänien findet im Mentalitätsunterschied Substanz, den man auch heute feststellt, aber dieses blieb blo‎ß eine Variante, die für die Staatsraison nicht glaubwürdig war.

  • Rumänien braucht einheitliches Förderungskonzept

    Rumänien braucht einheitliches Förderungskonzept

    Der britische Kronprinz Charles ist bekanntlich ein gro‎ßer Bewunderer Siebenbürgens. Er hat diese Region im Zentrum Rumäniens konsequent gefördert, da er hier die einzigartige Beziehung zwischen Mensch und Umwelt“ zu schätzen wei‎ß und deren Bewohner von einem gewissen Gefühl der Zugehörigkeit“ angetrieben werden. Inzwischen gibt es auch nützliche Strategien für den Schutz des Kultur- und Naturerbes hier.



    Der britische Kronprinz Charles hat mehrere traditionelle Häuser in der Umgebung erworben und ist in eine Kampagne eingestiegen, die Siebenbürgens Wälder vor der Zerstörung zu retten versucht — von denen einige zu den letzten Urwäldern in Europa gehören, das hei‎ßt vom Menschen unberührte Wälder. Die traditionellen Produkte der Region liegen Prinz Charles besonders am Herzen, deshalb spielt er die Hauptrolle in der Dokumentation Wild Carpathia“, die vom britischen Sender Travel Channel ausgestrahlt wurde.



    Ein nützlicher Dokumentarfilm für Rumänien — ein Land, dem nach allgemeiner Auffassung mehr Förderung nicht schaden würde. Online- und Social-Media sind zu den wichtigsten Kanälen geworden, um Touristen zu den erfolgreichsten Reisezielen auf der ganzen Welt zu locken. Obwohl die Zahl der ausländischen Touristen prozentual angestiegen ist, ist die Werbung für Rumänien als Reiseziel im Jahr 2018 mangelhaft“, behauptet Tudor Maxim, der Gründer von #ExperienceBucharest — dem grö‎ßten unabhängigen Förderprojekt Rumäniens, neben #ExperienceRomania.



    Er weist auf die Bedeutung von Werbevideos, die Notwendigkeit einer ständigen Aktualisierung der offiziellen Website für nationale Werbezwecke und die Verwendung anderer Sprachen als Rumänisch hin. Kurz gesagt, wir existieren offiziell nicht als internationale Marke, und die Statistik der ausländischen Touristen in Rumänien gehört zu den schwächsten in ganz Europa“, sagt Tudor Maxim.



    Anfang dieses Monats kamen bei der #ExperienceBucharest-Veranstaltung mehr als 300 internationale Gäste, Blogger, Journalisten, Vlogger sowie Twitter- und Instagram-Spezialisten zusammen. Sie entwickelten für die Kampagnen hochwertige Inhalte, warben für Bukarest und verschiedene Regionen und verbesserten den Bekanntheitsgrad Rumäniens um mehrere Dutzend Millionen Euro. Bei dieser Gelegenheit wurden alternative Führungen und Erlebnisreisen organisiert, wie Die Geschichte von Bukarest“, bei denen die Teilnehmer gut 500 Jahre Geschichte erkunden konnten, das Kulturerbe der Roma“ zum sensiblen Thema der Diskriminierung der Roma, dann Die Alternativ-Tour“, die mehr Appetit auf urbane Kunst machen soll, oder die Kommunismus-Tour“ zu den über 40 Jahren Geschichte, die den heutigen rumänischen Staat entscheidend prägten.



    Rumänien sei noch weit davon entfernt, sein wahres Potenzial im Tourismussektor zu nutzen, sagen Vertreter der rumänischen Hotelbranche. Demnach könnten sowohl die rumänische EU-Ratspräsidentschaft ab Januar 2019 als auch die Vorbereitung der Fu‎ßball-Europameisterschaft im Jahr 2020 sich positiv auf den rumänischen Tourismus auswirken. Alle Beteiligten müssten aber eine einheitliche Strategie verfolgen, sagt Călin Ilie, Präsident des Branchenverbandes des Hotelgewerbes in Rumänien:



    Bis zum 31. Januar haben wir das Ziel, die Strategie zur Förderung der Reiseziele Bukarest und Rumänien fertigzustellen. Wir wollen alle Akteure an einen Tisch bringen und die Ressourcen nicht für einzeln entworfene Strategien verschwenden, eine vom Ministerium, eine vom Bürgermeisteramt, eine vom Verband. Wir glauben, dass wir Erfolg haben werden, auch wenn es extrem spät ist. Wir werden das fertigstellen, ich würde es nicht Strategie sondern Aktionsplan nennen. Während der Präsidentschaft erwarten wir rund 25.000 Delegierte aus den Mitgliedsländern, und während der Europameisterschaft werden etwa 120.000 Fu‎ßball-Fans zu den vier Spielen kommen. Wir möchten diesen Touristen eine positive Erfahrung bieten, wir möchten die lokale Bevölkerung so weit wie möglich einbeziehen, um ein Gefühl von Stolz zu erzeugen, dass man in einer Stadt wohnt, die solche Veranstaltungen organisiert, und vor allem wollen wir das Kulturerbe verwerten, die ‚Legacy‘ nutzen, die nach einem solchen Ereignis erhalten bleibt, so dass die positiven Auswirkungen 3, 4, 5 Jahre danach immer noch zu spüren sind.“




    Das Ministerium für Tourismus wird das Reiseland Rumänien anhand von zwei Werbespots fördern, Broschüren in fünf internationalen Sprachen veröffentlichen, aber auch die Veranstaltung von Konzerten auf dem EU-Gipfel im Mai 2019 in Hermannstadt unterstützen. Allerdings braucht nicht nur der Tourismus mehr Werbung. Rumänien habe eine kohärente Strategie notwendig, um für traditionelle Produkte werben zu können, sagt Emil Dumitru, der Präsident des Branchenverbandes der Hersteller von Landwirtschaftsprodukten Pro Agro. Am Tag der rumänischen Landwirtschaftserzeugnisse erklärte er im Interview mit Radio Rumänien, es sei geplant, eine Agentur zur Förderung von Qualitätsprodukten zu gründen.



    Eine solche Agentur wird dem rumänischen Hersteller in hohem Ma‎ße helfen, eine ordnungsgemä‎ße Kennzeichnung für die eigenen Produkte zu haben, um alle technischen Angaben ordnungsgemä‎ß präsentieren zu können, und wir glauben, dass Rumänien, das nach dem Austritt Gro‎ßbritanniens das fünftstärkste EU-Agrarland sein wird, zum wichtigen Akteur auf dem Agrar-Lebensmittelmarkt in Europa avancieren wird.“




    Für ein Länderprojekt in diesem Bereich plädieren auch die Weinproduzenten in Rumänien, die daran erinnern, dass ihre Weine oftmals internationale Auszeichnungen erhalten, jedoch wenig von der Werbung profitieren.